Kürzung

25. Mai 2011 12:10; Akt: 25.05.2011 13:33 Print

IV zahlt künftig 840 Franken für ein Hörgerät

Hörbehinderte müssen künftig mit deutlich weniger Geld für ihre Geräte auskommen. Der Bundesrat hat die Beiträge stark heruntergeschraubt.

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Hörbehinderte erhalten künftig von der Invalidenversicherung weniger Geld für Hörgeräte als bisher. Der Bundesrat hat am Mittwoch die Beträge für das neue Vergütungssystem festgelegt, das am 1. Juli in Kraft tritt.

Der Bundesrat ist bei jenen Beträgen geblieben, die das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) im Dezember provisorisch genannt hatte. Hörbehinderte erhalten demnach von der Invalidenversicherung neu eine Pauschale von 840 Franken für ein Hörgerät. Für eine Versorgung beider Ohren beträgt die Pauschale 1650 Franken. Hinzu kommen jährliche Pauschalen für Ersatzbatterien und Reparaturen.

Sonderregelung für Kinder

Wer im AHV-Alter erstmals ein Hörgerät braucht, erhält wie bisher von der AHV 75 Prozent der IV-Leistung für ein Hörgeräte, also 630 Franken. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre wird keine Pauschale, sondern ein Höchstvergütungsbetrag in der Höhe der heutigen Fallkosten festgelegt.

Die Pauschalen müssen für sechs Jahre bei der IV und fünf Jahre bei der AHV reichen. Für jene, die bereits ein Hörgerät tragen, ändert sich nichts. Bis sie nach einer Frist von 5 oder 6 Jahren wieder Anspruch auf einen neuen Beitrag haben, gelten für sie die bisherigen Bestimmungen.

Tiefere Beträge

Die neuen Beträge sind deutlich tiefer als die heutigen: Hörbehinderte haben bisher je nach Schwere der Behinderung Höchstbeträge zwischen 1395 und 2100 Franken für ein Hörgerät und zwischen 2275 und 3355 Franken für die Versorgung beider Ohren erhalten. Die Finanzierung wurde durch einen Tarifvertrag mit den Verbänden der Hörgerätehersteller geregelt.

Der Systemwechsel wird damit begründet, dass kein Zusammenhang zwischen der Schwere der Hörstörung und den Kosten für ein Hörgerät bestehe. Deshalb sei ein Ein-Pauschalen-System gewählt worden. Für die Hörbehinderten sei das neue System vorteilhaft, schreibt das Departement des Innern (EDI).

Mehr Wettbewerb?

Sie erhielten das Geld von der Versicherung direkt ausbezahlt und könnten damit ihre Hörgeräteversorgung frei wählen. So könnten sie Preis und Leistung abwägen und ihr Hörgerät sogar im Ausland kaufen, wenn sie dies wollten. Das EDI zeigt sich überzeugt, dass dies den Wettbewerb stärkt und die «teilweise stark übersetzten Preise» zum Sinken bringen wird.

Der Preisüberwacher ist skeptisch: Er bezweifle, dass das neue Vergütungssystem zu tieferen Preisen führen werde, hatte Stefan Meierhans im Dezember festgehalten. Die Betroffenen seien auch künftig auf die Beratung der Akustiker angewiesen, und diese seien daran interessiert, teure Geräte zu verkaufen.

Zu hohe Kosten

Gegen die Pläne des Bundes hatte sich auch der Verband der Hörbehinderten Pro Audito gewehrt. Er rief Sozialminister Didier Burkhalter dazu auf, Korrekturen vorzunehmen. Mit der neuen Regelung müssten die Betroffenen zu hohe Kosten tragen, kritisierte der Verband. Ohne gute Hörgeräte drohe Hörbehinderten der Ausschluss vom Arbeitsmarkt. Integration werde so zur Farce.

Burkhalters Departement schreibt, die Höhe der neuen Pauschale sei unter Berücksichtigung der Vergütungen in EU-Ländern festgelegt worden. Sie liege 50 Prozent über der Vergütung in Deutschland. Der Zuschlag berücksichtige die höheren Arbeitskosten in der Schweiz und gewährleiste ein qualitativ hochstehendes Versorgungsniveau.

Ausserdem verweist das Departement auf die Einsparungen: Die Sozialwerke können mit dem neuen System rund 30 Millionen Franken im Jahr sparen. Die Gesamtausgaben von IV und AHV für Hörgeräte belaufen sich auf rund 100 Millionen Franken jährlich.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcel B. am 25.05.2011 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Reiches Land?

    Die Schweiz ist sehr widersprüchlich, einerseits liest man andauernd, wie reich wir doch seien, doch überall wird nur noch gekürzt.

  • Pit Rorschach am 25.05.2011 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Lächerlich. Ein Hörgerät kostet um die CHF 3'000.-- Und daran will die IV nur noch CHF 840.-- zahlen? Ich trage ein deutsches "Krankenkassen"-Hörgerät, also eines das billig ist und in D von der Kasse übernommen wird. Kosten: CHF 2'700.--. Billiger geht's nicht. Mit dem Schmalhalsbeitrag der IV müsste ich aufhören zu arbeiten und Rente beziehen.

  • J. Meyer am 27.05.2011 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    IV hat Misere gemacht, Zeche zahlen wir

    Wenn man bedenkt, das die IV selbst schuld an dieser Misere ist, da sie die Kostenexplosionen auf dem Hörgerätemarkt selbst beeinflussten u auch Akustiker Geräte anboten, die günstig aus dem Ausland kamen, hier aber teurer vertrieben wurden, als die z.B. in D gekostet hätten, ist diese Sparübung ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, welche gar versucht haben, kostengünstig die Geräte im Ausland zu beziehen, was die IV u andere Institutionen (Pro Infirmis z.B.) nicht erlaubten u drohten, die Verfügungen zu sistieren. Jetzt zahlen alle Betroffenen die Zeche.

Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 27.05.2011 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    IV hat Misere gemacht, Zeche zahlen wir

    Wenn man bedenkt, das die IV selbst schuld an dieser Misere ist, da sie die Kostenexplosionen auf dem Hörgerätemarkt selbst beeinflussten u auch Akustiker Geräte anboten, die günstig aus dem Ausland kamen, hier aber teurer vertrieben wurden, als die z.B. in D gekostet hätten, ist diese Sparübung ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, welche gar versucht haben, kostengünstig die Geräte im Ausland zu beziehen, was die IV u andere Institutionen (Pro Infirmis z.B.) nicht erlaubten u drohten, die Verfügungen zu sistieren. Jetzt zahlen alle Betroffenen die Zeche.

  • Jane am 25.05.2011 21:06 Report Diesen Beitrag melden

    gleiche metode wie bei den Brillen

    Bei den Brillen hatte man das Gleiche gemacht. Mit dem positiven Resultat dass die Preise sanken. Es gibt aber einenn kleinen Unterschied: Hörgeräte discounter sind keine vorhanden! Aber hoffentlich purzeln die Preise trozdem.

    • J. Meyer am 27.05.2011 13:52 Report Diesen Beitrag melden

      Hausgemachte Probleme

      Schwer vorstellbar! Das Problem war und ist, das viele Hörgeräte eigentlich aus dem Ausland kommen und hier teurer verkauft werden, als dort, aber ein Betroffener nicht die Möglichkeit bekam, die Kosten zu senken, da IV u andere Institutionen gleichwertigere (eigentlich die Gleichen), aber preiswertere Modelle z.B. in D zu kaufen. IV verweigerte sonst die Zahlung, statt früher schon zu sparen, wenn der Behinderte Sparmöglichkeiten anbot. Probleme also hausgemacht - die Zeche zahlen die Behinderten - typisch

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  • Pit Rorschach am 25.05.2011 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Lächerlich. Ein Hörgerät kostet um die CHF 3'000.-- Und daran will die IV nur noch CHF 840.-- zahlen? Ich trage ein deutsches "Krankenkassen"-Hörgerät, also eines das billig ist und in D von der Kasse übernommen wird. Kosten: CHF 2'700.--. Billiger geht's nicht. Mit dem Schmalhalsbeitrag der IV müsste ich aufhören zu arbeiten und Rente beziehen.

  • Marcel B. am 25.05.2011 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Reiches Land?

    Die Schweiz ist sehr widersprüchlich, einerseits liest man andauernd, wie reich wir doch seien, doch überall wird nur noch gekürzt.

  • Hörbehinderter am 25.05.2011 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Ich bin seit der Geburt gehörlos und trage kein Hörgerät, aber das liegt noch in der Schubladen. Ja, IV bezahlt das. Es kostet Tausend Franken. Klar, der Preis ist zu hoch. IV hat zuviele geschlafen. Viele Firmen profitieren das. Jetzt erwacht endlich IV. Das Hörgerät kostet durchschnittlich Fr. 500.--, lese ich im Internet. Vor 10 Jahren beauftragt das Spital mich, dass CI unterzogen werden soll. Ich lehnte es heftig ab. Es kostet ca. Fr. 50'000.-- inkl. Behandlung. IV bezahlt bereits. Unglaublich! CI funktioniert genau gleich wie Hörgerät. Nicht besser wie Hörend!

    • Laredo am 26.05.2011 22:26 Report Diesen Beitrag melden

      Unterschiedliche Ansichten

      Ungeachtet der Kosten, würde ich mich als stark Hörbehinderter mit einem Hörverlust von 96% mich dennoch nie für CI entscheiden. Für mich ist diese Technik zu wenig ausgereift u ästethisch auch nicht grad empfehlenswert. Zudem noch ein Witz! Als Hörbehinderter mit dem erwähnten Hörverlust kann ich keine Abzüge bei den Steuern machen, da ich nicht gehörlos bin, während ein Gehörloser wie Sie, der aber keine Kosten für Hörgeräte hat, kann eine Pauschale von 2500 Fr. bei den Steuern abziehen. Ist das auch gerecht?

    • Bidu am 31.05.2011 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort...

      Ist das auch gerecht? Ich sage nein und weiss nichts warum. Nicht wegen der Hörgeräte, sondern viel Reise um Gehörlosen zuknüpfen. Damals muss ich den Militärsteuer zahlen, da ich unschuldig bin. Ich wollte das Geld zurückverlangen. Das Militär lehnte es ab. Also, ich muss eine Pauschale von Fr. 2500 Fr. nehmen. Ist das auch gerecht?

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