Gegen Radikalisierung

05. Juni 2015 17:03; Akt: 05.06.2015 17:03 Print

IZRS wirbt an Schulen mit Jihad-Hotline

von R. Neumann - Der Islamische Zentralrat hat eine eigene Hotline eingerichtet – und will damit Schulen beraten. Das sorgt für Kritik.

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Gerade hat der Nationalrat die Schaffung einer nationalen Jihad-Hotline abgelehnt. Dabei existiert bereits eine Hotline – betrieben vom Islamischen Zentralrat (IZRS) Schweiz. Kürzlich flatterte vielen Schweizer Schulen ein Flyer ins Haus. Inhalt: Hilfestellung bei Fragen zu Radikalisierung und deren Erkennung. In der Broschüre heisst es: «Die Prävention des Einzelfalls ist uns ein ernsthaftes Anliegen.»

Eine Lehrerin einer Zürcher Oberstufe sagt: «Auf die Broschüre wurde in einer Lehrersitzung verwiesen. Da sie sehr offiziell aufgemacht ist, dachte ich, dies sei ein offizielles Projekt mit entsprechender Absegnung durch den Kanton.» Dass der IZRS dahintersteht, hatte die Lehrerin überlesen. Laut IZRS ging die Broschüre an alle Unter- und Mittelstufen in der Deutschschweiz.

Warnung an die Schulen

Als die Berner Erziehungsdirektion Wind davon bekam, reagierte sie. Abteilungsleiterin Susanne Müller: «Wir haben danach unsere Schulinspektoren darüber informiert, dass diese Broschüre von der Erziehungsdirektion nicht abgesegnet wurde.» Auch in der Stadt Zürich wurden alle Schulen angewiesen, sich in dieser Thematik an die interne Fachstelle zu wenden und nicht an den IZRS.

Auch der Winterthurer Stadtrat und Vorsteher des Departements Schule und Sport, Stefan Fritschi, sagt erstaunt: «Durch das Design des Flyers ist nicht sofort ersichtlich, wer dahintersteckt.» Er werde die Winterthurer Schulen informieren, dass der IZRS diese Hotline betreibt.

Wertkonservativer Islam

Ferah Ulucay, Generalsekretärin des IZRS, erklärt: «Die Hotline verfolgt das Ziel, bei der Unterscheidung zwischen religiös-normativer Glaubenspraxis und Gewaltextremismus zu helfen.» Als Beispiel führt Ulucay das Beispiel eines Mädchens an, dass sich für das Tragen eines Hijabs und fünfmaliges Beten am Tag entscheidet. «Das macht sie noch lange nicht zur Extremistin.» Solche Phänomene wollten die Beraterinnen an der Hotline einordnen.

Ulucay sagt, die Hotline vertrete einen «normativen Islam», einen Islam, der sich am Koran und der Sunna des Propheten Mohammed orientiere. «Bei allen Projekten des IZRS kommt ein Wertekonservativismus zum Tragen.» Die Hotline werde wenig genutzt, bisher habe man drei Anrufe erhalten – zwei Anfragen davon hätten das Tragen des Kopftuchs zum Thema gehabt. Dass die Departemente ihre Schulen gewarnt hätten, hält sie für eine «kontraproduktive Verweigerungshaltung».

«Es ist verheerend»

Samuel Althof von der Fachstelle Extremismus- und Gewaltprävention hat ein ausführliches Gespräch mit der Leiterin der Hotline geführt. Er habe den Eindruck, das Angebot sei wirklich nur dazu da, Missverständnisse bei Glaubensfragen auszuräumen und eine Unterscheidung zwischen einer konservativen Auslegung des Islams und Extremismus zu machen. Althof: «Würde es bei einem Fall tatsächlich um Gewaltextremismus gehen, würde die Leiterin den Fall sofort abgeben, hat sie mir versichert.»

Kritischer sieht Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, das Angebot an. «Es ist verheerend, wenn eine solche Hotline von Salafisten betrieben wird.» Deren Ziel sei es, sich als Anwalt der Muslime zu präsentieren und sich als zentrale Anlaufstelle für alle Muslime zu etablieren. Dass der IZRS mit seinem Namen nicht prominenter auf dem Flyer auftrete, spreche für sich. «Ihre Methode ist Verschleierung und Täuschung.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 05.06.2015 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    hinterhältiges Spiel

    Der IZRS redet mit gespaltener Zunge. Hier will er angeblich vermitteln u verteilt Flyers in den Schulen u im Blick kann man lesen wie er junge Männer unterstützt, welche (angeblich) nach Jordanien zum Studium (?) fliegen, nahe der Region, wo der ISIS / IS wütet. Dem IZRS ist einfach nicht zu trauen u bin überzeugt, das der Blancho ein ganz hinterhältiges Spiel treibt. Ein Konvertit, der noch nie einer richtigen Arbeit nachgegangen sein wird, aber grosse Töne spuckt für seinen (!) Islam.

  • Bin besorgt am 05.06.2015 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Furcht ergreift die Macht!

    Es tut mir wirklich leid für die gesamte muslimische Bevölkerung... Ich weiss wirklich nicht mehr, was ich vom Islam noch halten soll! Viele gute Freunde von mir gehören der muslimischen Glaubensgemeinschaft an und trotzdem fällt es mir zunehmend schwerer, mich gegen pauschalisierende Vorbehalte zu wehren. Eigentlich bin ich ein liberal denkender Mensch und gerade deshalb ist es für mich erschreckend, wie ich abwertenden Gedanken gegenüber Muslimen immer öfter erliege. Bin ich der einzige dem es so ergeht?

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  • M. D. am 06.06.2015 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Islamkritik

    Finde ich unglaublich immer wieder zu hören "das halt nichts mit dem Islam zu tun" oder "Salafisten sind keine wirklichen Muslime". Mit keiner anderen Religion haben wir dieses Theater - IZRS hin oder her.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 07.06.2015 00:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bringt beweise

    Man kann es euch nicht recht machen izrs versucht seit Jahren um ein friedliches miteinander jetzt bringen sie diese hotline um zu helfen und ihr lehnt ab ihr wollt diesen feind Kostes was es wolle nur weil sie nicht glattrasiert und mit Krawatte auftreten immer nur blose Vermutungen und Schätzungen aber bisher kein beweiss das sie schlecht sind

  • Ein Denker am 06.06.2015 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider...

    Die IS-Leute begründen ihr Tun mit dem Koran und handeln im Namen des Islam. Das alleine disqualifiziert diesen Glauben! Dasselbe gilt übrigens für alle Religionen. Die Christen haben auch im Namen ihres Glaubens Terror gesät und Gräueltaten verübt! Auf einen Gott der solches zulässt können wir verzichten. Die Menschheit muss sich aller Religionen entledigen und auf Humanismus und Aufklärung setzen. Leider sind wir sehr weit davon entfernt.

  • Lukas Wittwer am 06.06.2015 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe! oder Hilfe?

    Das ist Perversion in Reinkultur. Schändlich, dass es offenbar Schulen gibt, die jedes Traktat einfach aufhängen. Mit Ausnahme von solchen christlichen Inhalts, die gelten nämlich als nicht genehm, da man ja die Schüler negativ beeinflussen könnte.

  • Philipp Eugster am 06.06.2015 20:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Bilanz

    Traurig zu sehen wie extreme misstrauisch das Schweizer Volk ist. Der IZRS versucht alles, Extremismus zu verhindern, doch ihr lässt ihnen keine Chance. Dann fragt ihr euch wieso sich so viele Jugendliche sich dem IS anschliessen? Wo ist die Logik?

  • Ahmed am 06.06.2015 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    IZRS ist kein Sprachrohr aller Muslime

    Wenn der IZRS definiert, wo die Grenze zwischen "normativ-religiösen Verhalten" und Extremismus liegt, dann muss man einfach wissen, dass dann halt gewisse Dinge anders ausgelegt werden, als es unsere Verfassung vorgibt. Der IZRS ist doch für Kopftuchpflicht, oder? Wie wird dann wohl eine IZRS Beratung aussehen, wenn eine Person um Rat frägt, ob es Ok sei, in der Schule den Schleier zu tragen oder nicht? Der IZRS wird wohl beratend darauf hinweisen, dass es religiöse Pflicht ist, und nicht Extremismus, und voila, schon haben wir ein Problem.