Tamilen habens schwer

17. September 2014 11:03; Akt: 17.09.2014 13:59 Print

Ic-Namen sind bei Wohnungssuche im Vorteil

Bewerben sich Personen mit arabisch, tamilisch und serbokroatisch klingenden Namen für eine Wohnung, haben Letztere bessere Aussichten auf eine positive Rückmeldung des Vermieters.

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Wohnungssuchende stehen im März 2014 vor einer Liegenschaft in Zürich Schlange. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Personen mit ausländischen Namen werden bei der Wohnungssuche systematisch benachteiligt. Haben sie einen serbokroatisch klingenden Namen, stehen ihre Chancen auf eine neue Wohnung aber deutlich besser als diejenigen von Tamilen oder Arabern.

Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Universität Bern im Auftrag der Organisation «Gewählte Stimme», einem Zusammenschluss von Ratsmitgliedern mit Migrationshintergrund. Für die Erhebungen wurde auf rund 1000 Wohnungsinserate eine E-Mail-Anfrage geschickt – jeweils einmal mit einem typischen Schweizer Namen wie Daniel Fischer, einmal mit einem ausländischen Namen wie Radan Stankovic, Ali Samet oder Arunan Vaidyanathan.

Die Schweizer erhielten in 79,8 Prozent der Fälle eine positive Antwort wie zum Beispiel eine Einladung zur Wohnungsbesichtigung, die Ausländer nur in 75,7 Prozent der Fälle. Es könne somit von einer systematischen Benachteiligung gesprochen werden, heisst es in der Studie. Im Vergleich zu anderen Ländern sei die Benachteiligung in der Schweiz allerdings eher gering.

Personen mit serbokroatisch klingendem Namen wurden gemäss der Studie kaum diskriminiert. Bewerber mit arabischen oder tamilischen Namen hingegen hatten eine um rund 5 Prozent schlechtere Aussicht auf eine positive Rückmeldung des Vermieters.

Keine Diskriminierung in Nordwestschweiz

Besonders schwierig ist die Wohnungssuche für Ausländer im Mittelland und in der Ostschweiz. Hier werden bis zu 10 Prozent der Bewerber mit ausländischen Namen bei der Anfrage um eine Wohnungsbesichtigung benachteiligt. In Zürich und der Zentralschweiz ist die Diskriminierung nur gering, in der Nordwestschweiz konnte gar keine Benachteiligung festgestellt werden.

Ein weiterer Befund aus der Studie: Geben Bewerber mit ausländischem Namen bei der Anfrage an den Vermieter einen Beruf an, werden sie kaum mehr anders behandelt als solche mit Schweizer Namen. Das deute darauf hin, so die Autoren, dass Diskriminierung vor allem bei mangelnder Information über eine Person auftrete. In diesem Fall würden Gruppenstereotypen zur Bewertung der Person herangezogen.

Eritreer stark benachteiligt

Bei einer zweiten Erhebung hat das NCBI Schweiz (National Coalition Building Institute) ebenfalls im Auftrag der «Gewählten Stimme» untersucht, inwiefern Personen mit eritreischen, albanischen und tamilischen Namen bei der Wohnungssuche benachteiligt werden. Bei dieser Untersuchung wurden nur knapp 100 Wohnungsinserate berücksichtigt.

Die festgestellte Diskriminierung ist mit 14 Prozentpunkten höher als bei der Studie der Universität Bern. Personen mit eritreischen (21 Prozent Nettodiskriminierung) und albanischen (15 Prozent) Namen haben gemäss dem Bericht noch grössere Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt als solche mit tamilischem (6 Prozent) Namen.

Anpassung des Mietrechts gefordert

Aufgrund der Studienergebnisse fordert «Gewählte Stimme» eine Anpassung des Mietrechts und des Diskriminierungsschutzes sowie Beratungsstellen für Betroffene, wie die Organisation in einer Medienmitteilung vom Mittwoch schreibt. In Deutschland, den USA und anderen Ländern sei der Schutz gegen Diskriminierung für Mietende eine selbstverständliche Realität.

Was für Erfahrungen haben Sie als Ausländer bei der Wohnungssuche in der Schweiz gemacht? Melden Sie sich bei uns unter feedback@20minuten.ch

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jan Bürgi am 17.09.2014 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Benachteiligung von Ausländern

    Von systematischer Benachteiligung zu sprechen bei gerade mal 4% unterschied zu Schweizern finde ich schon weit her geholt!

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  • karl minder am 17.09.2014 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wer weiss.....

    Vielleicht gibt's ja tatsächlich auch Gründe dafür.

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  • Autofahrer am 17.09.2014 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    realitätsfremde forderung

    eine anpassung des mietrechts zu fordern ist völlig realitätsfremd. wollen die etwa leute zum vertragsabschluss zwingen? danach soll das sicher auch für arbeitgeber gelten und am schluss auch für unseren täglichen einkauf im migros.

Die neusten Leser-Kommentare

  • chrigi am 17.09.2014 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wichtigtuer

    Wahrscheinlich war der gewählten Stimme die erste Studie nicht diskriminierend genug, wesshalb man eine 2. in Auftrag gab. Und um die Wahrscheinlichkeit für ein genehmes Resultat zu erhöhen, hat man die Versuchsmenge drastisch reduziert. Und es mag ja sein, dass in den USA, Deutschland und anderen Ländern der Mieterschutz Realität ist. Nur ist das bei uns auch der Fall, kein Scheiss jetzt. Sie haben also keine konkrete Forderung für eine Änderung, der Vergleich mit dem Ausland wird gewertet aber nicht begründet und es ist keine kritische Hinterfragung der Ursachen feststellbar.

  • Mara Ple am 17.09.2014 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Alleinerziehend

    Habe es auch schwer eine Wohnung zu finden, bin Schweizerin in Festanstellung aber Alleinerziehend mit einem Kind, trotzdem habe ich keine Chance.....

    • Rolly Shelby am 17.09.2014 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Alleinerziehend

      Das Problem ist bekannt, es gibt aber eine relativ einfache Lösung, da normalerweise die Verwalterinnen/er den einfachsten Weg gehen, Du musst schneller sein wie alle andern, ich habe damit zwei mal Erfolg gehabt.

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  • Wassolldas am 17.09.2014 13:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann das nicht akzeptieren!

    Wenn ich mich in einer neueren nahegelegenen Siedlung nahe von meinem Wohnort umschaue, kann ich diesen Vorwurf nicht akzeptieren! Denn, dort, werden "nur"an ausländische Familien vermietet! Schweizer, haben dort keine Chance!!! Ust das nicht auch Diskriminierung? Über 500 Familien wohnen dort.

  • el sol am 17.09.2014 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ic

    Mein mann wurde wegen dem ic diskriminiert, dh nicht für eine arbeitsstelle zugelassen. Habe 5 min später mit meinem mädchennamen angerufen(spanisch) wurde gerade mit dem chef verbunden. Hab ihm dann viel böses gesagt.

  • Steffie am 17.09.2014 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Vorteil?

    Wohl eher "weniger im Nachteil" ;) Aber 76% vs 80% im Schnitt ist gar nicht mal so schlecht... (und da einige Gruppen bis zu 20% Differenz haben, kann es durchaus sein, dass dann gewisse sogar eine negative Differenz haben (>80% total, das um im gewichteten Schnitt auf 4% zu kommen), also wirklich im Vorteil sind?)