Konto gehackt

27. September 2019 20:58; Akt: 27.09.2019 20:58 Print

E-Banking-Gauner bringen Ärztin um 28'000 Franken

Über 100'000 Franken ergaunerten E-Banking-Betrüger vom Konto einer Ärztin. Ihre Bank lässt sie auf dem Schaden sitzen.

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Fast 100'000 Franken: So viel Geld wurde im November 2018 vom Konto von Ladina Sturzenegger unbemerkt auf ein Bankkonto nach Lenzburg AG transferiert. Eine Frau hob das Geld in Teilbeträgen ab und überwies es per Frachtbrief nach Russland, wie der «Beobachter» berichtet. Sturzenegger, eine Augenärztin mit eigener Praxis in Liestal BL, wurde erst durch einen Anruf der Polizei auf die illegalen Transaktionen aufmerksam gemacht. Denn die Bank in Lenzburg schaltete beim zweiten Besuch der unbekannten Frau die Behörden ein. Zu diesem Zeitpunkt waren 28'000 Franken bereits weg.

Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB), bei dem Sturzenegger ihr Konto hat, will den Schaden jedoch nicht übernehmen. Die Bank stellt sich auf den Standpunkt, dass der Fehler nicht bei ihr liegt. Geld online zu überweisen sei nur möglich, wenn man eine Transaktionsnummer (TAN) eingibt, die bei der BLKB per SMS geschickt wird.

Sturzenegger hat aber nie solche SMS erhalten. Das bestätigt eine Analyse, die eine Spezialfirma im Auftrag der Bank durchführte.
Auf Sturzeneggers Computer seien Hinweise auf den bekannten E-Banking-Trojaner Retefe gefunden worden. Ob er tatsächlich aktiv war, liess sich aber nicht feststellen. Wie die Betrüger es also geschafft haben, ins Konto zu gelangen, ist ungeklärt.

Kunde muss Risiko in Kauf nehmen

«Wir können trotz aller Sicherheitsmassnahmen keine Verantwortung für das Endgerät unserer Kunden übernehmen», sagte die BLKB gegenüber dem Magazin. Für Risiken, die ausserhalb ihres Einflussbereichs liegen, übernimmt sie keine Haftung. Das stehe auch in den Geschäftsbedingungen.

Für Kontoinhaber mit E-Banking bedeutet dies: Wer Opfer von Betrügern wird, ist selbst schuld. Entweder nimmt er das Risiko in Kauf – oder er verzichtet aufs Onlinebanking. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen fast aller Banken ähneln sich in diesem Punkt.

Kritik vom Konsumentenschutz

Bei der Stiftung für Konsumententschutz stösst dies auf Kritik. «Das Schadensrisiko wird komplett auf die Kunden überwälzt, auch wenn sie Opfer eines Betrugs wurden», sagt die Juristin Cécile Thomi zum «Beobachter». «Wir lehnen das ganz klar ab.» Zudem sei es fraglich, ob die Geschäftsbedingungen der Banken rechtlich haltbar sind.

In vergangenen Fällen zeigten sich viele Banken in Schadensfällen kulant. Warum das im Fall Sturzenegger nicht so war, sei unklar. «Wir analysieren den Einzelfall und entscheiden aufgrund des aktuellen Sachverhalts, insbesondere auch unter Berücksichtigung der individuellen Sorgfaltspflichten», lässt die Bank verlauten.

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fredy am 27.09.2019 21:34 Report Diesen Beitrag melden

    So kommts definitv zum Knall!

    Banken zwingen die Kunden dazu E- Banking zu machen, indem sie ansonsten z.B. für ein Kontoauszug 4, 5 und mehr CHF verlangen. Dasselbe tun praktisch alle Firmen/Behörden, welche für Papierrechnungen ebenfalls astronomische Gebühren verlangen. Der Staat zwingt die Menschen auch noch dazu min. ein Bankkonto zu haben, wofür man ebenfalls grosszügig zur Kasse gebeten wird, ansonsten gibts halt kein Lohn/Rente usw. Und auf der anderen Seite sagt man den Kunden, auch wenn diese ganz offensichtlich Opfer von Betrügern werden, dass sie halt selber schuld seien, weil sie ja E- Banking machen!

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  • Peter am 27.09.2019 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Software Lücke?

    SMS ist unsicher. Jeder der an der gleichen Antenne ist kann grundsätzlich mitlesen. Was mir hier nicht kam klar ist, die Kundin hat kein SMS erhalten - hat denn die Bank wenigstens eines verschickt? Falls nicht muss ja von einer Softwarelücke ausgegangen werden. So oder so ist die Bank in der Mitverantwortung.

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  • John am 27.09.2019 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bank

    Kein E Konto bei dieser Bank. Das Geld war vorher auf dieser Bank. Das heisst die Konten dieser Bank kann man hacken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Vreni SG am 30.09.2019 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überlegen

    Wenn der Benutzer selbst Schuld ist, muss die Bank sicherlich nichts bezahlen. Das ist ja fast wie wenn ich die Haustüre offen stehen lasse und hoffe, dass niemand die 20'000 mitnimmt die dort liegen. PhotoTan ist die sicherste Variante! Es wird mehr Bargeld gestohlen als Geld per E-Banking...

  • Dr Waggis am 30.09.2019 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie geht das?

    Also für eine Überweisung von meinem Konto braucht es meine Kundennummer (die könnte man Herausfinden), meinen Zugangscode (der ist nur in meinem Gedächnis) mein Handy und den Fototan. Wie kann so etwas gehackt werden, auf einem Computer mit Firewall und Antivirussoftware plus Antivirus auf dem Handy? Wie kommt die Schadsoftware daran vorbei?

  • Whirrun am 30.09.2019 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Kundenfreundlich Sicherheit

    Ich kenne viele mit der Aussage: "Ich bin bei der Bank XY, weil deren e-Banking so toll ist.". Ein 5-Stufiges Loginverfahren würde jedoch die Kunden stark verärgern. Auf der anderen Seite schreien alle nach Sicherheit und wollen die Schuld den Banken zuschieben. Überlegt euch bitte mal was ihr wollt. Jeder der etwas Ahnung von e-Banking und Programmieren hat weiss, dass es faktisch nicht möglich ist das System zu brechen. Doch das schwächste Glied ist immer der Mensch. Diese Ärztin hat sich einen Trojaner eingefangen und auf ihrem Computer nicht aufgepasst - selber Schuld.

  • Spieglein Spieglein an der Wand am 28.09.2019 01:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Wahl

    Banken und andere Firmen zwingen einem ja buchstäblich auf die elektronische Geschäftsabwicklung. Herkömmliche, sichere Leistungen werden überall minimiert oder teuer in Rechnung gestellt. Das Rentiert für die Firmen gleich doppelt und am Ende schieben sie dem Kunde noch die Schuld in die Schuhe. Sowas nenne ich unlautere Geschäftsführung.

  • Sparfuchs am 28.09.2019 01:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Teuer am Kunden gespart

    Ich denke der Imageschaden beläuft sich auf eine höhere Summe als 28'000.-. In diesem Sinne wäre es, seitens BLKB, sinnvoll gewesen, den Betrag zurückzuerstatten. Ich werde diesen Finanzdienstleister jedenfalls meiden.

    • Kain am 30.09.2019 08:32 Report Diesen Beitrag melden

      Präzedenzfall

      Die Bank will ja keinen Präzedenzfall schaffen...

    • Josef Rusch am 30.09.2019 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sparfuchs

      Eher gutes Image! Jetzt prüfen die Kunden das Konto und kommen dann nicht zu spät angetanzt und jammern wegen dem Betrug.

    • Dr Waggis am 30.09.2019 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kain

      Jetzt haben sie gerade einen geschaffen.

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