Schwerer Unfall auf A3

18. Dezember 2018 09:47; Akt: 18.12.2018 14:18 Print

Brauchts im Car eine Gurt-Kontrolle wie im Flugzeug?

von R. Lieberherr - Wie im Flugzeug: Car-Chauffeure sollen prüfen, ob die Passagiere angeschnallt sind. Das fordert die Beratungsstelle für Unfallverhütung.

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Seit 2006 müssen sich Car-Reisende anschnallen – die Gurtenpflicht gilt auch für nationale und internationale Fernbusse, die durchs Land fahren. Carunternehmen müssen laut Gesetz im Fahrzeug Gurten zur Verfügung stellen und die Passagiere schriftlich oder mündlich auf die Anschnallpflicht hinweisen. Damit habe das Unternehmen seine Verantwortung erfüllt, sagt Olivia Ebinger vom Bundesamt für Verkehr (BAV). Sie betont: «Der Chauffeur muss und kann aber die Gurtentragpflicht nicht selbst durchsetzen.» Jeder Reisende ist selbst verantwortlich, ob er sich im Car angurtet oder nicht. Und er haftet auch entsprechend: Nicht angeschnallte Car-Insassen werden mit 60 Franken gebüsst – analog zum Auto. Die Kontrolle der Gurtenpflicht in Cars ist für die Polizei jedoch schwierig: Stoppen die Beamten das Fahrzeug, haben die Insassen genügend Zeit, sich noch rasch anzuschnallen. Oder sie können einwenden, sie hätten die Gurte erst beim Halt gelöst. Beim tragischen Car-Unfall vom Sonntag auf der A3 in Zürich wurde das Todesopfer, die 37-jährige Italienerin Nicolette N., aus dem Fahrzeug geschleudert. Die Frau stürzte rund 15 Meter in die Sihl hinab und konnte laut Polizeiangaben nur noch tot geborgen werden. Das deutet darauf hin, dass die Italienerin im Car vermutlich nicht angeschnallt war. Beim Car-Unfall auf der A3 kam eine 37-jährige Frau ums Leben, 45 Passagiere wurden zum Teil schwer verletzt. Einer der beiden Buschauffeure schwebt weiterhin in Lebensgefahr. Der Car war laut Polizei ins Schleudern geraten ... ... und in eine Mauer geprallt. «Ich hörte einen lauten Knall», sagt ein Augenzeuge. «Einige Insassen schrien, andere waren ganz ruhig», heisst es bei Schutz und Rettung. Der Car war von Genua nach Düsseldorf unterwegs. Der Car gehört einem Subunternehmen des Fernreiseanbieters Flixbus. Die Unfallursache ist noch unklar.

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Beim tragischen Car-Unfall vom Sonntag auf der A3 in Zürich wurde das Todesopfer, die 37-jährige Italienerin Nicolette N., aus dem Fahrzeug geschleudert. Das bestätigt Rebecca Tilen, Sprecherin der Zürcher Kantonspolizei. Die Frau sei rund 15 Meter hinab in die Sihl gestürzt und habe nur noch tot geborgen werden können. Die Schilderung deutet darauf hin, dass die Italienerin, die eine neunjährige Tochter hinterlässt, im Flixbus-Car nicht angeschnallt war.

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In der Schweiz gilt seit 2006 eine Gurtenpflicht in Reisecars – diese besteht auch für nationale wie internationale Fernbusse, die durchs Land fahren. Die Anbieter müssen laut Gesetz im Fahrzeug Gurten zur Verfügung stellen und die Passagiere schriftlich oder mündlich darauf hinweisen. Damit habe das Unternehmen seine Verantwortung erfüllt, sagt Olivia Ebinger vom Bundesamt für Verkehr (BAV). Sie betont: «Der Chauffeur muss und kann aber die Gurtentragpflicht nicht selbst durchsetzen.»

Ziel: Kontrollen wie im Flugzeug

Auch die Pressestelle von Flixbus bestätigt: Vor Reisebeginn müssten die Busfahrer mehrsprachig auf die Anschnallpflicht hinweisen. «Der Fahrer ist jedoch nicht dafür verantwortlich, sicherzustellen, dass das alle Passagiere befolgen», schreibt Flixbus. Das Büro für Unfallverhütung (BfU) geht einen Schritt weiter: «Vor der Abreise sollte der Chauffeur kurz kontrollieren, ob alle korrekt angegurtet sind», sagt BfU-Sprecher Nicolas Kessler. Bislang war das nur eine Empfehlung, nun will das BfU diese zur Norm machen. «Wir werden demnächst das Gespräch mit dem Branchenverband suchen und diese Forderung platzieren», bestätigt Kessler. Vor allem bei längeren Carfahrten habe der Chauffeur genug Zeit für einen Gurten-Check.

Ziel des BfU sei eine ähnlich rigorose Gurtenkontrolle wie in Flugzeugen. «Dort akzeptieren und befolgen das fast alle Fluggäste», so Kessler. In Reisecars sehe das anders aus, meist schnalle sich nur eine Minderheit an. «Gemäss den Rückmeldungen, die wir erhalten, halten sich viele Car-Reisende nicht an die Gurtenpflicht – und einige Anbieter setzen sie auch nicht konsequent durch», ergänzt Kessler. Deshalb sei nun Handlungsbedarf angezeigt.

Verantwortung liegt bei Passagieren

Jeder Reisende ist selbst verantwortlich, ob er sich im Car angurtet oder nicht. Und er haftet entsprechend: Nicht angeschnallte Car-Insassen werden mit 60 Franken gebüsst – analog zum Auto. Laut BfU haftet der Fahrer lediglich bei Kindern unter 12 Jahren, die nicht korrekt angeschnallt sind. Die Gurtenpflicht in Cars und Bussen zu kontrollieren, ist für die Polizei allerdings schwierig: Stoppen die Beamten das Fahrzeug, haben die Insassen genügend Zeit, noch rasch die Gurte zu befestigen. Oder sie können einwenden, sie hätten sich erst beim Halt abgeschnallt. Ob jemand angegurtet war, wird meist erst bei einem Unfall zum Thema.

In Postautos und Linienbussen gelten dagegen andere Regeln: In vielen ist das Angurten zwar möglich, aber kein Muss. Aus praktischen Gründen wird im regionalen Linienverkehr auf ein Obligatorium verzichtet. Einerseits ist die Fahrgeschwindigkeit oft tief, andererseits könnten gar keine Stehplätze angeboten werden, heisst es beim BAV. Doch sobald Postautos für Überland- oder private Extrafahrten im Einsatz stehen, müssen Gurten im Fahrzeug vorhanden sein und die Passagiere sich zwingend anschnallen.

20 Minuten hat Passanten gefragt, ob sie sich in Reisecars anschnallen. Sehen Sie die Antworten im Video.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claire am 18.12.2018 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    Ja klar sollte man sich anschnallen. Nur wird das überhaupt nichts nützen, wenn das der Chauffeur am Anfang der Reise kontrolliert. Kaum ist man losgefahren, werden einige den Gurt wieder lösen. Ist im Flugzeug ja auch so. Und da schnallt die sich nur wieder an wenn der Pilot Turbulenzen ankündigt. Wie soll den das gehen im Bus ? Sagt der Chauffeur "Anschnallen bitte; in 1 Minute gibt es einen Unfall." ??? Eigenverantwortung, heißt das Zauberwort.

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  • Postauto am 18.12.2018 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Leider Erfahrung

    Bin schon mal durch ein Postauto geflogen... seitdem weiss ich: anschnallen!

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  • Don Logan am 18.12.2018 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Anschnallpflicht

    Nicht nur in Cars, auch in öffentlichen Autobussen sollte man sich anschnallen. Es kann immer was passieren. Wer es nicht tut, ist selber schuld.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ShaBijan am 19.12.2018 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu ist zu

    wie auf der Achterbahn. Fährt erst wenn alles Verriegelt ist. Ein Magnetschalter sollte das Öffnen wärend der Fahrt verhindern. bei Seitenlage oder technischen Probleme eine automatische entriegelung

  • milli am 19.12.2018 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    die Grünen sollen die Strassen putzen

    Die Grünnen sollen die Strassen von der Klimaerwarmung besser putzen.

  • Luna am 19.12.2018 08:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privat auch

    Jeder muss es vielleicht selbst mal erleben bis es funktioniert. Sehe auch oft Kleinkinder die nicht gesichert sind. Das sind Eltern die ihre Wurzeln im Ausland haben . In Privat Auto! Ich beobachte viel so Fälle! Warum? Weil Zuviel im gleichen Auto sitzen! Da müsste eine Busse sein!

  • Der Busfahrer am 19.12.2018 05:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum nur?

    Wen ich Artikel lese von Flugzeugen in schweren Turbulenzen, ist auch immer die rede von Verletzten Fluggästen. Trotz mehreren Flugbegleitern im Flugzeug ist es nicht möglich eine Garantie zu haben das alle Fluggäste angeschnallt sind trotz zusätzlichen Anzeigen und Akustischem Signal. Wie bitte schön soll das im Bus gehen? Haben die Leute heut zu Tage wirklich keine Selbstverantwortung mer? Ein Carchauffeur

    • Peter Baumann am 19.12.2018 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Busfahrer

      Nein. Aber ich als Busfahrer insistiert. Es kam auch schon vor, dass ich deswegen angehalten habe.

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  • Chef Marco am 19.12.2018 03:49 Report Diesen Beitrag melden

    gurtenpflicht

    In Süd Korea ist es pflicht sich anzugurten im Bus, ansonsten führt der Bus nicht oder die person die sich weigert muss aussteigen

    • Jürgen am 19.12.2018 03:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chef Marco

      Wollte man das in der Schweiz durchsetzen, würde das sofort als Zwängerei empfunden werden.

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