Mindestlohn-Initiative

25. Januar 2011 10:36; Akt: 25.01.2011 12:44 Print

Im Minimum 3800 Franken pro Monat

Wer Vollzeit arbeitet, muss von seinem Lohn leben können. Dieses Ziel möchten die Gewerkschaften, die SP und die Grünen mit einem Mindestlohn erreichen.

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Auch Putzfrauen sollen pro Monat mindestens 3800 Franken erhalten. (Bild: Keystone)

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Die Gewerkschaften und die SP wollen einen gesetzlichen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde erreichen. Sie haben am Dienstag die Unterschriftensammlung für die Volksinitiative «Für den Schutz fairer Löhne» gestartet.

Umfrage
Die Gewerkschaften, die SP und die Grünen möchten den Mindestlohn auf 3800 Franken pro Monat festlegen. Welchen Mindestlohn erachten Sie für gerecht?
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27 %
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Insgesamt 7157 Teilnehmer

Für die Initianten steht fest: In der Schweiz arbeitet fast jeder zehnte Arbeitnehmende zu einem viel zu tiefen Lohn. Betroffen sind laut Vania Alleva, Vizepräsidentin des Gewerkschaftsbundes (SGB), gegen 300'000 Frauen und über 100'000 Männer. Sie verdienen Monatslöhne um die 3000 Franken (63 Prozent des Medianlohns ihrer Branche).

Solche Tieflöhne seien eine Zumutung für die betroffenen Arbeitnehmenden und eine Belastung für die Allgemeinheit, sagte Alleva. Denn sie führen unter anderem zu einer Belastung der Sozialwerke.

Nicht nur GAV-Branchen sollen profitieren

Den Druck auf die Tieflöhne haben die Gewerkschaften nach eigener Ansicht in den letzten zehn Jahren nicht genügend eindämmen können. Zwar ist es ihnen gelungen, mit der Kampagne «Keine Löhne unter 3000 Franken» ab 1998 in Tieflohnbranchen eine positive Lohnentwicklung in Gang zu bringen.

Profitiert haben aber nur Branchen mit Gesamtarbeitsverträgen (GAV), etwa die Gastronomie und der Detailhandel. Von Mindestlöhnen profitieren sollen nun auch Arbeitnehmende aus Branchen, in denen es keinen GAV gibt.

«Dort, wo ein angemessener Schutz der Löhne durch einen GAV nicht möglich ist, soll ein gesetzlicher Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde nicht unterschritten werden dürfen», forderte SGB-Präsident Rudolf Rechsteiner.

Dies entspricht einem monatlichen Mindestlohn von 3800 Franken (bei einem 100-Prozent-Pensum von 40 Stunden pro Woche) respektive 4000 Franken (42-Stunden-Woche). Der Mindestlohn müsste regelmässig der Lohn- und Preisentwicklung angepasst werden, mindestens im gleichen Ausmass wie die AHV-Renten.

«Angst vor mehr Arbeitslosigkeit unbegründet»

Diese «wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch wichtige Weichenstellung» führt laut Daniel Lampart weder zu mehr Arbeitslosigkeit noch zu einem Anstieg der Preise.

«Gemäss heutigem Forschungsstand sind die Wirkungen von Mindestlöhnen auf die Arbeitslosigkeit weitgehend neutral», sagte Lampart und empfahl Volkswirtschaftsminister Johann Schneider- Ammann, der am Montag der Initiative negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt unterstellt hatte, sich wissenschaftlich «à jour» zu halten.

Unter anderem führten Mindestlöhne nicht zu höherer Arbeitslosigkeit, weil Beschäftigte nach Anhebung ihres Lohnes einen Zweitjob - etwa in der Gebäudereinigung - aufgeben würden und so Arbeitsplätze für andere Menschen freimachten.

Die Furcht vor steigenden Preisen sei übertrieben, sagte Lampart weiter. Erfahrungen im Gastgewerbe - wo noch am ehesten höhere Preisen zu erwarten wären - zeigten dies.

«Keine Preishausse zu befürchten»

Seit 1998 sei der unterste Mindestlohn im GAV des Gastgewerbes von 2350 auf 3383 Franken pro Monat gestiegen ( 44 Prozent). Die Preise in der Branche seien aber weitgehend im Einklang mit den Preisen anderer Dienstleistungsbranchen gestiegen.

Heute liege der Mindestlohn im Gastgewerbe noch rund 5 Prozent unter den geforderten 22 Franken pro Stunde. Selbst wenn diese Differenz voll überwälzt werde, habe das einen Preisanstieg von weniger als 1 Prozent zur Folge.

Die Initianten haben nun bis am 25. Juli 2012 Zeit, die nötigen 100'000 Unterschriften zusammenzubringen. Getragen wird das Volksbegehren von den SGB-Gewerkschaften. Auch die SP will sich an der Unterschriftensammlung aktiv beteiligen, wie deren Vizepräsidentin, Nationalrätin Marina Carobbio Guscetti, sagte. Unterstützt wird das Anliegen zudem von den Grünen, der CSP, der Alternativen Liste sowie zahlreichen linken Organisationen.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 25.01.2011 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Schon lange überfällig

    Ich habe zwar das Glück einen Beruf auszuführen, der etwas besser gestellt ist, eine Mindestlohngrenze ist aber absolut Nötig in meinen Augen. Viel zu lange wurden Mitarbeiter im Verkauf, Service und vielen anderen Bereichen schamlos ausgenutzt. Ich würde diesen Menschen noch viel mehr Geld geben. Natürlich gibts aber viele Gegenstimmen, den Geld bedeutet halt etwas mehr unabhängigkeit und dies wollen die Reichen und Mächtigen ja nicht zulassen. 24H Einkaufsmöglichkeiten, und die Verkäuferin, die dafür ihre Freizeit aufgibt, kann nicht mal überleben mit dem, was sie kriegt. Eine Schande!!

  • EU-Bürger am 25.01.2011 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Einwandererparadies Schweiz

    Die Schweiz, das Paradies. Da wandere ich doch glatt ein. Ein Garantielohn von 3800 Fr., ohne die geringste Gegenleistung an Ausbildung, Können, Fleiss, Leistungsbereitschaft. Grandios! Jetzt fehlt nur noch der totale Kündigungsschutz wie in der EU und schon bin ich die Made im Speck.

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  • Bianca am 26.01.2011 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Weiter denken...

    Meiner Meinung nach sollte man viel eher für günstigen Wohnraum und für bezahlbare Krankenkassenprämien sorgen. 4000.- als Mindestlohn, also auch für jemanden ohne Ausbildung und ohne Erfahrung, erscheint mir etwas zu hoch. Entweder würden die am wenigsten gut Ausgebildeten dadurch keinen Job mehr finden, oder sämtliche Löhne und Preise könnten steigen, was der Profitabilität und Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft schaden würde. Ich möchte nicht wertend über irgendeinen Job sprechen, doch 4000.- bzw. 3800.- als Mindestlohn ist too much!

Die neusten Leser-Kommentare

  • K.L. am 28.01.2011 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Max 12'000.- und Mindestlohn!

    Bitte gut überlegen. Als KMU Chef verdiene ich deutlich über diese 12'000.- pro Monat. Allerdings trage ich die Verantwortung für über 50 Angestellte. Ich arbeite rund 6 Tage die Woche, oftmals 12-15 Std. Glauben sie wirklich, ich würde dies alles auf mich nehmen für 10'000.-? Alleine meine persönlichen fix Kosten übersteigen diesen Betrag. Ich muss mir ganz sicher nicht vorwerfen lassen ein Abzocker zu sein. An alle Befürworter! Wollt ihr wirklich, dass ich Leute entlassen muss oder mein Unternehmen schliesse? Ich zahle gute und Marktgerechte Löhne und ich bin ein solzialer Arbeitgeber.

  • Sonja Gürber am 28.01.2011 07:53 Report Diesen Beitrag melden

    Lohnunterschied - Mann und Frau

    Wie wär's, wenn man mal die Löhne für Mann und Frau für gleiche Arbeit anpassen würde?

    • Hedwig Graf am 28.01.2011 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      Gleiches ist nicht gleich!

      Ja sicher. Aber genauso sollten dann die Frauen mit 65 Pensioniert, obl. Militärdienst leisten müssen, beim Sorgerecht die gleichen Rechte wie die Männer haben, bei Scheidungen, Unterhalt etc, gleich wie Männer behandelt werden, Im den Sozialversicherungen u.a. Kinderbetreuung, Waisen und Wittwenrenten ebenfalls gleich Voraussetzungen wie Männer haben. Noch Fragen. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass Frauen für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn erhalten sollten.

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  • 123456789 am 28.01.2011 00:52 Report Diesen Beitrag melden

    Etwas muss man machen

    Ich verdiene bei 100% Arbeit 3400.- Brutto (= 31xx Netto) Hallo, nach allen Abzügen bleibt nicht mehr viel, aber essen muss man auch noch, das Ticket usw muss auch bezahlt werden. Wer jetzt sagt, der ist selber schuld, der hatt sowas noch nie selber erlebt. Es macht psychisch einem nicht besser, ganz im Gegenteil, es ist ein Druck den man immer spührt.

  • Blanche am 27.01.2011 11:17 Report Diesen Beitrag melden

    Stellenabbau

    Die Sache ist ja ein guter Gedanke. Nur frage ich mich ob es dann nicht zu vermehrt Stellenabbau führt. Da die Firmen mehr Geld in Mitarbeiter investieren und eine kleine Bäckerei (bsp.) sich mehr Lohnauszahlung gar nicht leisten kann und daher evt. Personalabbauen muss? Wir wollen später nicht über zu hohe Arbeitslosenquoten weinen...und das muss beachtet werden.

  • Laredo am 26.01.2011 21:29 Report Diesen Beitrag melden

    Lohnunterschied - Berufsstand

    Ein gerechter Lohn muss her, das ist klar. Aber auch ist klar, das ein angelernter oder ungelernter nicht den gleichen Lohn verdienen kann wie ein Gelernter. Problem ist nur, oft können aber beide kaum existieren in der CH mit ihren Löhnen, der ungelernt noch weniger, als der gelernte. Ein pauschaler M.lohn allerdings definiert den Berufsstand nicht mehr u müsste daher gestaffelt sein. Auf jeden Fall muss man aber mit seiner Hände Arbeit existieren dürfen, ohne staatl. Hilfe.