WEF absurd

24. Januar 2019 08:39; Akt: 24.01.2019 09:21 Print

Im Privatjet reisen und übers Klima debattieren

Der Klimawandel sei eine der grössten Gefahren für die Weltwirtschaft, erklärt ein Risikobericht des WEF. Dennoch sorgt das WEF für über 1500 Privatjet-Flüge.

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Mit dem Privatjet nach Zürich, dem Helikopter nach Davos und dem Maserati direkt ins mondäne Hotel in Davos. Zahlreiche Gäste des diesjährigen WEF lassen es sich auch dieses Jahr nicht nehmen, standesgemäss anzufliegen. Über 10'000 Franken kostet etwa ein Flug von London nach Zürich, hinzu kommen dann nochmals mehr als 10'000 Franken, wenn man mit dem Helikopter nach Davos fliegen will.

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Kaum eine andere Tätigkeit belastet das Klima so stark wie das Fliegen. Trotz der hohen CO2-Emissionen und den Kosten nehmen Flüge mit privaten oder gecharterten Flugzeugen oder Helikoptern aber immer weiter zu – so auch am WEF. Obwohl die Delegationen von Trump, May und Macron fehlen, werden allein diese Woche 1500 Privatflugzeuge im Zusammenhang mit dem WEF erwartet, schätzt das Charterflug-Unternehmen Air Charter Service (ACS). Letztes Jahr waren es noch 1300 Flüge gewesen, ein Anstieg also von 11 Prozent gegenüber 2017.

Grössere und teurere Flugzeuge

Bei Politikern, CEOs und Lobbyisten beobachtet Andy Christie, Direktor für Privatjets beim ACS, einen Trend. «Es gibt eine Tendenz hin zu grösseren und teureren Jets, so etwa zum Gulfstream GV oder dem Global Express», sagt Christie. Dies läge einerseits an den längeren zurückgelegten Distanzen. «Es könnte aber auch daran liegen, dass Flugzeugeigentümer nicht vom Konkurrenten übertrumpft werden wollen.»

Es scheint, als verhallten die gut gemeinten Ratschläge von Sir David Attenborough ungehört. Erst am Dienstag hatte er im Gespräch mit Prinz William dazu aufgerufen, Sorge zur Umwelt zu tragen. «Jeder Atemzug, jedes Mahl, alles, was wir trinken, kommt aus unserer Umwelt. Wenn wir der Umwelt schaden, schaden wir uns selbst», sagte Attenborough. Auch das World Economic Forum selbst hat reagiert: Falls der Klimawandel nicht abgemildert werden kann, stelle er eine der grössten Gefahren für die Weltwirtschaft dar, so der Risikobericht des WEF.

CO2-Ausstoss deklarieren

Für SP-Nationalrat Roger Nordmann sind die Privatflugzeugflüge ein Ärgernis: «Man könnte auch First Class in einem Linienflugzeug fliegen und damit viel CO2 einsparen.» Er echauffiert sich vor allem über den «krassen Widerspruch» zum offiziellen WEF-Diskurs, wonach der Klimawandel die grösste Sorge der heutigen Zeit sei. «Diese Wichtigtuerei der WEF-Teilnehmer zeigt, dass die angebliche Sorge um das Klima blosse Worthülsen sind.» Nordmann fordert das WEF zum Handeln auf: «Das WEF muss jetzt Transparenz zeigen und deklarieren, welcher CO2-Ausstoss im Zusammenhang mit dem Treffen verursacht wird.»

Für Duri Campell ist diese Forderung reiner Aktionismus. Der Bündner Nationalrat der Bürgerlich-Demokratischen Partei (BD) sieht das WEF auf dem richtigen Weg. «Man hat die ÖV-Verbindungen zum WEF in den letzten Jahren wesentlich ausgebaut», so Campell. Den WEF-Gästen vorschreiben zu wollen, wie sie von ihrem Land aus in die Schweiz reisen sollen, würde zu weit gehen. Vielmehr sollte die grosse Attraktivität des Weltwirtschaftsforums positiv gewertet werden. «Davos und damit die Schweiz ist während einer ganzen Woche auf der ganzen Welt präsent. Man kann halt nicht den Fünfer und auch das Weggli haben.»

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • schneeflocke am 24.01.2019 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pfui wef

    wef sofort abschaffen. was hat es in all den jahren gebracht? ach ja, noch mehr geld für alle wirtschaftsbosse,veranstalter.

  • Andy-R am 24.01.2019 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer dasselbe

    Da geht es nicht darum um eine Verbesserung zu machen. Sondern um nochmehr Abzuzocken. Die "Wirtschaftsbosse" diskutieren darüber wie sie sich gegenseitig noch mehr Geld zuschieben können. In ihrer Lebenszeit werden sie die Auswirkungen der Umweltsünden nicht zu spüren bekommen. Nach mir die Sintflut...

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  • Joseph am 24.01.2019 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser predigen +Wein trinken!

    Vermutlich kam der grösste Teil der Teilnehmer am Klimagipfel in Polen mit dem Flugzeug.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Angela am 24.01.2019 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei auf unsere Kosten

    Das sind dort die grössten Heuchler und die Verursacher der meisten unserer globalen Problemen. Die finanzieren all ihre Spässchen mit unserem Geld, inklusive dem ausserehlichen Schläferstündchen und dem weissen Näschen. Auch der Prinz (was hat der dort verloren?) zahlt sein Reischen nicht selber. Das geht so lange weiter, wie wir und das gefallen lassen. Wann um himmelswillen nehmen die Völker endlich ihre Verantwortung wahr? Die Mächtigen werden es nie tun!

  • Gebi am 24.01.2019 10:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sich selbst an der Nase nehmen

    Ich gebe allen recht, man muss etwas gegen den Klimawandel tun. Aber ich frage mich, jeder der hier einen Kommentar schreibt, ob positiv oder negativ, was tut ihr selbst für die Umwelt. Seit mal ehrlich, trennt ihr und entsorgt ihr sauber. Über andere Leute herzuziehen ist immer einfacher, aber die meisten nicht alle, tun selbst gar nichts. Es fängt bei kleinen Sachen an, wo man sich über die Umwelt Gedanken machen kann. Das fängt auch schon beim eigenen Auto an. Ich bin keine Grüne, versuche aber beide seiten zu verstehen.

  • Jürg Bertschinger am 24.01.2019 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von Klima- und Umweltlügen.

    Das ganze Klimagerede und die Diskussionen über CO2 und Feinstaubbelastungen sind wohl eh nur eine Farce. Immer mehr Lungenspezialisten zweifeln mittlerweile diese Politik, welche mit immer deftigeren Vorgaben und Steuerabgaben an das wohlverdiente Geld des "kleinen" Mannes ran will, an. Vor dreissig, vierzig Jahren war die Umweltbelastung wesentlich höher nur schon was die Kohlebeheizten Häuser ohne Filteranlagen an ging. Am WEF geht es definitiv nur darum, wie man den Reichtum der Reichen mit weiteren Belastungen von "Krethi und Plethi" unter dem Decknamen "Klimaschutz" optimieren kann.

  • Pensionär am 24.01.2019 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das grosse Lügen

    Über Klimawandel sprechen und selber sich nicht dran halten. Den Bürger eine Öko-Ölheizung empfehlen (aufzwingen). Dieselmotoren verbannen (alles Lügen). Da soll man noch an die Ehrlichkeit glauben. Es zeigt sich immer mehr, dass wir angeschwindelt werden, von den "Grünen", von der Wirtschaft und von den Regierungen und von den Umweltfanatikern.

  • Ian B. am 24.01.2019 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll's!

    Täglich finden auf unserem Planeten rund 115'000 Flüge statt, pro Jahr knapp 42 Millionen! Und da regt man sich über 1500 WEF Flüge auf? Ach... und wie kommen eigentlich die jeweils rund 20'000 Teilnehmer (welche alleine 40 A380 füllen) aus aller Welt an die jährliche "UN Klimakonferenz", welche 2019 in Chile sattfindet? Zu Fuss? Mit dem Velo? Per Ruderboot? Dort wird ja gar über nichts anderes als das Klima geschwafelt...