Masernepidemie

20. Februar 2019 05:49; Akt: 20.02.2019 05:49 Print

Soll Impfzwang Eltern zur Vernunft bringen?

von B. Zanni - Ungeimpfte Kinder legen in Biel eine Steiner-Schule lahm. Ein Gesundheitspolitiker fordert deshalb ein Impfobligatorium für Masern.

Bildstrecke im Grossformat »
Masern sind hoch ansteckend. Bei jeder zehnten erkrankten Person treten Komplikationen auf. In sieben Fällen führte die Krankheit seit 1997 laut dem Bundesamt für Gesundheit BAG zum Tod. (Symbolbild) Beim Kind, das die Masern in die Rudolf-Steiner-Schule in Biel geschleppt hat, handelt es sich laut Veronika Raue, Geschäftsführerin der Rudolf-Steiner-Schule in Biel, um ein neunjähriges Mädchen aus dem Kanton Neuenburg. Die Durchimpfungsrate habe in den letzten Jahren um fast 10 Prozentpunkte zugenommen, sagt Mark Witschi,Leiter der Sektion Impfempfehlung beim BAG. «Der Wert ist aber immer noch zu tief», sagt Witschi. Gesundheitspolitiker wollen die ungenügende Impfrate nun mit verschiedenen Mitteln bekämpfen. «Ich finde es verantwortungslos, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen», sagt der BDP-Nationalrat und Gesundheitspolitiker Lorenz Hess. Die SVP-Nationalrätin Verena Herzog nimmt stattdessen die Eltern in die Pflicht. «Wenn Eltern ihre Kindern schon nicht impfen wollen, erwarte ich, dass sie ihre Kinder auch bei den kleinsten Symptomen einer Masernerkrankung zu Hause lassen.» Bea Heim (SP) fände es sinnvoll, Eltern mit kantonalen Informationsblättern über die Risiken der hoch infektiösen Masernkrankheit zu informieren und die Durchimpfungsrate in Form von Impfanlässen an Schulen zu fördern. Auch der SVP-Nationalrat Sebastian Frehner würde von einem Impfobligatorium absehen. Die SP-Nationalrätin Silvia Schenker pflichtet bei: «Obligatorische Masernimpfungen sind ein zu grosser Eingriff in die Freiheit des Einzelnen.» Sie appelliere an die Vernunft der Eltern.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Rund zwölf Kinder der Rudolf-Steiner-Schule in Biel liegen zurzeit mit Masern im Bett. Damit in der Schule keine Epidemie ausbricht, verordnete die kantonale Gesundheitsbehörde laut CH Media sämtlichen ungeimpften Kindern einen dreiwöchigen Hausarrest. Beim Kind, das die Masern in die Schule geschleppt hat, handelt es sich laut Veronika Raue, Geschäftsführerin der Rudolf-Steiner-Schule in Biel, um ein neunjähriges Mädchen aus dem Kanton Neuenburg. Rund 30 Prozent der Schüler seien nicht geimpft, so Raue. «Ein Teil der Eltern an unserer Schule setzt sich mit dem Thema Impfen sehr bewusst auseinander.»

Umfrage
Befürworten Sie ein Impfobligatorium?

Thomas Didden, Koordinator der Rudolf-Steiner-Schulen Schweiz, betont aber: «Zu behaupten, dass sich Anthroposophie und Steinerpädagogik explizit gegen das Impfen aussprechen, ist kompletter Blödsinn.» Das Impfen sei eine individuelle Entscheidung der Eltern in Absprache mit dem Kinderarzt. «Wir geben als Schulen weder Richtlinien noch Empfehlungen bezüglich Masernimpfungen vor.»

«Wert ist noch zu tief»

Masern sind hoch ansteckend. Bei jeder zehnten erkrankten Person treten Komplikationen auf. In sieben Fällen führte die Krankheit seit 1997 laut dem Bundesamt für Gesundheit BAG zum Tod. Mittlerweile sind 89 Prozent der zweijährigen Kinder in der Schweiz vollständig gegen Masern geimpft. Die Durchimpfungsrate habe in den letzten Jahren um beinahe 10 Prozentpunkte zugenommen, sagt Mark Witschi, Leiter der Sektion Impfempfehlung beim BAG. «Der Wert ist aber immer noch zu tief.»

Gesundheitspolitiker wollen die ungenügende Impfrate nun mit verschiedenen Mitteln bekämpfen. «Ich finde es verantwortungslos, wenn Eltern ihre Kinder nicht impfen», sagt der BDP-Nationalrat und Gesundheitspolitiker Lorenz Hess. Es müsse alles unternommen werden, um die Durchimpfung der Kinder zu verbessern. «Ich würde die Einführung eines Impfobligatoriums daher befürworten.» An der Durchsetzung zweifle er jedoch, da es sich bei einer Impfung um einen leichten körperlichen Eingriff handle. «Man kann ja niemanden für eine Impfung festhalten.»

Impfanlässe in Schulen

Die Kantone dürfen aktuell nur ein Impfobligatorium aussprechen, wenn die öffentliche Gesundheit erheblich gefährdet ist und die Bevölkerung nicht mit anderen Massnahmen geschützt werden kann. Daran wollen andere Gesundheitspolitiker nicht rütteln. Die SVP-Nationalrätin Verena Herzog nimmt stattdessen die Eltern in die Pflicht. «Wenn Eltern ihre Kinder schon nicht impfen wollen, erwarte ich, dass sie ihre Kinder auch bei den kleinsten Symptomen einer Masernerkrankung zu Hause lassen.» Es gehe schliesslich auch darum, Säuglinge, ältere Menschen und Menschen mit einer Immunschwäche nicht zu gefährden.

Bea Heim (SP) fände es sinnvoll, Eltern mit kantonalen Informationsblättern über die Risiken der hoch infektiösen Masernkrankheit zu informieren und die Durchimpfungsrate in Form von Impfanlässen an Schulen zu fördern. «Alle Eltern, die sich damit einverstanden erklärt haben, könnten die Masernimpfung ihrer Kinder in der Schule auffrischen lassen.»

«Frage der Weltanschauung»

Auch der SVP-Nationalrat Sebastian Frehner würde von einem Impfobligatorium absehen. «Das Impfen ist fast eine Frage der Weltanschauung», sagt er. Solange sich Masernfälle nicht massiv häuften, solle der Entscheid bei den Eltern liegen. «Der Trend, Eltern immer mehr Entscheidungen abzunehmen und sie aus der Verantwortung zu nehmen, passt mir nicht.»

Die SP-Nationalrätin Silvia Schenker pflichtet bei: «Obligatorische Masernimpfungen sind ein zu grosser Eingriff in die Freiheit des Einzelnen.» Sie appelliere an die Vernunft der Eltern. «Schliesslich geht es nicht nur um ihre Kinder, sondern auch um die anderen Menschen.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gesund und Munter am 20.02.2019 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschwörung

    Tja, leider gibt es zu viele ungebildete und verbohrte Eltern die ihre Kinder nicht impfen. An all die Verschwöhrungstheoretiker da draussen. Warum hatten wir wohl über Jahre die meisten (Kinder) Krankheit besiegt und warum sind sie jetzt wieder am kommen?!?

    einklappen einklappen
  • Koni Weiss am 20.02.2019 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unumgänglich

    Impfung ist erst in 2.Linie ein Selbstschutz. In 1.Linie geht es darum, nicht virulent zu werden und keine Andern anzustecken. Begreifen das auch Antrophosophen und H0möopathen? Die Unbelehrbaren brauchen ein:"Du musst", leider

    einklappen einklappen
  • Mainon am 20.02.2019 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Epidemie wo?

    Im 2017, gab es 108 Fälle im 2018, 48 ich seh da die Epidemie nicht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Evita77 am 20.02.2019 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sperrzonen

    Ich bin gegen einen Impfzwang. Den wo hört dieser auf? Zuerst gilt es nur für Masern, Mumps und Röteln und irgendwann setzen die Lobbyisten der Pharmaindustrie durch, dass man sich gegen jeden Pipifax impfen lassen muss. Aber man könnte Sperrzonen für Leute ohne Masernimpfung machen. Kinos, Kitas, Konzerte, Ferienlager. Wer zum Spass in Zonen will mit grossem Menschenandrang, soll es nur dürfen wenn er geschütz ist dagegen. Die Umsetzung wäre im digitalen Zeitalter durchaus einfacher als wenn jeder sien Papierimpfbüchlein mitschleppen müsste.

  • Marienhof am 20.02.2019 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viel Impfen schadet, bei Masern dafür

    Ist genau gleich wie mit der Grippe Impfung. Hatte sie vor drei Jahren gemacht und wurde trotzdem krank mit hohem Fieber. Bei Masern bin ich für eine Impfung. Sehr schlimm für ein Kind. Aber vieles sollte als Zwang abgetan werden um die Pharma Industrie noch mehr anzukurbeln? Bei zu viel Impfungen kann das Imunsystem nicht mehr auf das reale reagieren. Darum werde ich keine Impfungen mehr machen, ausser bei Pest und Cholera. Letzteres ist sogar ein leckeres Walliser National Gericht.

  • nicolas am 20.02.2019 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verweichlicht

    natürliche auslese. in zeiten der überbevölkerung etc härtet das doch ab und der rest ist hald einfach zu schwach. als ich klein war stand man die kinderkrankheiten einfach durch, punkt. verweichlichte gesellschaft!

  • Realist am 20.02.2019 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder wie er will, aber....

    Grundsätzlich kann jeder so leben, wie er möchte. Daher ist ein Impfobligatorium sehr heikel. Schwierig finde ich es erst, wenn ungeimpfte und erkrankte Kinder weiterhin Kontakt zu ihren Klassengspänli und Freunden haben. Wenn die Eltern das zulassen ist das eine wissentliche Gefährdung. Lasst die Kinder dann zuhause, wenn ihr sie schon nicht impfen lasst, weil dadurch Autismus entsteht.

  • Soso am 20.02.2019 09:08 Report Diesen Beitrag melden

    Unverantwortlich

    Wer seine Kinder nicht Impft bringt nicht nur seine Kinder In Gefahr, sondern auch sämtliche Mitmenschen. Unverantwortlich. Was ich aber gar nicht verstehe, ist, warum man ein so krankes Kind noch zur Schule schickt. Unverantwortlich...