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20. August 2011 19:51; Akt: 24.08.2011 10:23 Print

Impfen soll bald auch in Apotheke möglich sein

von Jessica Pfister - Apotheker drücken bei der Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten oft ein Auge zu. Politiker haben nichts dagegen - im Gegenteil: Apotheken sollen noch mehr Kompetenzen erhalten.

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Ersatz für den Arzt: Grippeimpfungen oder Blutdruck -und Cholesterinmessungen soll nicht mehr der Arzt, sondern die Apotheken durchführen. (Bild: Keystone)

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Nicht nur bei der Antibabypille - auch bei der Abgabe von Blutdruckmitteln oder rezeptpflichtigen Asthmasprays sind Apotheken heute kulant. Kunden können das Medikament oft auch ohne Rezept kaufen. Dies bestätigt Marcel Mesnil, Generalsekretär des Apothekerverbands Pharmasuisse. «Gerade bei chronischen Krankheiten ist es problematisch, wenn man die medikamentöse Behandlung brutal unterbricht.» Deshalb mache es Sinn, wenn der Apotheker dem Kunden bis zum nächsten Arzttermin das entsprechende Medikament abgebe.

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Bei Antidepressiva sei bei plausibler Begründung des Kunden eine Ausnahme ebenfalls gerechtfertigt. «Die Absetzung von Antidepressiva kann den Vorteil der Behandlung für mehrere Tage zunichtemachen, mit den entsprechenden Gefahren», so Mesnil. Bei typischen Missbrauchsmitteln wie rezeptpflichtigem, starkem Hustensaft oder Schlafmitteln seien die Apotheker jedoch sehr gewissenhaft und würden keine Medikamente ohne gültiges Rezept abgeben.

«Grundversorgungsbegriff weiter fassen»

Yvonne Gilli, grüne Nationalrätin und Ärztin, findet es bei Medikamenten wie Blutdruckmitteln oder der Pille vertretbar, dass Apotheken einen gewissen Handlungsspielraum haben. «Klar könnte man auch argumentieren, dass die Apotheker sich so das Geschäft unter den Nagel reissen wollen», so Gilli. Doch an ihrem Wohnort Wil (SG) habe sie dies bisher nicht festgestellt.

CVP-Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel Näf ist grundsätzlich der Meinung, dass Apotheker nicht einfach Medikamente abgeben dürfen. Doch statt die Apotheker zu rügen, verlangt sie eine Ausdehung ihrer Kompetenzen. «Um Kosten zu sparen, muss der Grundversorgungsbegriff weiter gefasst werden», sagt sie. So sollten Apotheker oder die Spitex künftig in der Lage sein, Grippeimpfungen oder Blutdruck -und Cholesterinmessungen durchzuführen. «Erst wenn solche Tests auffällig sind, sollten die Leute den Arzt aufsuchen.» Ausserdem fordert sie, dass die Apotheker bei verschreibungspflichtigen Medikamenten einen grösseren Spielraum erhalten sollen. «Patienten, die ein Dauerrezept für ein Medikament haben, sollen dieses auch beim Apotheker verlängern können.» Damit könnten unnötige und teure Arztbesuche vermieden werden.

«Kenntnisse der Apotheker massiv unterbenützt»

Der Apothekerverband pharmasuisse begrüsst Humbel Näfs Forderung. «Da die Bevölkerung immer älter wird und zunehmend an chronischen Erkrankungen leidet, sind sämtliche Gesundheitsberufe gezwungen effizienter zu arbeiten», so Generalsekretär Marcel Mesnil. Deshalb sei es in Zukunft unabdingbar, dass Apotheker mehr Kompetenzen erhalten, für welche sie auch haften sollen. «Tatsache ist, dass die aus dem Studium erworbenen hohen Kennntnisse sowie die Kompetenzen des Apotheken-Teams heutzutage massiv unterbenützt werden», sagt der Pharmasuisse-Generalsekretär. Er ist aber zuversichtlich, dass sich die Lage mit der Revision des Heilmittelgesetzes verbessert.

Diese sieht unter anderem eine neue Regelung der Selbstmedikation und eine erweiterte Abgabekompetenz der Apotheker vor (siehe Box). Die entsprechende Motion hat das Parlament bereits vor drei Jahren verabschiedet. In der Vernehmlassung, die im März 2011 abgeschlossen wurde, begrüsst die Mehrheit der Teilnehmer wie Kantone, Gewerbe- und Apothekerverbände die Vorlage. Ärztevereinigungen befürchten hingegen, dass die Sicherheit von Patienten wegen der fehlenden Diagnosekompetenz der Apotheker gefährdet würde. Das Massnahmenpaket zur Gesetzesrevion kommt voraussichtlich im Frühjahr 2012 ins Parlament.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinrich Zihlmann am 21.08.2011 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Unbürokratisches Italien

    Vor einem Jahr war ich in Italien in den Ferien - und hatte plötzlich einen derartigen Hexenschuss, dass ich kaum mehr gehen könnte. Ein Arzt verschrieb mir 4 Cortison-Spritzen, die ich bei einem Apotheker bekam (er hatte ein kleines Hinterzimmer, in dem er mir die Wegwerfspritzen verabreichte), einmal a sinistra, anderntags a destra. Kostenpunkt: 11 (!) Euros insgesamt. Am 5. Tag konnte ich wieder windsurfen.

  • H.-P. Iseli am 20.08.2011 23:23 Report Diesen Beitrag melden

    Und was soll das bringen?

    Das ist alles "firlifanz", nützt und bringt in unserem angeschlagenen Gesundheitssystem überhaupt nichts. Da müssen andere Massnahmen gesucht werden, um Erfolg und Wirkung im Ziel zu haben.

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  • medicus am 20.08.2011 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut!

    Man impft sich v.a. nicht wegen sich selber, sondern aus Solidarität zu den Alten, Schwachen und Kranken. Eine gute bzw. hohe Durchimpfung der Bevölkerung ist dafür nötig. Hoffe so impfen sich mehr Leute.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • yves yersin am 22.08.2011 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    hört auf mit diesen grippe-impfungen

    ich habe mich füher in der apotheke gegen grippe impfen lassen. und sie prompt bekommen. vor 10 jahren habe ich damit aufgehört. seit 10 jahren habe ich auch keine grippe mehr.

  • Dani am 22.08.2011 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    unbedingt

    Wenn die medizinischen Richtlinien und Grundlagen (Ausbildung) dafür vorhanden sind dann ubedingt, denn die Vorteile auf allen Seiten überwiegen klar. Schliesslich werden Blutabnahmen und Impfungen auch von Arzthelferinnen ohne Anwesenheit des Arztes durchgeführt und dies oftmals einfühlsamer und schmerzfreier. Der Arzt sollte resp. könnte sich dadurch vermehrt auf seine Kernaufgaben konzentrieren.

  • Pierre Nussbaumer am 21.08.2011 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage ?

    UMFRAGE : Bluthochdruck messen beim Apotheker ist logisch, praktisch, aber impfen ist nichts anderes als PR von der Pharma soviel als möglich Menschen das Imumnsystem zu schwächen zum Wohle vom Umsatz der Pharma

  • Jon Doe am 21.08.2011 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    Arztbesuch ist Zeitverschwendung

    Im Zeitalter des Internet, kann man sich die Info welche Impfungen noetig sind selber holen. Ich benoetige nur die Impfung und kein durchgeknalltes Gelaber des Arztes.

  • Heinrich Zihlmann am 21.08.2011 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Unbürokratisches Italien

    Vor einem Jahr war ich in Italien in den Ferien - und hatte plötzlich einen derartigen Hexenschuss, dass ich kaum mehr gehen könnte. Ein Arzt verschrieb mir 4 Cortison-Spritzen, die ich bei einem Apotheker bekam (er hatte ein kleines Hinterzimmer, in dem er mir die Wegwerfspritzen verabreichte), einmal a sinistra, anderntags a destra. Kostenpunkt: 11 (!) Euros insgesamt. Am 5. Tag konnte ich wieder windsurfen.