Bürgerliche Hochburg

22. Oktober 2019 08:37; Akt: 22.10.2019 09:58 Print

In Rothenthurm hatten die Grünen keinen Stich

In Rothenthurm SZ kommen die Grünen nur auf 0,2 Wähleranteil. «Wir sind auch ohne die Grünen grün», sagen Einheimische.

Das sagt Gemeindepräsident Stefan Beeler zum lokalen Wahlergebnis. (tha/juu)
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Während die Grünen in Oltingen BL mit 38,4 Prozent schweizweit am stärksten gewählt wurden, brüstet sich die kleine Gemeinde Rothenturm SZ mit genau dem Gegenteil: Gerade einmal 0,2 Prozent der 887 Wähler stimmten für die Grüne Partei.

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Fast schon stolz sind die Bewohner, dass die «grossen Gewinner der Wahlen» bei ihnen fast nicht existent sind. «Wir sind auch ohne die Grünen grün», ist der allgemeine Ton, der in der knapp 2400-Einwohner-Gemeinde zu hören ist. Die Zurückhaltung ist aber spürbar: Zu gross ist die Angst, dass sie sich mit Aussagen gegen grüne Wähler ins Abseits manövrieren.

Aus Protest SVP gewählt

An Greta wird kaum ein gutes Haar gelassen. Während sich einige gar nicht zur schwedischen Umweltaktivistin äussern wollen, wird sie von anderen gar wüst beleidigt. «Ich finde ihre Forderungen balla-balla», sagt etwa Jean Louis Salvoi. Der 63-Jährige kann der «Klimahysterie» des Teenagers nichts abgewinnen. Ähnlich sieht es auch ein lokaler Unternehmer. Er führt die grüne Welle auf die junge Schwedin zurück. «Um ein Gegengewicht zu schaffen, habe ich bei diesen Wahlen extra die SVP gewählt.»

Einwohner Karl Müller erzählt, warum die Einheimischen die Grünen nicht wählen wollen. (Video: tha/juu)

«Unter den Forderungen der Grünen leiden die normalen Familien»

Auch von Flugticketabgabe und Benzinpreiserhöhung will man in der 2400-Seelen-Gemeinde nichts wissen. Die Forderung der Grünen werden gar als «blanke Profitgier» abgetan. So findet etwa Marion Ulrich: «Mit einer solchen Steuer trifft man nicht die Vielflieger oder die Reichen. Darunter leiden normale Familien, die für ihre Ferien lange sparen müssen.» Die 40-Jährige sagt allerdings, dass Rothenthurm sehr wohl klimaneutral und nachhaltig sei. Dem pflichten auch weitere Einwohner bei: «Wir kaufen hier regional ein und achten sehr darauf, Plastik zu vermeiden. Nachhaltigkeit fängt bei einem selbst an.»

Auch der Gemeindepräsident ist vom Wahlausgang in seiner Gemeinde wenig überrascht: «In Rothenthurm sind die bürgerlichen Parteien wie die SVP oder die CVP sehr stark», sagt Stefan Beeler. Er persönlich sei mit dem lokalen Wahlergebnis sehr zufrieden. Er betont, dass es auf dem Land nicht einfach sei, mit der grünen Welle mitzugehen. «In der Stadt sieht das natürlich anders aus», meint Beeler. Was auch der Gemeindepräsident betont: Ein Grund für das Wahlverhalten ist das Rothenthurmer Moor, das einen Grossteil der Gemeindefläche ausmacht. «Viele Bürger sagen darum: Wir könne nicht noch mehr für die Umwelt tun.»

(juu/tha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rootä seffeli, Rothäthurmer am 22.10.2019 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ball flach phalte...

    Ich bin selbst in Rothenthurm aufgewachsen. Der Wahlanteil von 0.2 % mag sicherlich stimmen, ehrlich gesagt habe ich auch nichts anderes erwartet. Man kann uns sehr wohl als etwas hinterwäldnerisch bezeichnen. Aber die Leute im Dorf und in der Gegend sind wohl um einiges naturverbundener als diejenigen, welche einfach nur aus "coolness" grün gewählt haben...

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  • Pesta Lozzi am 22.10.2019 09:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was noch zu sagen wäre:

    Würden alle Grün-Wähler die Autonummer abgeben, könnten wir Büezer ab sofort staufrei zur Arbeit fahren!

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  • C. Staub am 22.10.2019 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ich mag lieber...

    Ich wünschte, man wäre in der Stadt auch so sozial wie auf dem Land. Da kauft man den Fernseher noch beim TV-Händler, weil man ihn kennt und nicht im MediaMarkt, weils günstig ist. Da spart man auf einen Tisch vom Schreiner, weil man ihn kennt und nicht in der Ikea, weils günstig ist. Da lässt man die Plättli noch vom Plättlilegger legen, weil man ihn kennt und nicht von ausländischem, unterbezahlten Personal. Was ist dann wohl umweltfreundlicher? Ein Tisch aus dem hiesigen Wald oder ein veganes, Bioprodukt, das sicher mit Ross und Wagen (Achtung Ironie) aus Spanien angeliefert wird

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Petrus am 23.10.2019 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Einmal Senf bitte

    Reden oder schreiben ist immer einfach. Umsetzen erarbeiten ist schwierig. Von den Grünen Politiker kann man höchstens verbote oder gewisse anreize erwarten ein Zaubermittel kaum. Umsetzen, Forschung, macht alles die Wirtschaft und bevölkerung.

  • Gero F am 23.10.2019 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    vernünftige Ecke in der Schweiz

    Doch noch eine vernünftige Ecke in der Schweiz

  • Mike am 23.10.2019 15:30 Report Diesen Beitrag melden

    Schon schräg

    Warum gibt es so viele die das Resultat schlecht finden ? Waren die nicht Wählen gegangen ???

  • Noname am 23.10.2019 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Änderungen?...unangenehm

    Ja die arme Greta.... Ich finde es interessant, wie alle auf diesen zug springen, lovers wie haters. Ich betrachte das ganze lieber aus emotionaler ferne. Menschen die sich so exponieren wie die Greta,müssen mit genervten menschen rechnen. Musste jesus ja auch (falls es ihn wirklich gab...) interessant ist aber eine studie die besagt, dass eine 10% marke passiert werden muss um eine neue welle populär zu machen. Wurde an politisch sich umwälzenden ereignissen gemessen. Tja... da sagt mir noch einer, der kapitalismus ändere sein gesicht nicht.... Die zeit läuft nach vorne ob man will oder nicht

  • Walti am 23.10.2019 06:47 Report Diesen Beitrag melden

    0,2% zuviel

    Die Gemeinde ist mir ja mal symphatisch! Sollte ich mal umziehen ist Rotenthurm eine echte Option. 0,2% für die Grünen reicht völlig, aber eigentlich ist auch das noch 0,2% zu viel. In vier Jahren werden die ein historisches Waterloo erleben, da freu ich mich schon drauf!