Intellektuelle Ballungszentren

31. Januar 2017 20:12; Akt: 31.01.2017 20:12 Print

In Städten sind Studierte bald in der Mehrheit

von B. Zanni - Zürich oder Genf verzeichnen einen hohen Anstieg von Hochschulabsolventen. Dies wirke sich auf Freizeit und Schule aus.

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Die Stadt Zürich entwickelt sich zunehmend zu einem intellektuellen Ballungszentrum. Fast die Hälfte aller Bewohner hat einen Hochschulabschluss. Aktuell ist der Anteil laut der Stadt Zürich auf 47 Prozent gestiegen. Dicht dahinter folgen Genf (44 Prozent), Bern (43 Prozent), Basel (38 Prozent) und St. Gallen (31 Prozent). Von den 25- bis 34-Jährigen haben sogar rund 68 Prozent einen Fach- oder Hochschulabschluss in der Tasche.

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Was halten Sie davon, dass zunehmend Akademiker die Städte bevölkern?
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Laut Politgeograf Michael Hermann ist das Leben in der Stadt in den letzten 20 Jahren «hip» geworden. «Vor allem das kulturelle Angebot, das intensive öffentliche Leben und die Multikulturalität sprechen viele junge gebildete Menschen an.» Attraktiv seien Städte wie Zürich für diese Gruppe auch wegen ihrer rot-grünen Politik. «Das hat zur Folge, dass der Graben zwischen Stadt und Land bei Wahlen und Abstimmungen immer grösser wird.»

«Progressives Bürgertum»

Hermann geht aber auch davon aus, dass sich in den Städten zunehmend Filterbubbles entwickeln. «Da die gut gebildeten Leute ihre eigenen Milieus schaffen, entstehen neue Quartiere.» Dadurch werde eine allmähliche Verdrängung von Nicht-Akademikern in die Agglomeration stattfinden. Einem progressiven Bürgertum in den Städten stehe so nichts mehr im Wege. Hermann rechnet deshalb auch damit, dass die Mietpreise im mittleren Segment weiter ansteigen. «Die klassische Oberschicht der Topverdiener zieht hingegen weiterhin in Steueroasen wie Wollerau.»

Sascha Neumann, Professor für Bildungsforschung an der Universität Freiburg, macht dafür in erster Linie den guten Arbeitsmarkt für hoch qualifizierte Arbeitskräfte verantwortlich. «Zürich ist mit Frankfurt und London vergleichbar.» Die renommierte Universität Zürich und die ETH würden zudem viele Menschen anziehen.

«Ehrgeizige Eltern»

Auch an den Schulen soll der Trend nicht spurlos vorbeigehen. Neumann glaubt, dass sich die Maturandenquote in den Städten erhöhen könnte. «Da Akademiker in der Regel ihren Kindern einen hohen Abschluss ermöglichen wollen, nimmt der Bildungsehrgeiz in den Schulen zu.»

Laut Neumann verändert das Akademikermilieu zudem das Konsum- und Freizeitangebot in den Städten. «Bio- und Veganer-Läden lösen etwa Billig-Anbieter ab und anstatt des volkstümlichen Theaters werden vielleicht avantgardistische Darbietungen aufgeführt.» Für Leute mit weniger hohen Abschlüssen und Salären werde es in Zukunft immer schwieriger, sich das Leben in Städten leisten zu können.

«Komplizierte Abstimmungsvorlagen»

Dass sich die Schweizer Städte zu Hotspots der Eliten entwickeln, befürchtet Kulturkenner und Schriftsteller Pedro Lenz jedoch nicht. «Elitismus ist nicht sehr schweizerisch», sagt Lenz. Zwei Verliebte fragten sich hierzulande auch nicht etwa: «Bist du Akademiker?» Zudem genössen Hochschulabsolventen hierzulande kein höheres Ansehen. «Denn viele Akademiker haben nicht unbedingt grössere Berufschancen und sind auch nicht reicher.» Laut Lenz befinden sich unter den Hochschulabsolventen auch viele Menschen, die nach einer Lehre einen akademischen Weg eingeschlagen hätten.

In Bezug auf die Demokratie hat Lenz aber Vorbehalte. «Es besteht die Gefahr, dass die Abstimmungsvorlagen so kompliziert werden, dass sie nur noch Gebildete verstehen.» Das berge die Gefahr, dass Populisten mit vermeintlich einfachen Lösungen Aufwind erhielten. Es sei deshalb wichtig, bereits den Primarschülern zu vermitteln, dass «jeder Büezer» in der Politik mitreden könne.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Student am 31.01.2017 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Akademisierung Z

    Ich selbst studiere auch, empfinde die Akademisierung aber als grosses Problem. Es gibt hier viele, denen mit einer guten Berufslehre besser geholfen wäre. Stattdessen wird unser Generation eingetrichtert, dass man sonst nichts wert ist.

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  • Manuel am 31.01.2017 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    HA HA HA

    Ich musste gerade laut heraus lachen. Zürich soll ein intellektuelles Ballungszentrum sein? Da muss man nur einmal quer durch die Stadt laufen um sich vom Gegenteil zu überzeugen. Migranten-Hotspot trifft schon eher zu. Das soll jetzt nicht wertend sein. Ist einfach die Realität.

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  • Daniel am 31.01.2017 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bald brauchts Uni für Mc Donalds

    soweit kommts....mir sind die Berufslehren bis heute sympathischer, ohne Stufium!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter.W am 01.02.2017 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Na dann Gute Nacht

    Ich Arbeite auch mit vorgesetzten die HF Gemacht haben aber leider sind sie Trotzdem mit abstand die Unfähigsten Vorgsetzten die ich bisher gehabt habe,wenn das so weiter geht dann gute nacht für die Schweizer Wirtschaft.Die 1. Rundschau aus dem Jahr 2016 von SRF Zeigte auch das sich viele ihre HF Diplome erkaufen ob Studenten oder Vorgsetzte ein Gohstreiter sagte in der sendung ab 3000-Fr sei mann dabei.

  • Thomas Arb am 01.02.2017 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Respekt füreinander - Schade :-(

    Diese Kommentare hier sind so voll mit grenzenlosem Neid und Hass, dass ich mich frage, was euch Studierte eigentlich angetan haben. Zum Glück arbeite ich in einer Umgebung wo Gegenseitige Achtung und Respekt vorherrschen. Wo jeder weiss, was er vom andern, ob Handwerker oder Studierter, hat. Ich kann mir aber auch vorstellen, warums bei einigen hier nicht so läuft, wer nämlich so respektlos gegenüber anderen Unterwegs ist muss sich halt nicht über ausbleibenden Erfolg/Achtung wundern.

    • uniabsolvent am 01.02.2017 15:55 Report Diesen Beitrag melden

      dann mach es auch

      wieso schreibst du dann gleich zu beginn, was haben euch die studierten getan... und noch am schluss eine resumee von dir geben! wenn du denn respekt hochhalten willst, dann mach es neutral und ziehl nicht auf die büetzer ab, danke.

    • Mike.Z am 01.02.2017 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      Sehe ich nicht, Uniabsolvent.

      Ich sehe keinen Angriff auch nicht Studierte, seitens Thomas Arb. Und ich sehe erst recht kein Angriff auf Büezer! Das Wort wurde nicht benutzt und auch keine anderen, die körperlich Arbeitende verunglimpft.

    • Thomas Arb am 01.02.2017 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @uniabsolvent

      Der letzte Teil ist eigentlich an beide Seiten gerichtet. Dass hier in den Kommentaren die eine Seite vorherrscht und du dich desshalb evtl. betroffener fühlst, dafür kann ich nun wirklich nichts.

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  • Carlo am 01.02.2017 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Frankreich ist bei 80%

    In Frankreich machen 80 % der Schüler eine Matur. Da sind wir noch weit entfernt davon.

    • Lukas am 01.02.2017 15:03 Report Diesen Beitrag melden

      was für eine Überraschung

      Logisch hat die Hälfte aller Bewohner einen Hochschulabschluss, der Büezer kann sie die Mieten der Ballungszentren gar nicht mehr leisten....

    • Knaller am 01.02.2017 15:57 Report Diesen Beitrag melden

      @carlo

      Darum läuft es Frankreich so toll, die jugendarbeitslosigkeit ist auch niederg und viele studienabgänger finden alle einen job. die ironie darfst du behalten.

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  • Tanzlehrer am 01.02.2017 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Alles kleine Einsteins oder was ?

    Warum werfen so viele die Unis mit den Fachhochschulen in den selben Topf ? FH Absolventen haben nicht studiert sondern sie sind zur Schule gegangen, das sagt doch schon die Bezeichnung. Sonst habe ich als Tänzer auch Tanz studiert und bin ein Akademiker. Die Schulen bei denen ich früher studiert und jahrelang unterrichtet habe sind Heute auch alle Fachhochschulen. Ich habe aber weder ein Master oder Bachelor noch sonst einer dieser nichtssagenden Titel und trotzdem nebenbei in der PH das Fach Tanz unterrichtet und den Bachelors gezeigt wie man choreografiert.

  • Urs Da Caprez am 01.02.2017 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Werteskala Mensch

    Eine Frage: Ist ein Mensch der studiert hat mehr Wert als ein ANDERER? Ist ein Mensch der studiert hat klüger oder intelligenter als einer der nicht studiert hat? Ich bezweifle beides. Trotzdem hat man immer mehr das Gefühl dies scheint so vermittelt zu werden oder bin ich der einzige der das so wahrnimmt? Wenn dem wirklich so ist, zeigt mir das auf, dass der moderne Mensch sich in den letzten 4000 Jahren zwar ein bisschen technisch entwickelt hat, aber geistig einfach stehen blieb.

    • Kontrapunkt am 01.02.2017 13:45 Report Diesen Beitrag melden

      Nein!

      Aber auch nicht weniger! Im täglichen Leben sind es übrigens in den seltensten Fällen Akademiker, die sich abschätzig über Büetzer etc. äussern, sondern umgekehrt! Zeigt sich übrigens auch hier in diesem Forum - jegliche Statistiken, Expertenmeinungen und deren Ersteller etc. werden aufs Gröbste diffamiert und kritisiert!

    • Büetzer am 01.02.2017 13:56 Report Diesen Beitrag melden

      Realität? @Kontrapunkt

      Kann ich nicht bestätigen. Ich habe schon mehrmals abschätzige Sprüche und Anspielungen gehört weil ich kein Akademiker bin teilweise verbunden mit dem Selberschuld. Ich stand ab 15 Jahren auf der Baustelle und musste mich durchschlagen, während ich Leute kenne die bis 25 oder 26 noch studieren und Partiefeiern und dann aber alles besser wissen wollen. Vor allem die RichKid-Sorglos-Schicht, geht mir im Moment gehörig auf den Sa...

    • Kontrapunkt am 01.02.2017 14:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Büetzer

      Wenn sich jemand Sprüche anhören muss, dann ist oftmals einfach das "Soll und Ist" nicht zusammen (grosse Klappe aber nichts dahinter)! Egal ob Akademiker oder Büetzer! Als Ing. auf dem Bau wäre ich ohne gute Poliere, Vorarbeiter und auch sonstige Belegschaft schlichtweg aufgeschmissen - es ist ein Geben und Nehmen! Das müssen aber alle begreifen, sonst funktionierts nicht!

    • Büetzer am 01.02.2017 14:18 Report Diesen Beitrag melden

      Sonstige Belegschaft

      @Kontrapunkt. Ich gehöre zu der sonstigen Belegschaft. Dies hat nichts mit Fähigkeiten zu tun sondern mehr mit finanziellen Aspekten. Eine dreijährige Lehre kann sich nicht jeder leisten, vor allem wenn man Verpflichtungen hat und diese auch ernst nimmt. Papier und Diplome zählen mehr als Leistung oder Fähigkeiten, dies geht leider bis in die Wertschätzung gegenüber Menschen, schön wenn Sie anders denken. Ja vielleicht bin ich neidisch, aber noch mehr bin ich enttäuscht über die Ungerechtigkeit des aktuellen Systems, diese Enttäuschung führ zu Frust und Wut aus einer aussichtslosen Situation.

    • Kontrapunkt am 01.02.2017 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Büetzer

      Eine Lehre sollte sich jeder leisten können/dürfen. Wenn nicht anders möglich auch mit staatlicher Hilfe (dafür zahlt die Mehrheit noch so gerne!). Es ist nie zu spät, ein solches Projekt anzugehen! Ohne Papiere und Diplome wird man a) ausgenommen und b) hat mans bei der Stellensuche sehr schwierig. Daher kann ich ihren Frust sehr gut verstehen! Bleibt mir nur, Sie zu animieren, etwas an der Situation zu ändern und die aktuelle Situation nicht als "gottgegeben/Schicksal" zu akzeptieren!

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