Klimawandel

20. Juli 2018 14:07; Akt: 20.07.2018 18:57 Print

Bald erobern Zitronen und Oliven die ganze Schweiz

von P. Michel - Das Klima wird in der Schweiz längerfristig mediterraner. Bauern setzen auf Mais oder Oliven, Hobbygärtner auf Zitrusfrüchte.

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Die Trockenheit in der Schweiz hält an: Laut der Früherkennungsplattform Drought.ch herrscht in der Nordostschweiz leichte bis mittlere Trockenheit. Obwohl am Wochenende Gewitter prognostiziert sind, schreiben die Forscher: «Die aktuellen Monatsvorhersagen prognostizieren bis am 12. August überdurchschnittliche Temperaturen. Bis Ende Juli soll es verbreitet trocken bleiben, danach ist keine klare Tendenz für den Niederschlag ersichtlich.» Die Folgen: Wassermangel und Waldbrandgefahr. Laut SRF-Meteorologen ist die derzeitige Niederschlagssituation vergleichbar mit dem Hitzesommer 2003.

Laut David Brugger, Leiter Pflanzenbau beim Schweizer Bauernverband, spüren die Landwirte den Klimawandel und die damit steigenden Temperaturen: Sie seien zunehmend von extremen Phasen der Hitze, Trockenheit oder Niederschlägen betroffen. Gemäss der Studie «Brennpunkt Klima Schweiz» aus dem Jahr 2016 können vom Klimawandel aber auch Kulturen profitieren: Etwa Maispflanzen oder Weinreben, die in der Hitze gut gedeihen, sofern die Bewässerung stimmt.

Aprikosen dürften auch in der Nordschweiz gedeihen

In ihrer Modellrechnung gehen die Forscher von einem Anstieg der Durchschnittstemperaturen zwischen 0,8 und 1,6 Grad bis Mitte des Jahrhunderts aus. «Aprikosen werden dann wohl zunehmend auch in der Nordschweiz angebaut», sagt Brugger. Beim Wasser sieht er kein Problem: «Obwohl es derzeit regional Engpässe gibt, ist die Schweiz das Wasserschloss Europas.» Man müsse das Wasser lediglich sparsam einsetzen und dazu technische Lösungen entwickeln.

Problematisch wird die Hitze für Kartoffeln oder Weizen. Beim Weizen führen höhere Temperaturen zu Hitzestress, der dazu führt, dass die Weizenkörner entweder absterben oder kleiner bleiben. Bei Kartoffeln ist extreme Hitze mit darauffolgendem Starkregen ein Problem: Es bilden sich Knöllchen am Rand oder die Kartoffel ketten zusammen. Hier sind für Brugger neue robuste Sorten die Lösung. Auch einheimischen Bäumen wie der Rosskastanie oder der Sommerlinde machen Hitze und Trockenheit zu schaffen, wie der Bund in einer Studie festhält. Geeignetere Sorten wären etwa Zypressen.

Versicherung rät Bauern, Oliven anzubauen

Pflanzen, die vom Klimawandel profitieren können, sind laut Brugger etwa Soja oder Sonnenblumen, die heisses Klima bevorzugen. Eine weitere Option bringt Klimaexperte Ernst Rauch von der Versicherung Munich Re ins Spiel: Er rät deutschen Bauern, Olivenbäume zu pflanzen, da man sich mittelfristig auf eine Vegetation wie in Norditalien einstellen müsse. Dies ist laut Brugger auf längere Sicht auch in der Schweiz denkbar, nicht nur im Tessin, wo bereits Oliven angebaut werden. «Auch Zitrusfrüchte könnten Bauern ins Portfolio nehmen.»

Auch im Hobbygarten macht sich der Klimawandel bemerkbar: Tomaten, Melonen, Auberginen oder Zitrusfrüchte finden mit steigenden Temperaturen gute Bedingungen vor. Der Online-Pflanzenshop Lubera in Buchs hat diesen Frühling 10'000 Zitruspflanzen verkauft, darunter Limetten, Limonen, Orangen oder Grapefruits. «Der Ansturm war gross, die Zitrusfrüchte waren innert Kürze ausverkauft», sagt Nadja Caille.

Kunden seien fast ausschliesslich Hobbygärtner gewesen. Einige Zitrussorten sind laut Caille winterhart und gedeihen durch die heisseren Sommer hierzulande gut. Lubera führt auch Palmen, Agaven oder Olivenbäume im Angebot. «Diese Pflanzen werden in einigen Jahren in den Gärten öfter anzutreffen sein, denn sie finden in den Sommermonaten ideale klimatische Bedingungen vor, und auch hier ist die Nachfrage riesig», sagt Caille.