Waldbrandgefahr und Ernteausfälle

04. Juli 2018 14:21; Akt: 04.07.2018 14:21 Print

In der Schweiz ist es so trocken wie fast noch nie

Fehlender Niederschlag und hohe Temperaturen sorgen derzeit für einen der trockensten Sommeranfänge der letzten 30 Jahre. Den Bauern geht der Salat ein.

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Die Gewitter in dieser Woche sind nur ein Tropfen auf den heissen Stein: In der Schweiz ist es derzeit extrem trocken, die Pegelstände der meisten Flüsse und Seen sind tief: «Wir erleben derzeit eine der trockensten Perioden der letzten 30 Jahre. Wenn das so weitergeht, dann schliessen wir in diesem Sommer zu den trockenen Hitzesommern von 2003 und 2015 auf», sagt Gebirgshydrologe Manfred Stähli von der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, der an einem Forschungsprojekt zur frühen Erkennung von Trockenheit in der Schweiz beteiligt ist.

Auch Stephan Bader von Meteo Schweiz sagt: «Regen war in der Schweiz von April bis Juni Mangelware.» Im Juni habe es teilweise nur 20 bis 40 Prozent der normalen Niederschlagsmengen gegeben. Erstaunlich: «In den Zentral- und Ostalpen war es regional der zweit- bis fünfttrockenste Juni seit Messbeginn 1864», so Bader.

Grundwasserversorgung in Gefahr?

Die allgemeine Trockenheit sei schliesslich eine Kombination aus fehlendem Regen und hoher Verdunstung als Folge der hohen Temperatur, die in den letzten drei Monaten herrschten. Zusätzlich habe trockene Bisenluft in den letzten Tagen die Austrocknung beschleunigt.

Laut Gebirgshydrologe Stähli hat diese seltene Situation gravierende Folgen: «Aufgrund der trockenen Böden ist die Waldbrandgefahr erhöht.» Doch das ist nicht das Einzige. Obwohl die Wasserspeicher noch gut gefüllt sind, droht der Schweiz bei einer fortschreitenden Austrocknung sogar ein Mangel an Grundwasser. «Wenn dieses in den nächsten Wochen im gleichen Stil zurückgeht, dann müssen sich Gemüseproduzenten fragen, wie sie die Bewässerung aufrechterhalten können», so Stähli. Von einem generellen Grundwassermangel sei man allerdings noch weit entfernt.

Bauern stark betroffen

Landwirte bekommen die Folgen der langen Trockenperiode allerdings schon jetzt zu spüren. Die Situation sei «angespannt», sagt Sandra Helfenstein, Sprecherin des Bauernverbands: «Alle hoffen, dass es bald genug regnet.» Im Moment würden Landwirte ihre gefährdete Kulturen durch Gewässer oder Trinkwasser bewässern. «So ist beispielsweise die Salaternte zurückgegangen», so Helfenstein. Das hat meist Folgen auf die Verkaufspreise: «Je weniger Ware vorhanden ist, desto wertvoller wird diese.»

Sie möchte den Ball aber dennoch flach halten. «Wenn man in der Natur arbeitet, dann ist es normal, dass es die Ernten einmal besser und einmal schlechter ausfallen», so Helfenstein.

Dramatischer sieht es Landwirt Simon Forster aus Stettfurt TG, für den die aktuelle Situation existenzbedrohend sei. Schon jetzt beklagt er Verluste. «Tag für Tag sehe ich, wie der Pegel des Flusses, aus dem ich Wasser beziehe, sinkt», so Forster. Wenn es so weitergeht, muss auch er auf Trinkwasser zurückgreifen. Das koste ihn drei- bis fünfmal so viel wie sonst. Und: «Auch davon können die Gemeinden nicht unbegrenzte Mengen zur Verfügung stellen.» 200’000 Liter Wasser pro Stunde benötigt er für seine Felder.

(viv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Entay Gebere am 04.07.2018 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Weiss einer mehr?

    Wieso spritz der Mann in der Bildergalerie seine Pflanzen am Tag? Kann man dies nicht bei Sonnenuntergang oder auch in der Nacht machen? Die Verdunstung ist dann ja noch mehr gewährleistet...

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  • Caterpillar86 am 04.07.2018 14:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffen auf Regen

    Bevor das bauernbashing jetzt hier losgeht. Denkt daran, was ihr heute zum Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen auf dem Teller habt! Nur mal so eine Anregung an diejenigen, welche normalerweise hier in den Kommentaren einfach unüberlegt über die Landwirte herziehen.

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  • Barbara am 04.07.2018 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Mit und ohne Salat

    Sommer 1976 während 7 Wochen keinen Tropf Regen und sengender Sonnenschein. Wir haben diesen "überlebt" mit und ohne Salat und werden auch den Sommer 2018 überleben...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Denis am 05.07.2018 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wer das Wetter beherrscht

    ich sag nur Haarp.

  • majbee am 05.07.2018 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Monokulturwüste

    wenn ich dieses Monokulturfeld anschaue wundert mich das keineswegs. Die Gemüsebauern sollten sich mal ein bisschen weiterbilden und nicht nur alle Beikräuter ausreissen oder sogar mit Gift abtöten. Der Salat muss sowieso von Hand geerntet werden. Mit unterstützenden Beipflanzen würde der Boden nicht so austrocknen.

    • Cartman1993 am 05.07.2018 16:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @majbee

      ja und deswegen sind die Salatköpfe mit Schäden immer die ersten die im Coop und Migros abverkauft werden gell...

    • Adilo20 am 05.07.2018 18:35 Report Diesen Beitrag melden

      fragwürdige Kritik

      majbee: Ich bin zwar kein Bauer, aber, wenn Sie sich weiterbilden würden, könnten Sie begreifen, was da abläuft und weniger die Bauern unwissend kritisieren. Die Landwirtschaft ist kein "Biotop"!

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  • Geronimo Espana am 05.07.2018 14:21 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlichkeit im Quadrat

    Und wieder so ein Super-Ultra-Etra-Titel. Konnen die Schreiberlinge nur mit falschen Maximierungstiteln punkten. Der Titel ist nicht nur reisserisch, sondern schlicht falsch. Solceh Trockenphasen hat es in der Schweiz schon immer gegeben.

  • Matthias am 05.07.2018 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wettergott

    Komisch umd schon regnet es.

  • Pilatus am 05.07.2018 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Pontius

    Im Fricktal hat es im Mai und im Juni ausgiebig und oft geregnet. Seit heute Nacht um 3 schifft es wieder ununterbrochen. Wo ist was trocken? Die Gehirne gewisser Influencer?

    • Xenia am 05.07.2018 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pilatus

      Das Fricktal ist nicht die ganze Schweiz, Schlaumeier.

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