Wahlen

28. März 2011 15:32; Akt: 28.03.2011 16:07 Print

In der Schweiz spielt kein Fukushima-Effekt

von Lukas Mäder - Bei den Baselbieter Wahlen haben die Grünen Erfolge errungen. Doch im Unterschied zu Deutschland sind die Schweizer kaum anfällig auf den Fukushima-Effekt.

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Ein grüner Kampfkandidat verdrängt in Basel-Land den bisherigen SVP-Regierungsrat aus dem Amt. Gleichzeitg gewinnen die Grüne Partei und die Grünliberalen zusammen vier Sitze im kantonalen Parlament. Das sieht auf den ersten Blick aus wie ein Fukushima-Effekt, als hätte der Atomunfall in Japan die Wähler in der Schweiz beeinflusst. Dazu passt, dass gleichzeitig die Grünen in Deutschland historische Siege erringen.

Doch diese Erklärung greift zu kurz. «Es ist nur ein leichter Fukushima-Effekt zu erkennen», sagt Politgeograf Michael Hermann. Möglicherweise habe die Atomdebatte den früheren Abwärtstrend der Grünen gestoppt und in ein leichtes Plus verwandelt - auf Kosten der SP. Auch im Mitte-Lager könnte laut Hermann der Fukushima-Effekt die bereits früher beobachtete Abwanderung der Wähler von der FDP zu den Grünliberalen und zur BDP verstärkt haben.

Nur an einen geringen Einfluss der Atomdebatte glaubt auch Lukas Golder vom Forschungsinstitut GfS Bern. Als Indiz dafür sieht er die gegenüber 2007 gesunkene Wahlbeteiligung. «Wenn das aktuelle Thema so stark mobilisiert hätte, wäre die Beteiligung höher gewesen.» Gegen den Fukushima-Effekt spreche auch, dass das rot-grüne Lager insgesamt nicht zugelegt hat, sagt Golder. Einzig die Grünliberalen hätten vielleicht ein bisschen profitiert - obwohl die junge Partei eigentlich bei praktisch allen Kantonsratswahlen überdurchschnittlich abschneide.

Protestwähler in Deutschland

Anders als in Basel-Land dürfte bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz die Atomdiskussion den Wahlausgang mit den Rekordergebnissen für die Grünen signifikant beeinflusst haben - wenn auch nicht als einziger Faktor. Den Unterschied zwischen den Ländern erklärt Golder mit den verschiedenen politischen Systemen: «In Deutschland können die Bürger das Protestelement nur über Wahlen zum Ausdruck bringen.» Volksabstimmungen wie in der Schweiz sind praktisch nicht vorgesehen.

Dieses Argument sieht auch Hermann: «In der Schweiz können die Bürger abstimmen, weshalb sie sachpolitische Zeichen nicht in Wahlen setzen müssen.» In Basel-Landschaft sei es um die kantonale Politik gegangen und nicht um den Atomausstieg. «Die Schweizer wissen, dass sie noch später darüber abstimmen können.» Doch für Hermann ist das nur ein Faktor. «Deutschland hat die wohl stärkste Tradition von Anti-AKW-Bewegungen.» Die Schweiz reagiere zwar wie der ganze deutschsprachige Raum ebenfalls sensibel auf Umweltthemen, aber nicht so stark wie Deutschland.

Sachpolitik ohne Auswirkungen

Dass der Fukushima-Effekt in den Baselbieter Wahlen nicht gespielt hat, heisst aber nicht, dass die Atomfrage in den kommenden Monaten in der Schweiz kein Thema sein wird. Doch die Wähler unterscheiden zwischen Sach- und Parteipolitik - was die Stromkonzerne nicht freuen dürfte. «Ein neues AKW hat sicher mehr Mühe, beim Volk durchzukommen», sagt Hermann. Für die Eidgenössischen Wahlen habe diese jedoch kaum Auswirkungen: Ein allfälliger Fukushima-Effekt wird sich laut Hermanns Einschätzung bis im Herbst noch weiter abschwächen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R Gutknecht am 28.03.2011 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Fukushima-Effekt?

    Ich bin ein Genosse. Ich muss sagen, ich finde es peinlich und geschmacklos, wie die Medien immer diesen "Fukushima-Effekt" heranziehen und auch noch behaupten, daraus können die grünen und die Linken würden bei den nächsten Wahlen davon profitieren. Ich bin überzeugt, dass ich das auch als bürgerlicher so sehen würde!

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  • Michael Palomino (*1964) am 28.03.2011 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Die Oberschicht schaut lieber Fussball

    Scheinbar braucht die Schweiz auch ein Fukushima, damit allen schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern endlich bewusst wird: Atomenergie ist nicht nur brandgefährlich, sondern der Abfall strahlt ewig, und bei einem grossen Unfall verstrahlt und zerstört ein AKW ganze Landstriche auf ewig und zerstört das Ergbgut, ebenfalls auf ewig. Die Schweiz hat aber die Kapazität, intelligentere Energiesysteme zu entwickeln (der Sonnen-Wasserstoff-Motor aus Zürich ist nur ein Beispiel). Die Oberschicht glaubt aber einfach nicht daran und schaut lieber Fussball, statt alternative Forschung zu fördern..

  • Daniel am 28.03.2011 20:54 Report Diesen Beitrag melden

    Bürgerliche fallen bei mir völlig durch

    Herr Hermann ist klar auf der SVP-Linie. Da kann er wohl nichts anderes vertreten. Ich vertraue auf meine eigene Meinung, unabhängig von Politologen. Und da ist völlig klar, die bürgerlichen Parteien fallen bei mir völlig durch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • d.b. am 29.03.2011 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    auch ohne japan

    isaac reber wäre so oder so gewählt worden . das hat mit japan nichts zu tun

  • Alexander am 29.03.2011 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Erbeben + Wasser-Staumauern

    können eben auch ein Tsunami in der Schweiz auslösen. Die Gefahren werden zuwenig Aufmerksamkeit gegeben. Die Wasser-Staumauern kommen auch in die Jahre und werden Altersschwach.

    • Schluchsee am 07.04.2011 13:09 Report Diesen Beitrag melden

      Schluchsee?

      Wie lange hält eigentlich die Schluchsee-Mauer noch? Sie wurde 1929 gebaut. Und ist dann Basel 'Land unter'?

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  • Manuela am 29.03.2011 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Hermann weiss alles?

    Wie wird man eigentlich «Politikexperte», wenn man selbst kein Politiker ist? Wie kann Herr Hermann wissen, was die Leute im Herbst stimmen werden? Also ich gebe nicht sehr viel auf seine Aussagen und zum Glück hat er überhaupt keinen Einfluss auf das, was ich stimmen werde. Kein Fukushima-Effekt? Abwarten!

  • Toni am 29.03.2011 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    @Reto Gutknecht

    Muss Ihnen widersprechen. Leider ist der VCS der "Verhinderungs-Club der Schweiz", da sinnlos gegen viele gute Projekte einfach mal Einsprache erhoben wird. Und der VCS ist auf jedenfall gegen den Autoverkehr (ganz sicher mal die Chefs des VCS). Wenn Sie schreiben, dass Sie im VCS arbeiten, ist es wieder einmal erwiesen, dass bei Ihnen Wasser gepredigt und Wein getrunken wird. Leider wie an vielen Orten.

    • Reto Gutknecht am 29.03.2011 16:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Toni

      Alle meine Chefs (vom VCS) geben offen zu, dass sie weder gegen Autos sind und auch selber eines besitzten.

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  • Beobachter am 29.03.2011 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    politischer Eigennutz bei allen

    was heisst hier 'Bürgerliche'? wen man diese Problem noch immer als Wahlplattform braucht ist es tragisch. Es geht um einen adäquaten Umstieg in erneuerbare Energien. Und die Grünen etc mit ständigen Einsprachen gegen Windanlagen, Staumauern, Kollektorfelder, etc sind eben genau wie die 'bürgerlichen' - keinen Deut besser, nur auf der andern Seite.