Energieautark

15. April 2017 13:05; Akt: 15.04.2017 13:39 Print

In diesem Haus gibts keine Stromrechnungen

von A. Schawalder - In Brütten ZH steht das erste Mehrfamilienhaus der Welt, das alle Energie selbst erzeugt. Im Winter jedoch stieg schon mal die Waschmaschine aus.

20 Minuten war in Brütten und hat sich das energieautarke Haus angeschaut. (Video: Alice Grosjean)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Von aussen wirkt das energieautarke Haus unscheinbar: dunkle Fassade, moderne Architektur, aber nicht das futuristische Raumschiff, das man vielleicht erwarten würde. Spätestens beim Duschen merkt man aber, dass hier Energiesparen gross geschrieben wird: Selbst aus der Wärme des Abwassers wird wieder Energie gewonnen.

Umfrage
Würden Sie in einem energieautarken Haus leben wollen?
21 %
74 %
5 %
Insgesamt 4990 Teilnehmer

Eingeweiht wurde das erste energieautarke Mehrfamilienhaus vor rund einem Jahr. Laut Eigenwerbung ist das 6,1 Millionen Franken teure Gebäude «ein Leuchtturmprojekt» der Energiewende – bei der Eröffnung schaute selbst Umweltministerin Doris Leuthard vorbei. Doch wie haben die Bewohner den Winter überstanden – und worauf mussten sie verzichten? 20 Minuten hat ihnen einen Besuch abgestattet

Harter erster Winter

Eine Herausforderung für die Mieter war der kalte und neblige Januar: «Zu gewissen Uhrzeiten konnte man die Waschmaschine wegen Engpässen nicht verwenden. Das geschah aber nur selten, ich war nie betroffen», erzählt Daniel Marty, der mit seiner Partnerin eine von neun Wohnungen bewohnt. In der Garage bleiben musste aber das zum Haus gehörende Elektroauto. Es gibt noch ein zweites gemeinsames Auto, das mit Biogas fährt. Marty betrifft das jedoch nicht, denn er hat ein eigenes Auto. Und das fährt mit Benzin..

Das Haus bezieht all seine Energie von der Sonne: Nicht nur das Dach, auch die ganze Fassade besteht aus Solarzellen. Am Tag und im Sommer produziert das Haus mehr als genug Energie. Für die übrige Zeit gibt es mehrere Speicher: eine grosse Batterie im Keller, die Strom für drei Tage speichern kann, oder zwei Wassertanks mit einem Fassungsvermögen von einer Viertelmillion Liter unter dem Gebäude. Das Wasser kann Wärme für lange Zeit speichern und wird später zum Heizen verwendet.

Für Notfälle gibt es auch noch einen 700'000 Franken teuren Wasserstofftank – die Solarzellen und Batterien reichen an rund 30 Tagen im Jahr nicht aus. Im Sommer wird aus Wasser und überschüssigem Solarstrom Wasserstoff gewonnen. Im Winter wird daraus wieder Energie erzeugt.

Am Energiesparen führt kein Weg vorbei

Laut Jörg Sigrist, Geschäftsführer der Erbauerin Umwelt Arena, war der Winter trotz des ausgeklügelten Speichersystems eine Herausforderung: Gegen Ende des Winters seien die Speicher zwar fast leer gewesen, doch das System habe sich im Praxistest bewährt. «Das Haus funktioniert, und wir haben Möglichkeiten entdeckt, den Wärmespeicher zu verbessern.» Und: «Im Notfall hätten wir weniger wichtige Energieverbraucher wie etwa den Lift abstellen können.»

Trotzdem: Damit nicht irgendwann der Strom ausgeht, dürfen die Hausbewohner nur halb so viel Energie verbrauchen wie ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt: 2200 statt 4400 Kilowattstunden.

Damit das geht, sind die Wohnungen mit lauter energiesparender Geräte ausgerüstet wie Waschmaschine, Ofen und LED-Lampen. Die Bewohner können ihren Energieverbrauch stets auf einem kleinen Bildschirm in der Wohnung kontrollieren. Laut Jörg Sigrist hat sich jedoch gezeigt, dass die 2200 Kilowattstunden pro Wohnung völlig ausreichten. «Die meisten benötigen weniger als die Hälfte der Energie eines durchschnittlichen Schweizer Haushalts.» Für Bewohner Marty etwa ist das kein Problem: «Wir mussten unseren Lebensstil eigentlich kaum umstellen. Der grösste Unterschied ist, dass wir überprüfen können, wie viel Energie wir verbraucht haben.»

Einsparungen bei Energie kompensieren Mehrkosten

Wird im Mai das Energiegesetz angenommen, muss der Energieverbrauch in der Schweiz in den nächsten 18 Jahren um 43 Prozent sinken. In Brütten wollen die Verantwortlichen die Zukunft simulieren: «Wir wollten mit diesem Haus zeigen, was bereits heute schon möglich ist. Es soll ein Leuchtturmprojekt sein», sagt Sigrist. Die Leute sollen sich davon inspirieren lassen und gewisse Technologien übernehmen. Er glaubt nicht, dass in Zukunft alle in solchen Häuser leben werden. Das sei auch nicht nötig. Mit geschickter Nutzung moderner Technologien könne der Energieverbrauch stark reduziert werden. Langfristig könnten die Leute so auch Geld sparen.

Tatsächlich entfallen in Brütten die Energie-Nebenkosten gänzlich, weshalb die Bewohner laut Sigrist nicht mehr zahlen würden als anderswo. Eine 4½-Zimmer-Wohnung kostet rund 2500 Franken.

Zum Thema «Energieautarkes Mehrfamlienhaus» gibt es in der Umwelt-Arena eine Ausstellung mit Grossmodell.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Psais am 15.04.2017 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doof !

    Verbietet lieber mal den Firmen und Geschäften die unnötige 24/7 Vollbeleuchtung !!!

    einklappen einklappen
  • Ivo Furrer am 15.04.2017 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sollen wir bestehende Gebäude abreissen?

    6,1 Mio teures Haus wieviel würde es wohl kosten ein bestehendes Mehrfamilienhaus auf diesen Stand zu bringen 1 Mio, 2 Mio? Genau da liegt das Problem.

    einklappen einklappen
  • Tom am 15.04.2017 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Wohlfühlprojekt

    Super Projekt. Bringt im Grossen absolut nix. Und hat mit dem Energiegesetz null und nichts zu tun. Durchsichtige PR

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Snooker am 16.04.2017 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Blind

    Investitionen ohne Ende dafür keine Stromrechnung? Bis man diese Investitionen Amortisiert hat vergehen Jahrzehnte und den Unterhalt nicht vergessen.

    • Dr. Gaga am 16.04.2017 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Snooker

      Also ich denke , dass die Investoren nicht blind sind. Ein solches MFH ist der Hammer. Kein Öl, kein Gas, kein Strom! Der absolute Wahnsinn. EnergieStrategie Gegner müssen sich warm anziehen. Den Gegnern wurde voll der Stecker gezogen. Ausser kalte Luft kommt bei denen nichts mehr.

    einklappen einklappen
  • Ivo Furrer am 16.04.2017 20:16 Report Diesen Beitrag melden

    Windstille Nacht = Energielose Nacht

    Es können auf allen Dächern Solarzellen installiert sein und am ganzen Horizont Windkraftwerke. All dies produziert ohne Sonne und Wind nicht ein einziges Watt Strom. Wie wir den Strom für ein ganzes Land speichern können ist nicht gelöst. Tesla Batterien für Eigenheime halten gerade mal als Backup für 1 Tag und einen Wasserstofftank wird wohl so schnell nicht jeder haben.

    • Jan M. am 16.04.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ivo Furrer

      Sie haben vergessen dass über 50 % unserer Stromversorgung aus Wasserkraft besteht. Wie kann man das nur vergessen?

    einklappen einklappen
  • alter Knacker am 16.04.2017 19:26 Report Diesen Beitrag melden

    Energieverbrauch nach Wetterbericht

    Der Wetterbericht sagt Dir ob die Dusche morgen warm oder kalt ist.

    • Km am 16.04.2017 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @alter Knacker

      Technisch gesagt wäre das Smart Grid oder Smart Metering. Solange der Strom so günstig ist muss niemand kalt duschen und Smart Technologie ist relativ teuer ausser man kennt sich aus und kauft sich günstige Massenware wie Devolo Home etc. Für paar 100 Franken ist vieles schon Standard und zu kaufen.

    • alter Knacker am 16.04.2017 20:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Km, kann keine Englisch

      Wollen Sie mir damit sagen ich muss erst Englisch lernen damit ich warm duschen kann? Oder können Sie auch Deutsch?

    • Km am 16.04.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @alter Knacker

      Nein für ältere Leute ist das sowieso kein Problem. Wenn sie die Energiestrategie 2050 annehmen können sie in Zukunft warm duschen. Englisch müssen sie für eine warme Dusche nicht lernen.

    • @alter Knacker am 16.04.2017 20:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Km, Darum lehne ich es ab

      Danke ab 2050 ist es mir egal ob die Dusche kalt ist.

    • Km am 16.04.2017 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @@alter Knacker

      Nicht jeder alter Knacker hat so viel Interesse an Energiefragen wie sie. Super.Trotzdem wäre es schön wenn sie der Jugend eine saubere Schweiz hinterlassen würden.

    • Lukas P. am 16.04.2017 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Km @der andere

      Totaler Humbug! Solange wir Wirtschaftssklaven der Superreichen sind, spare ich genau an garnichts. Wir leben nur um Steuern zu bezahlen und andere zu bereichern. Das geht garnicht!

    einklappen einklappen
  • der seher am 16.04.2017 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsches Spiel

    Energietechnik weiterentwickeln und nein stimmen schliessen einander nicht aus. Erhöhung des amtl. Wertes, Erhöhung des Eigenmietwertes und des Wohnungszinses mit höherem amtl. Wert, und der damit verbundenen Erhöhung der Gebäudeversicherung, der Liegenschftssteuer und der Vermögenssteuer. Das sind nur die finanziellen Aspekte. Dem Bundesrat einen Freipass für sämtliche Energieverteuerungen und höheren Steuereinnahmen liefern will ich nicht. Die Vergangenheit lässt grüssen.

    • Peter Müller am 16.04.2017 19:23 Report Diesen Beitrag melden

      Das sehen Sie richtig!

      Dieses Mal haben Sie den absoluten Durchblick

    • Kontrapunkt am 16.04.2017 19:36 Report Diesen Beitrag melden

      Ach komm!

      Alle diese möglichen Szenarien müssten vom Parlament - in welchem SVP und FDP schon fast eine Mehrheit besitzen - abgenickt werden! Haben Sie plötzlich kein Vertrauen mehr in ihre Vertreter? Erstaunlich für Leute, die sich sonst andauernd aufs Parteibüchlein berufen!

    • Peter Moser am 16.04.2017 19:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Kontrapunkt

      Die erste Steuererhöhung - Treibstoff - wurde zum Glück schon abgeschmettert. Doch was wenn sich das Parlament mal in der Zusammensetzung ändert? Könnten Sie doppelte Strom und Treibstoffkosten tragen?

    einklappen einklappen
  • ??? am 16.04.2017 19:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit

    Weiss ja nicht wie es euch geht ...aber ich möchte weder im diesem Haus noch in der Umgebung wohnen wenn die wirklich eine Wasserstofftank im Keller haben. Ist ja nicht so das Wasserstoff eine hohe Explosion gefahr hat und schnell entzündlich ist. Ausserdem wurde es ja schon in der Autoindustrie als kraftstoff erforscht und wurde als zu gefährlich eingestuft ( ein Auto hätte ca. denn explosions radius eines Fussballfeldes ). Aber naja jedem das seine

    • Theo P. am 16.04.2017 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @???

      Und sie haben Angst vor Wasserstoff Tanks und möchten neu AKW bauen. Sorry das ist nun eine Behauptung aber das ist die einzige Strategie der SVP. Alles was Neu ist ablehnen und im Hintergrund Aktivist für neue AKW und Öl.

    • Chemietechnologe am 16.04.2017 21:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @???

      So ein Quatsch! In einer der grossen Chemiekonzerne in Basel steht seit Jahrzehnten ein Sattelauflieger mit Wasserstoffdruckbomben (ja, die heissen so!) und da ist noch nie irgendetwas passiert!

    einklappen einklappen