Neue Zahlen

29. November 2019 11:11; Akt: 29.11.2019 14:48 Print

In diesen Berufen geben die meisten Lernenden auf

von P. Michel - Jeder fünfte Lernende löst seinen Lehrvertrag vorzeitig auf. Besonders betroffen sind Coiffeusen, Köche und Elektroinstallateure.

21 Prozent der Lernenden lösten in der Kohorte 2014–2018 ihren Vertrag auf.
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Fabio (18) hielt es nur ein Jahr in der Lehre als Elektroinstallateur aus. «Ich arbeitete meist mehr als zehn Stunden, und als ich mal eine Grippe hatte, sagte der Chef, ich könnte doch trotzdem kommen.» Daraufhin löste er den Lehrvertrag kürzlich auf. Auch Arjeta (25) kündigte ihre Coiffeurlehre und wechselte den Betrieb, weil sie sich ausgenutzt vorkam und nichts lernte. «Das war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.»

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Die beiden sind keine Einzelfälle: Neue Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, dass 21 Prozent der Lernenden aus ihrer angefangenen Berufslehre aussteigen. «Zwischen Sommer 2014 und Ende 2018 schlossen rund vier Fünftel der Lernenden ihre Ausbildung ohne Lehrvertragsauflösung ab. 17 Prozent erlebten eine Lehrvertragsauflösung und 4 Prozent mehrere», schreiben die Statistiker.

Kaufmännische Lehre wird weniger abgebrochen

Die meisten Lehrvertragsauflösungen gab es im untersuchten Zeitraum in den Branchen Friseurgewerbe und Schönheitspflege, Verkehrsdienstleistungen, Elektrizität und Energie sowie Gastgewerbe und Catering (siehe Video oben). Hier lagen die Quoten bei über 30 Prozent. Am wenigsten Abbrüche gab es im Bereich Wirtschaft und Verwaltung, wozu etwa das KV gehört.

Andrea Ruckstuhl, der bei Jobcaddie.ch Lernende berät, betont, die Zahl der Lehrvertragsauflösungen sei in den letzten Jahren stabil geblieben. Zu Auflösungen komme es oft, wenn sich die Eindrücke aus der Schnupperlehre nicht mit dem späteren Berufsalltag deckten.

«Von einigen Coiffeur-Lernenden hören wir, dass sie im ersten Lehrjahr fast nur an Puppen arbeiten oder bei Kunden nur Haare waschen können. Zudem sind die Löhne tief.» Die Ernüchterung darüber sei manchmal so gross, dass sich die Lernenden sagten: «So habe ich mir das nach der Schnupperlehre aber nicht vorgestellt.» 35 Prozent der Coiffeusen EFZ haben ihre Lehre abgebrochen. Der Verband Coiffure Suisse hält dabei fest, dass 83,6 Prozent der Lernenden, die aus der Lehre aussteigen, wieder eine Lehre beginnen.

Preis- und Zeitdruck führt zu mangelnder Betreuung

Laut Ruckstuhl kann man nicht pauschal den Berufsbildnern die Schuld in die Schuhe schieben. Das gelte auch für die Baubranche, wo auch der Beruf Elektroinstallateur angesiedelt ist. Dort betrug die Auflösungsquote 32,4 Prozent. «Elektroinstallateure sind oft auf der Baustelle, arbeiten körperlich hart und sind bei jedem Wetter draussen», sagt Ruckstuhl. Hinzu komme, dass die Firmen unter hohem Preis- und Zeitdruck stünden. «Darum finden einige Berufsbildner zu wenig Zeit, sich um die Ausbildung der Lernenden zu kümmern.»

«Die Lehre ist attraktiv», heisst es beim Berufsverband EIT Swiss. «Die Quote lässt sich zum einen mit dem Wechsel vom Installateur zum Montage-Elektriker erklären, wenn Lernende
schulisch nicht mithalten können. Sie beinhaltet aber auch jene Lernenden, die in der Branche bleiben, aber den Lehrbetrieb wechseln», sagt Sprecherin Laura Kopp. Wichtig sei, dass die Betriebe beim Schnuppern eine seriöse Auswahl treffen. Die Absolventen sollten mit höheren Mindestlöhnen im Beruf gehalten werden, so Kopp.

Gastrobranche reagiert auf Auflösungen

Stark betroffen von Vertragsauflösungen ist auch das Gastgewerbe. 37,6 Prozent der angehenden Restaurationsangestellten werfen den Bettel hin. Bei den Köchen sind es 31,5 Prozent. «Das schmerzt uns sehr», sagt Max Züst, Direktor des Verbands Hotelgastro. Er betont, es gebe auch Fälle, wo die Lehre in einem anderen Betrieb fortgesetzt werde. «Aber es ist ein Fakt: Wir müssen unseren Lernenden mehr Sorge tragen.» Der Verband setzt deshalb im Umgang mit den jungen Menschen an. «Die Gastro fordert viel, der Stresslevel ist hoch.» Da könne es vorkommen, dass in der Küche mal ein hartes Wort falle, das Lernende nicht verkraften, sagt Züst.

Um die Berufsbildner in einem angemessenen Umgang zu schulen, organisiert der Verband wie dieses Jahr auch 2020 eine Tagung für 500 Lehrmeister. Dafür nimmt er rund eine Million Franken in die Hand. Das Ziel: Die Berufsbildner sollen verstehen, wie junge Menschen ticken und wie sie motiviert werden können. Ebenfalls würden die Berufsprofile erneuert, sagt Züst: «Restaurationsfachleute können sich auf Sommelier oder Barista spezialisieren, die vegetarische oder vegane Küche erhält im Kochberuf mehr Stellenwert.»

Warum schneidet das KV gut ab?

Am anderen Ende der Rangliste steht die Branche Wirtschaft und Verwaltung. Bei den KV-Lernenden betrug die Auflösungsquote nur 10,5 Prozent. Michael Kraft, Leiter Bildung beim Kaufmännischen Verband, erklärt dies so: «Auch nach einer kurzen Schnupperlehre ist beim KV den meisten Jugendlichen klar, was sie im Arbeitsalltag erwartet.» Die geregelten Arbeitszeiten unterschieden sich kaum von der gewohnten Schulstruktur. «Und sie ermöglichen den Jugendlichen, weiter Kollegen zu treffen und Hobbys zu pflegen», so Kraft.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • aseiiron am 29.11.2019 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    durchhalten

    einfach durchziehen. betrieb wechseln, falls es an den angestellten liegt.

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  • Arbarax am 29.11.2019 11:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lehre

    Ach bitte... Im erste Lehrjahr heisst es: Zuschauen, ab dem 2: Mittmachen, ab dem 3: Selber machen... Nur gob gesagt! Vor dem selbständigen arbeiten wird es gelernt, darum heisst es Lehre! Die heutige Jugend will alles und zwar sofort!

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  • Dieog am 29.11.2019 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Die werden ja nicht umsonst

    "Generation Schneeflocke" genannt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Akinom am 30.11.2019 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Handwerker sind top und belastbar

    Als Handwerker weiss man was man am Abend geleistet hat. Im Büro macht man aber weiss nicht was man da überhaupt macht. Ich habe beides gemacht ein Handwerksberuf und ein Bürojob.

    • Büro-Angestellte am 30.11.2019 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Akinom

      wenn Sie im Büro nicht wussten was Sie machten, gehören Sie definitif nicht dorthin.

    • Dein Lehrer am 30.11.2019 19:08 Report Diesen Beitrag melden

      wenn Schülerin im Glashaus sitzt :-)

      Büroangestellte, ich denke DU hast keine KV-Lehre gemacht, sonst wüsstest DU, wie DU das schwierige Wort für den Begriff unumstösslich zu schreiben hast.

    • Rene am 30.11.2019 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Akinom

      Sorry, möchte dir nicht zu nahe treten aber wenn am Abend nicht weiss man gemacht hat, dann beherrscht du den Job nicht. Das hat mit dem Büroberuf nichts zu tun

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  • M.G. am 30.11.2019 16:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt von ganz oben

    die niedrige Wertschätzung der Handwerksberufe. Denn die meisten Arbeitskräfte in diesen Bereichen arbeiten für lokale Betriebe, sind nicht Teil internationaler Wertschöpfungsketten. Denn auf exportorientiere Firmen haben es Fiskus und Wirtschaftsdepartement abgesehen, die bringen mehr Steuern. Dafür wird die Schweiz mehr und mehr abhängig von externen Ereignissen die sie nicht beeinflussen kann. Das ist keine proaktive Politik sondern man läuft in Bern den Ereignissen hinterher. So hat man immer ein schönes Budget aber in der Zukunft türmt sich eine gewaltige Belastung der Sozialsysteme auf.

  • Martial2 am 30.11.2019 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Willen's Sache...

    Meine Frau und ich haben die Handelsschule, anschliessend Matura abgeschlossen: dann die Frau hat Journalismus studiert, ich Sales/Marketing. Das hat uns im Geschäftsleben sehr viel gebracht!

  • häusle besitzer am 30.11.2019 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Lehre braucht es

    der glaubt ihr wirklich ich lasse einen Dilettanten an meine teure Heizung? Dann mache ich es lieber selber und ihr seit gleich vorne weg arbeitslos.

    • James Morgan am 30.11.2019 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @häusle besitzer

      Wow... Heizungen sind im allgemeinen nicht billig außer Made in China.

    • nur so am 30.11.2019 15:10 Report Diesen Beitrag melden

      James Morgan

      darum schreibt er dies ja auch speziell hin! Damit die Lernenden wissen welche Verantwortung sie später haben.

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  • TommyM. am 30.11.2019 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Verhätschelt

    Durchhaltevermögen? Wie auch ? Bei der heutigen antiautoritären Erziehung! .... und da tragen viele, nicht alle Mütter die Hauptverantwortung!

    • ICEX am 30.11.2019 13:23 Report Diesen Beitrag melden

      So ist es

      Ist klar! Bekommt ein Kind alles, lernt es auch nicht, Leistung zu erbringen!

    • oder hockt vor der bude und observiert am 30.11.2019 13:29 Report Diesen Beitrag melden

      Natürlich

      sind die Mütter schuld. Der HERR daneben ist wohl faul und geht lieber an den Stammtisch?

    • S. Hund am 30.11.2019 13:37 Report Diesen Beitrag melden

      ......

      Nein der HERR geht arbeiten zu 100% damit er die Family durchfüttern kann und darf womöglich nach der Arbeit noch den Haushalt erledigen! Zwei solche Fälle kenne ich!

    • TommyM. am 30.11.2019 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      Sag ich ja

      @ oder hockt vor der Bude...... ich habe ja geschrieben viele und nicht alle! Wenn ich die Erziehung einiger Mütter im Migros Kafi beobachte, verwundert mich gar nichts mehr!

    • Martial2 am 30.11.2019 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @TommyM.

      Lieber eine faire Autoritäre Erziehung, als alles schlitteln lassen und nur dazu schauen. Mit einer "Gummi" bis gar keine Erziehung ist's dem Kind für die Zukunft nicht geholfen. Die energische Erziehung Vater's Seite war für uns hart, aber später haben wir's nie bereut!

    • Michelangelooo am 30.11.2019 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @S. Hund

      Aaaaabet es gibt auch das Gegenteil..... Was besser für einem ist, hat jede Familie selbst zu entscheiden. Das nur der Mann arbeiten geht, ist ein veraltetes Bild...

    • S. Hund. am 30.11.2019 15:38 Report Diesen Beitrag melden

      ........

      @ Michelangelooo! Ja das stimmt, aber JEDEN Mann als faul zu bezeichnen, ist dann in Ordnung??? Super Welt! ..veraltetes Bild? Na, ja! Viele Frauen können oder wollen laaaaaaange nach der Geburt nicht Arbeiten...

    • holy gender am 30.11.2019 17:21 Report Diesen Beitrag melden

      Rollenbild aus den 50er?

      Echt jetzt? Haben hier wirklich noch Leute ihre Rollenvorstellungen aus den 50er? Etwas zurückgeblieben oder? Und wenn ihr das argumentativ wirklich bringen wollt, dann ist der Herr Papa schuld, denn der sollte ja dann das strahlende Vorbild in Sachen Arbeit sein!

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