Moosseedorf BE

31. Oktober 2014 07:36; Akt: 31.10.2014 11:59 Print

In dieser Gemeinde sind Asylbewerber willkommen

von Romana Kayser - Fussball und Kaffeekränzchen statt Proteste und Anti-Flüchtling-Grillpartys: In Moosseedorf setzen die Anwohner alles daran, dass sich «ihre»Asylbewerber wohlfühlen.

Willkommene Abwechslung: Fussballtraining für Asylbewerber in Moosseedorf, BE. (Video: Brigitte Büchel/Romana Kayser)
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«Today we will have fun!», ruft Roland Glauser und klatscht in die Hände. Der pensionierte Anwohner aus dem bernischen Moosseedorf erntet zustimmenden Applaus. Elf fussballbegeisterte Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea, Algerien, Tunesien, Kamerun und Albanien haben sich in der Turnhalle Moosseedorf BE fürs Fussballtraining versammelt.

Motiviert packen sie sich einen Ball und wärmen sich auf. Sie lachen. Zwei Stunden lang gibt die bunt zusammengewürfelte Truppe vollen Einsatz. Es wird gerannt, gekickt, gehechtet und geschwitzt.

Lauter Jubel in der Turnhalle. Der 12-jährige Eric aus Albanien hat soeben das Siegtor geschossen. Die Spieler klopfen sich freundschaftlich auf die Schultern. Beim Stretchen in der Runde blickt man in erschöpfte, aber zufriedene Gesichter.

«Eine Familie wie in Eritrea»

«Es ist wichtig, dass die jungen Männer ihre Energie rauslassen können», sagt Glauser, der seit dieser Woche freiwillige Sporttrainings für Asylbewerber anbietet. Das Training solle den Flüchtlingen eine Abwechslung zum Alltagstrott in der Asylunterkunft bieten. «Sie sollen etwas machen können, was ihnen Freude bereitet, und dabei Erfolgserlebnisse haben – etwa wenn sie ein Tor schiessen.»

Dieses Engagement kommt an: «Wenn Menschen wie Herr Glauser solche Dinge für uns tun, dann erinnert mich das an meine Familie», sagt Michael Okubay aus Eritrea. Der Algerier Samir Benali ergänzt: «Der Sport ist eine gute Ablenkung. Wenn ich Fussball spiele, denke ich nicht an meine Familie und die schlimmen Dinge in der Heimat.»

Das Fussballtraining ist nur eines von vielen Freizeitangeboten, die Bewohner von Moosseedorf gemeinsam mit der Gemeinde für die Asylsuchenden auf die Beine gestellt haben.

Abwechslungsreiches Freizeitangebot

Während in anderen Gemeinden wie in Aarburg AG oder Schafhausen BE der Bau neuer Asylunterkünfte für Grill-Proteste und Demonstrationen gesorgt hat, gibt es in Moosseedorf für die Flüchtlinge einmal pro Woche Kaffee und Kuchen in der Kirchengemeinde. Die lokale SP organisiert Dorfspaziergänge, die Flüchtlingskinder dürfen mit den andern Kindern in der Tagesschule Zvieri essen und bald können sich die Flüchtlinge mit gemeinnütziger Arbeit, wie etwa Laubrechen oder Abfallsammeln, ein kleines Taschengeld verdienen. Sogar ein Götti-System, bei dem jeder Asylsuchende eine Bezugsperson aus der Bevölkerung zugeteilt bekommt, ist in Planung.

Seit der Eröffnung der Notunterkunft in der Zivilschutzanlage vor rund vier Wochen setzen die Bewohner alles daran, dass sich die Asylbewohner im Dorf wohlfühlen und integrieren können. Negative Stimmen hört man kaum. «Das hätte ich nie gedacht. Es freut mich sehr, dass hier im Dorf ein so asylbewerberfreundliches Klima herrscht», sagt Glauser. Asylbewerber Benali bestätigt: «Die Menschen hier vertrauen uns und wir vertrauen ihnen.» Der Kameruner Marc Encho sagt: «Die Moosseedorfer haben mich wie einen der ihren aufgenommen.»

SVP-Gemeindepräsident: «Flüchtlinge haben das verdient»

Auch Gemeindepräsident Peter Bill, ein SVP-Mitglied, vertritt die asylfreundliche Haltung seiner Bürger. Es sei wichtig, dass den Flüchtlingen ein faires Leben ermöglicht werde: «Das sind traumatisierte Menschen. Sie haben es verdient, dass sie hier für eine Weile in Ruhe leben können.» Zudem tue es auch der Gemeinde gut zu sehen, was andere Menschen für Probleme haben.

Er sei aber keineswegs ein Exot in seiner Partei, betont der Gemeindepräsident. In der Frage der Masseneinwanderung vertrete er ganz klar die Linie seiner Partei. «Aber wenn die Flüchtlinge schon mal da sind, dann müssen wir auch für sie sorgen», sagt Bill. «Das sind in erster Linie Menschen. Da darf man keine Unterschiede machen zwischen Schweizern und Ausländern.»