Helfer-Notstand

18. Juli 2013 15:36; Akt: 18.07.2013 16:05 Print

In vielen Gemeinden fällt 1.-August-Feier aus

Die Bundesfeier ist der Inbegriff des Schweizer Fests. In vielen Gemeinden steigt dieses Jahr keine Fete – die Suche nach Helfern wird immer schwieriger, der Gemeinsinn lässt nach.

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In verschiedenen Schweizer Gemeinden mussten in diesem Jahr die 1. August-Feierlichkeiten abgesagt werden. (Bild: Keystone/Maxime Schmid)

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Fest, Feuer und Folklore: Für viele Schweizer Gemeinden ist der 1. August traditionell der Anlass des Jahres. Hier kommt unter Lampion und Schweizerfahne zusammen, wer sich unter dem Jahr nur im Vorbeigehen grüsst. Doch in zahlreichen Schweizer Gemeinden fällt die Feier dieses Jahr ins Wasser.

«Leider konnte die offizielle Bundesfeier mangels Helferinnen und Helfer nicht organisiert werden», lässt die aargauische Gemeinde Untersiggenthal auf Ihrer Website ausrichten. Die Vereine, die traditionellerweise das Fest ausrichteten, seien wegen anderen Anlässen zu stark ausgelastet, sagt der Gemeindeschreiber Stephan Abegg. Statt gemeinsam Würste zu braten und Bier zu trinken, weilten viele Vereinsmitglieder nun in den Ferien. «Sie können einfach nicht mehr», so Abegg. Gemäss der «Zürichsee-Zeitung» sind die Untersiggenthaler mit ihrem Problem nicht allein.

Alle sind in den Ferien

Im Zürcher Uetikon am See findet in diesem Jahr zum ersten Mal kein 1. August-Fest statt: «Da der 1. August in die Ferienzeit fällt, ist es für Vereine schwierig, genügend Freiwillige zu rekrutieren», heisst es bei der Gemeinde. Viele Helfer seien «in den wohlverdienten Ferien». Und auch im St. Gallischen Schmerikon bemühte man sich vergeblich, den Männerchor zur Organisation zu bewegen. Gemeindepräsident Félix Brunschwiler: «Dieses Jahr haben sie zu viele andere Veranstaltungen.» Aber es liege auch am nachlassenden Gemeinsinn.

Da die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Eidgenossenschaft auf Gemeindeebene bewilligt und in den Kantonen nicht erfasst werden, stehen keine gesamtschweizerischen Zahlen zur Verfügung. Ulrich König, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbandes weiss aber um das Fest-Sterben. Das sei traurig, doch er habe den Eindruck, dass nicht so viele Gemeinden betroffen seien.

Grossanlässe in den Städten sind begehrt

In den Stadtzentren kann von einem Fest-Sterben keine Rede sein. Basel, Bern und Zürich haben gleich viele oder sogar mehr Bewilligungen für 1.-August-Feste erteilt. In Basel und Bern sind es wie im Vorjahr vier respektive drei grosse Bundesfeiern, in Zürich sind es zwölf – drei mehr als 2012. Wird in den Gemeinden weniger gefeiert, weil die Leute an die Grossanlässe in die Zentren strömen?

Christine Wälti von Basel Tourismus glaubt, dass es die «Landflucht» gibt: «In Basel gibt es traditionsgemäss einen starken Fokus auf die Bundesfeier am Rhein, weshalb sich viele potentielle Veranstalter eher dort beteiligen und einen Stand betreiben, statt selber etwas zu initiieren.»

Darüber kann Folklore-Experte Martin Sebastian nur den Kopf schütteln: «Solchen Leuten fehlt zunehmend die lokale Verankerung in der Gemeinde.» Wenn jemand am 1. August etwas organisiere, solle er das in der eigenen Gemeinde tun. Aus eigener Erfahrung weiss Sebastian aber, dass der Zeitpunkt schwierig ist und neben Vereinen oft auch Redner und Musiker in den Ferien sind. Grundsätzlich sei der Anlass aber beliebt wie eh und je.

(sth)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • mucki85 am 18.07.2013 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Tradition 1.Augustschiessen Flums

    Schade um diese Feste. Ich werde wie jedes Jahr an das 1.Augustschiessen nach Flums gehen mit meinem Karabiner. Gehört einfach dazu.

  • Asmodaeus am 18.07.2013 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch egal

    ist in den meisten Fällen eh nur ein besäufnis. Was feiern wir denn? Heutzutage wäre Tell nichts anderes wie ein Terrorist und Attentäter.

  • Claire am 18.07.2013 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Augustfeier auf dem Lande  

    Es gibt auf dem Lande keine Augustfeier mehr,weil es bald keine Eidgenossen mehr gibt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Claire am 18.07.2013 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Augustfeier auf dem Lande  

    Es gibt auf dem Lande keine Augustfeier mehr,weil es bald keine Eidgenossen mehr gibt.

  • Kein Ch am 18.07.2013 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Never

    Ist da was am 1. august in der schweiz????? Bin nähmlich seit 12 jahren immer in den ferien am 1. august und noch viel wichtiger, nicht in der schweiz :)

  • Elisabeth P am 18.07.2013 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Höhenfeuer

    Früher gab es das gemeinsame 1.August Feuer, ohne grossen Umschwung und geschwollene Reden. Man ging hin, genoss das Höhenfeuer, plauderte grillierte den Cervelat und sang mit einander und liess so den Festtag ausklingen. Heute muss man immer etwas "organisieren" - Schade.

  • moderner Schweizer am 18.07.2013 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    Die Zeiten ändern sich

    Ich habe den Eindruck, dass junge Leute meist mehr Gemeinsinn haben. Allerdings eher im privaten, informellen Rahmen. Sie brauchen keine Ausrede, um Freunde zu treffen! Viele bevorzugen grössere Anlässe mit attraktiverem Angebot. Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, braucht es eben zu viel Personal. Gmeindligeist hat ausgedient. Vereine scheitern oft an Streit zwischen Alteingesessenen, Abspaltungen, Konkurrenz zu anderen Freizeitaktivitäten, zu kleiner Mitgliederzahl usw. Auch hier liegt die Lösung jenseits der Gemeindegrenzen. Ein kompletter Vorstand für 10-20 Leute ist zu viel!

  • homer am 18.07.2013 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    zürifest

    soso ein unnötiges besäufniss namens zürifest konnte man finanzieren aber ein nationalfest nicht?=