Mängel im Schlachthof

14. Januar 2020 18:40; Akt: 14.01.2020 19:29 Print

«Schweine sterben mit schlimmsten Schmerzen»

Kein Wasser zum Trinken, Schlachtung ohne Betäubung – die Zustände in vielen Schweizer Schlachthöfen sind laut einer Analyse ungenügend. Das sagt die Fleischbranche dazu.

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Obwohl in der Schweiz strenge Richtlinien betreffend Tierwohl für Schlachthöfe bestehen, werden die rechtlichen Vorschriften von vielen Betrieben nur ungenügend befolgt. (Symbolbild) Zehn Prozent der Schweizer Schlachtbetriebe, insgesamt 67 Schalchthöfe, wurden zwischen Januar 2018 und März 2019 durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV kontrolliert. (Symbolbild) Das Fazit ist ernüchternd: Obwohl die rechtlichen Vorschriften zum Schutz der Tiere beim Schlachten gut seien, würden sie in den meisten Betrieben nur ungenügend befolgt. (Symbolbild) So fehlen bei der Unterbringung über Nacht häufig tierartgerechte Tränken und fast immer Futter, Einstreu und Beschäftigungsmaterial. Zudem gab es auch Mängel bei der obligatorischen Tierkontrolle nach zwölf Stunden. (Symboldbild) Einer der schlimmsten im Bericht des BLV aufgedeckten Mängel ist die fehlende Kontrolle des Betäubungserfolgs vor dem Schlachten, so Cesare Sciarra vom Schweizer Tierschutz. Denn die Tiere würden erst betäubt. Erst dann, wenn sie nichts mehr spüren sollten, werden sie mit dem Messer entblutet. Das Entbluten führt zum Tod des Tieres. (Symbolbild) «Wenn die Betäubung nicht richtig durchgeführt wird und niemand bemerkt es, dann ist das Tier bei Bewusstsein, wenn der Metzger mit dem Messer den Entblutestich durchführt, und es wird unter minutenlangen schlimmsten Schmerzen sterben.» (Symbolbild) Aber auch die mangelnde Einrichtung für die Haltung über Nacht mache den Tieren zu schaffen, so Cesare: «Wenn bei Übernachtungen die Haltungsbedingungen nicht stimmen, dann leiden die Tiere im schlimmsten Fall unter Durst und Hunger, legen sich je nachdem nicht hin und ermüden, haben Stress.» (Symbolbild) Regula Kennel, Leiterin Unternehmensentwicklung beim Fleischfachverband Proviande, sagt, dass das Ergebnis nicht überrasche, da in die Analyse extra auch problematische Schlachtbetriebe aufgenommen worden seien. «Es ist aber tatsächlich ernüchternd», sagt Kennel. Denn durch diese Auswahl hätten Schwachpunkte aufgedeckt und unmittelbar an die Hand genommen werden können. «Die Tierschutzvorschriften sind klar, sie müssen eingehalten werden. Dort, wo das nicht der Fall ist, muss der Vollzug reagieren», so Kennel. (Symbolbild) Die Fleischbranche habe sich zum Ziel gesetzt, dass auf allen Stufen vorbildliche Verhältnisse für das Wohl der Nutztiere vorzufinden sein müssten, sagt Kennel. «Seit der Analyse wurde von den Schlachtbetrieben bereits viel zur Verbesserung der Situation beigetragen.» (Symbolbild)

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Rund 67 Schlachthöfe, also zehn Prozent der Schweizer Schlachtbetriebe, wurden zwischen Januar 2018 und März 2019 durch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV kontrolliert. Das Fazit ist ernüchternd: Obwohl die rechtlichen Vorschriften zum Schutz der Tiere beim Schlachten gut seien, würden sie in den meisten Betrieben nur ungenügend befolgt.

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Zwar gehen die kontrollierten Betriebe mit den Tieren schonend um. Trotzdem bestehen gravierende Mängel, insbesondere im Bereich des Tierwohls. So fehlen bei der Unterbringung über Nacht häufig tierartgerechte Tränken und fast immer Futter, Einstreu und Beschäftigungsmaterial. Zudem gab es auch Mängel bei der obligatorischen Tierkontrolle nach zwölf Stunden.

Betäubung und Entblutung

Vor allem in Betrieben mit geringer Kapazität fehle oft die Kontrolle des Betäubungserfolgs vor der Tötung der Tiere. Teilweise sei die Stromleistung bei der Elektrobetäubung bei schweren Schweinen nicht ausreichend. Oft werde die Betäubungszange nicht korrekt angesetzt, und die Zeitspanne zwischen Betäuben und Entblutungsschnitt sei manchmal zu lang. Auch die Kontrolle des Entblutungserfolgs ist in kleinen Schlachtbetrieben nicht immer gewährleistet. Abweichungen bestehen aber auch bei der Fleischkontrolle, insbesondere bei Betrieben mit geringer Kapazität.

Die Mängel sind gemäss dem Bericht in der Regel auf fehlendes Bewusstsein beziehungsweise ungenügende Schulung zurückführbar. Auch Hektik im Schlachtprozess oder ungenügende Ressourcen begünstigen die Missstände. Im Bericht des BLV heisst es: «In fast keinem Betrieb wurde das Tierwohl absichtlich verletzt.» Grundsätzlich sind die Betreiber der Schlachtbetreiebe für den Empfang und den schonenden Umgang mit den Tieren bis zur Schlachtung verantwortlich. Diese sollten möglichst wenig belastet werden.

Selbstkontrolle und amtliche Kontrolle

Die hierfür vorgegebenen obligatorischen Selbstkontrollen müssen von den Betrieben dokumentiert werden. Amtliche Tierärzte wiederum sind verpflichtet, stichprobenweise diese Selbstkontrollen zu überprüfen. Doch sei es grundsätzlich nicht nachvollziehbar, wie die Veterinärdienste die tatsächliche Situation über Unterbringung, Betäubung und Entblutung in Schlachtbetrieben überwachen, so der Bund.

Die Auswahl der Betriebe für die Analyse sei zwar nicht repräsentativ, da teilweise bewusst Risiko-Betriebe ausgewählt wurden, die bereits früher kantonalen Inspektionen aufgefallen sind. Trotzdem fordert das BLV die zuständigen kantonalen Vollzugsbehörden dazu auf, bei den mangelhaften Betrieben sofort eine tierschutzkonforme Situation wiederherzustellen.

Schmerzen und Stress

Einer der schlimmsten im Bericht des BLV aufgedeckten Mängel ist die fehlende Kontrolle des Betäubungserfolgs vor dem Schlachten, so Cesare Sciarra vom Schweizer Tierschutz. Denn die Tiere würden erst betäubt. Erst dann, wenn sie nichts mehr spüren sollten, werden sie mit dem Messer entblutet. Das Entbluten führt zum Tod des Tieres. «Wenn die Betäubung nicht richtig durchgeführt wird und niemand bemerkt es, dann ist das Tier bei Bewusstsein, wenn der Metzger mit dem Messer den Entblutestich durchführt, und es wird unter minutenlangen schlimmsten Schmerzen sterben.»

Aber auch die mangelnde Einrichtung für die Haltung über Nacht mache den Tieren zu schaffen, so Cesare: «Wenn bei Übernachtungen die Haltungsbedingungen nicht stimmen, dann leiden die Tiere im schlimmsten Fall unter Durst und Hunger, legen sich je nachdem nicht hin und ermüden, haben Stress.»

Laut Cesare habe seine Organisation bereits 2014 auf dieselben Probleme hingewiesen. Eine Verbesserung könne ihm zufolge erreicht werden, indem die Ausbildung der Schlachthofmitarbeiter, vor allem in den kleinen und mittleren Schlachtbetrieben, deutlich verbessert wird.

Auch die Einrichtungen in den Schlachthöfen und die Gerätschaften zur Betäubung müssten massiv verbessert werden. «Vor allem braucht es aber auch mehr und genügend ausgebildete amtliche Kontrolleure, damit sie den Überwachungsaufgaben im Schlachthof gewachsen sind», so Sciarra. «Die Schlachtbetriebe tragen bei mangelnder Ausrüstung die volle Verantwortung.»

«Das Ergebnis ist ernüchternd»

Regula Kennel, Leiterin Unternehmensentwicklung beim Fleischfachverband Proviande, sagt, dass das Ergebnis nicht überrasche, da in die Analyse extra auch problematische Schlachtbetriebe aufgenommen worden seien. «Es ist aber tatsächlich ernüchternd», sagt sie. Denn durch diese Auswahl hätten Schwachpunkte aufgedeckt und unmittelbar an die Hand genommen werden können. «Die Tierschutzvorschriften sind klar, sie müssen eingehalten werden. Dort, wo das nicht der Fall ist, muss der Vollzug reagieren», so Kennel.

Die Fleischbranche habe sich zum Ziel gesetzt, dass auf allen Stufen vorbildliche Verhältnisse für das Wohl der Nutztiere vorzufinden sein müssten, sagt Kennel. Deshalb biete Proviande Schlachtbetrieben, Behörden und Ausbildungsanbietern überall wo nötig Unterstützung an, um den Tierschutz während der Schlachtung sicherzustellen und Verbesserungen einzuleiten.

«Seit der Analyse wurde von den Schlachtbetrieben bereits viel zur Verbesserung der Situation beigetragen», sagt Kennel. Dies würde in erster Linie zum Wohl der Tiere beitragen, sei letztlich aber auch wichtig, um auch das Vertrauen der Konsumenten in die Schweizer Gesetzgebung und deren Einhaltung zu erhalten.

(sda/ihr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SWISS MADE am 14.01.2020 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sorry

    aber das ist eine verdammte schweinerei. ich esse sehr gerne fleisch aber bin heute an dem punkt wo ich das überdenke.

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  • Cavi33 am 14.01.2020 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Akutes Behördenproblem

    Was machen eigentlich unsere Kantonsvetrinäre, auf dem Bürostuhl hocken und Däumchen drehen. Das ist doch eine der Hauptaufgaben, Tiere sind schon seit Jahren keine Sache mehr. Alle werden vom Steuerzahler unterhalten, aber zum Arbeiten nicht zum Papier bearbeiten.

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  • .::A.K::. am 14.01.2020 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wut, Trauer, Ohnmacht

    Da krieg ich so ein Hals. Ist es so schwierig, Tiere anständig & mit Respekt zu behandeln !? Behandle Jeden so, wie Du selber behandelt werden möchtest...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Melanie Ritzmann am 16.01.2020 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Billig Arbeitskräfte mit Potential zur Aggressivität kompensieren ihren inneren Zerfall! Gleichgültigkeit ist das Schlagwort!!!! Gleichgültigkeit!!!!!! Zu Mensch und Tier

  • Bärbel Jägerhofer am 16.01.2020 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Übt

    Ich werde kein Fleisch mehr essen!!!!

  • Beatrice Hollarek am 16.01.2020 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur grausam!

    Ich bin wie schon oft entsetzt und gelähmt vor Wut über solche Vorgehensweise. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Schweinerei!!! Länger je mehr ekelt es mich vor Fleisch, weil in meinem Kopf all diese Gräueltaten präsent sind. Es ist unglaublich und das in der Schweiz. Die Menschen sehen weg und wollen gar nicht konfrontiert werden mit solch schrecklichen Tatsachen. Man schaut einfach weg.

  • housi aus Ö am 15.01.2020 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Qualität geht vor.

    Noch einmal der Metzger. Jeder hat vielleicht schon eine Teilnarkose miterlebt wo ma beim Eingriff noch was spürt. So ist es auch bei der Stromzange , 3 mal 8 Sekunden auf Hirnhöhe plus auf minus pol. Nachteil bei der Methode falsche Handhabung oder auch Tiere die stärker sind. Bleibt noch Co 2 oder Bolzenschuss da können die Kabilaren aufspringen was beim Schinken Blutpukte hinterlässt, kauft kein Kunde mehr. Kein Metzger wird Tiere halb betäuben oder gar nicht. Die Qualität geht vor.

  • C.zucchetto am 15.01.2020 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    So muss es nicht bleiben..!

    Das ist absolut inakzeptabel,wenn die tiere schon für unseren konsum sterben,muss jegliches leiden verhindert werden.um die hektik zu unterbinden und fehler zu vermeiden wäre es angebracht wine tägliche schlachtlimite einzuführen,weniger schlachtungen gleich mehr zeit um die arbeit andtändig zu verrichten.wenn die regale im supermarkt deshalb manchmal leer stehen nehme ich das gerne in kauf.wir schmeissen sowieso viel zu viel weg!