Kantonsspital Frauenfeld

08. Oktober 2019 16:36; Akt: 08.10.2019 17:06 Print

Infizierten Ärzte Frau mit gefährlichen Bakterien?

C. H.* musste im Spital Frauenfeld am Fuss operiert werden. Seither leidet sie unter starken Schmerzen. Das Spital nimmt zurzeit keine Stellung zu den Vorwürfen.

Im Interview spricht C.H.* über ihr Leben mit den Schmerzen. (Quelle: 20 Minuten Video)
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«Die Operation war ein riesiger Pfusch», behauptet C. H.* Die Thurgauerin leidet seit 2013 unter starken Schmerzen im linken Fuss. Zwei Jahre später konnte eine Diagnose gestellt werden: H. hatte eine Knochenzyste im dritten Mittelfussknochen. «Mein Knochenmark hatte sich aufgelöst. Es war nur noch eine dünne Knochenwand sichtbar, die irgendwann ohne Operation gebrochen wäre», erklärt die dreifache Mutter gegenüber 20 Minuten. Dies sei eine sehr seltene Erkrankung.

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Am 29. Mai 2015 stand der vermeintlich rettende OP-Termin im Kantonsspital Frauenfeld an. Dabei wurde H. Knochenmark aus dem Schienbein entnommen und zusammen mit einem chemischen Gemisch im Mittelfussknochen eingesetzt. Für diesen Schritt musste man beide Knochen (Mittelfuss und Schienbein) mit einem Loch öffnen. «Ich hatte nach der Operation
sehr starke Schmerzen sowie einen blauen, geschwollenen Fuss», klagt die 46-Jährige. Laut H. nahmen die Ärzte darauf keine Rücksicht: «Mir wurde gesagt, dass es jetzt keine Beschwerden mehr geben kann. Sie gingen überhaupt nicht auf mich ein, und ich wurde als Simulantin dargestellt.» Das Spital äussert sich zurzeit nicht dazu.

Klinik bestätigt «gefährliches» Bakterium

Rund ein halbes Jahr später verwies sie ihr Hausarzt zum Fussspezialisten in die Klinik Rosenberg in St. Gallen. Dort stellten die behandelnden Ärzte fest, dass sich das aufgefüllte Knochenmark erneut verflüssigt hatte und es einen Trümmerbruch vom Mittelfussknochen her bis in die Fusswurzel gab.

Im Februar 2016 wurde H. erneut operiert, diesmal in einer Spezialklinik in Heiden. «Die Flüssigkeit wurde ausgeschabt und mein Schienbein erneut geöffnet, um Knochenmark von unterhalb des Knies zu transplantieren.» Da die Ärzte sich die Verflüssigung nicht erklären konnten, machten sie eine Biopsie. Das Ergebnis: In H.s Knochen wurde das Bakterium Propionibacterium acnes festgestellt.

20 Minuten liegt ein Schreiben der Orthopädie Rosenberg vor, das den Infekt bestätigt. Darin heisst es: «Der festgestellte Keim ist ein Hautkeim. Daher ist anzunehmen, dass dieser tendenziell auf dem operativen Weg in den Knochen gelangt ist.» Der Blutweg sei ebenfalls nicht ganz ausgeschlossen. H. behauptet: «Die Ärzte im Spital Frauenfeld haben mich mit dem gefährlichen Bakterium infiziert.» Ob sich dieser Vorwurf medizinisch beweisen lässt, ist jedoch offen.

Fussschmerzen, Hüftprobleme und Bandscheibenvorfälle

Um das Gelenk der Thurgauerin wieder zu stabilisieren, wurde ihr eine Platte mit insgesamt sechs Schrauben in den Fuss implantiert. «Seither sind drei meiner Zehen steif, und ich leide stark unter Gleichgewichtsstörungen», so H. Über Monate war sie auf Gehhilfen angewiesen. Danach habe sie das Gehen zuerst mit der Hilfe einer Physiotherapeutin wieder erlernen müssen. Doch richtig laufen kann sie bis heute nicht: «Spazieren gehen geht gar nicht mehr. Auch wenn ich längere Zeit stehe, werden meine Beine taub und fühlen sich wie gelähmt an.» Doch neben den Schmerzen im Fuss leidet die 46-Jährige an Hüftproblemen, Bandscheibenvorfällen, Rückenschmerzen und Belastungsproblemen. All dies führten mehrere Mediziner auf die Fehlbelastung des Fusses zurück.

Zudem führten die Schmerzen von H. dazu, dass sie ihren Job als Altenpflegeassistentin schweren Herzens aufgeben musste. Bis November 2018 habe sie noch auf dem Beruf gearbeitet, danach sei es nicht mehr aushaltbar gewesen. Seither ist sie auf amtliche Unterstützung angewiesen. «Ich habe seit diesem Sommer rund 2000 Franken vom Sozialamt bekommen. Nun werde ich von der Arbeitslosenversicherung unterstützt. Doch das Geld reicht vorne und hinten nicht», klagt die dreifache Mutter.

«Wir würden dazu stehen»

Ihre IV-Anträge wurden abgelehnt. Der Zeitung liegt ein Schreiben vor, in dem die IV-Stelle erklärt, dass eine leidensadaptierte Tätigkeit zumutbar wäre. Eine Umschulung werde H. aber nicht bezahlt. Die Thurgauerin ist ratlos.

Das Spital konnte auf Anfrage zurzeit keine Stellung nehmen, da dem Kantonsspital nicht die dazugehörigen Akten von der Klinik Rosenberg vorliegen. Wenn Frau H. eine offizielle Beschwerde einreiche und die Freigabe zu den dazu gehörigen medizinischen Akten gebe, werde man der Krankengeschichte nachgehen. «Sollte sich ein medizinisch begründetes Verschulden unsererseits effektiv ergeben, würden wir selbstverständlich dazu stehen», sagt Marc Kohler, CEO Spital Thurgau AG.

*Name der Redaktion bekannt.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christoph am 08.10.2019 17:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    IV in der Schweiz ist ein Witz!

    Es gibt Menschen die wirklich krank/beeinträchtigt sind und nix bekommen und andere, die sehr wohl arbeiten könnten aber IV kassieren! Vetternwirtschaft laesst gruessen!

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  • Tom am 08.10.2019 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allein gelassen

    Eine Op ist immer ein Risiko, leider. Was ich nicht verstehe das die Frau die arbeitete von den Schweizerischen Sozialversicherungen im Stich gelassen wird. Es kann jeden treffen ohne ein eigenes Verschulden und am Schluss steht man alleine da und muss Sozialhilfe beziehen. Es gibt viele solche Beispiele und die Politik macht nichts dagegen, was soll das! Es gibt viele Parteien die wollen die Sozialhilfe auch noch kürzen... Am Schluss ist man ganz alleine und kann selber schauen wo man bleibt! Gehts noch!

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  • Hugo am 08.10.2019 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Kraft

    Es ist schwer gegen Windmühlen zu kämpfen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • alice am 09.10.2019 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Schwierig

    war letztes JAhr aug amherz Operiert worden und hatte wircklich eine Schlechte Betreuung von Schwestern da war ich so Wütened dass ich alles fotografiert habe und die Klinikleitung Informiert habe !gottseidank hat sich das um 180 Grad gebessert manchmal muss man auf die Zehen treten

  • A. Hirslaus am 09.10.2019 12:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nie mehr Privatklinik

    Die Frau tut mir leid. Ich wurde selber von einem Privatklinikarzt falsch behandelt. Als Patient kommt man nie zu seinem Recht.

  • Dr. Weisse Feder am 09.10.2019 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Pumpe

    Familienangehöriger ist an Resistenten Bakterium gestorben. Es war auch eine Fuss-Op. Den Ärzten schien es auch ziemlich egal. Am Ende war die schlechte Behandlung aber dem Hausarzt zuzuschreiben, der die Behandlung Monatelang wirkungslos mit Antibiotikum versucht hatte, während sich im Fuss auch ein Riesen-Schlamassel anbahnte.

  • Pfusch am 09.10.2019 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ärzte

    Wenn die Ärzte pfuschen wird das auf die Psyche der Patienten geschoben ! Seit 5 Jahren nach einem Fussbruch jeden Tag schmerzen aber ich lebe halt jetzt damit!

  • Nurse Betty am 09.10.2019 10:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    First world problems

    Man sieht schon an den Rechtschreibfehlern, wer sich hier wieder beschwert. ich finde wir können froh sein und glücklich, dass wir in der Schweiz so viele Möglichkeiten haben. Jeden Tag werden tausenden Menschen in den Spitälern das Leben gerettet. Wo sind die denn hier?Wir haben immer und jederzeit Zugang zu medizinischen Einrichtungen. Ja es passieren Fehler und es gibt schwarze Schafe, aber das sind die Ausnahmen. Und an vielen Folgen sind die lieben Patienten mitschuldig. Es gibt Kunstfehler mit schlimmen Folgen und das ist schlimm. Aber so schlecht wie ihr redet sind die Kliniken nicht.