Defekte Türen

01. September 2019 09:02; Akt: 01.09.2019 09:40 Print

Ingenieur warnte SBB vor schwerem Unfall

Nachdem Zugchef Bruno R. tödlich verunfallt ist, kommen immer mehr Details ans Licht. So soll die SBB seit Jahren von den Problemen mit dem Einklemmschutz gewusst haben.

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Das Problem mit dem Einklemmschutz der Türen von SBB-Wagen ist bereits seit Jahren bekannt. In den letzten fünf Jahren sind insgesamt 328 Instandhaltungsmassnahmen ausgelöst worden. Dies bestätigte am Samstag SBB-Sprecher Jean-Philippe Schmidt der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zu einem Bericht der Tamedia-Medien.

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Zur Frage, ob die nun bei einer Überprüfung festgestellten 69 sicherheitsrelevanten Mängel an der Funktionsweise des Einklemmschutzes ausserordentlich sind, wollte der SBB-Sprecher mit Verweis auf das vom Bundesamt für Verkehr angeordnete externe Audit nicht Stellung nehmen.

Für den Sekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, Jürg Hurni, sind die rund 60 pro Jahr festgestellten Problemfälle beim Einklemmschutz der Türen eindeutig zu viel. Diese Häufung hätte die SBB dazu veranlassen müssen, das Intervall der Kontrollen zu verkürzen, sage Hurni gemäss dem Zeitungsbericht.

Warnung von SBB-Ingenieur

2018 hatte ein Ingenieur die SBB vor möglichen schwerwiegenden Unfällen gewarnt. Das berichtet der «Sonntagsblick» unter Berufung auf SBB-Dokumente. Demnach habe ein Systemingenieur einen 17-seitigen Änderungsauftrag zum Einbau eines Türblattkontrollschalters bei 300 Eisenbahnwagen gestellt.

Die Kosten schätzte er laut der Zeitung auf rund 360'000 Franken. «Bei einer Nichtausführung gehen wir das Risiko ein, in Zukunft weiterhin mit offenen Türen zu fahren und dass während der Restlebenszeit des EW IV ein schwerwiegender Unfall geschieht», zitiert der «SonntagsBlick» aus den Unterlagen. Der Einbau sollte bereits im August 2018 beginnen – die SBB fingen gemäss dem Blatt allerdings erst im Juli 2019 an, EW-IV-Wagen mit einem zusätzlichen Schalter zur Türüberwachung auszurüsten.

100'000 Kontrollen pro Jahr

Die SBB überprüfen alle sieben bis zehn Tage die Funktion des Einklemmschutzes. Eine zusätzliche umfassendere Prüfung finde alle 60 Tage statt. Jedes Jahr würden rund 2000 Türen 50 Mal kontrolliert, was 100'000 Kontrollen pro Jahr entspreche, sagte Schmidt.

Ein Defekt beim Einklemmschutz war die Ursache des tödlichen Unfalls eines Zugführers in Baden AG am vergangenen 4. August. Am vergangenen Donnerstag haben die SBB die im Nachgang zum Unfall eingeleitete Überprüfung des Einklemmschutzes bei den Einheitswagen IV abgeschlossen.

69 sicherheitsrelevante Mängel

Die Überprüfung forderte 69 sicherheitsrelevante Mängel zutage. Zudem wurden 572 Fehler entdeckt, die allerdings in den meisten Fällen keinen direkten Einfluss auf das Funktionieren der Türen und damit auf die Sicherheit haben. Zwischen dem 12. und dem 28. August waren die 1832 Türen der insgesamt 458 Einheitswagen IV überprüft worden. Die defekten Türen seien repariert oder blockiert worden.

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust hat in einem Zwischenbericht zum tödlichen Unfall gefordert, dass die Steuerung der Türen mittelfristig ersetzt werden muss, weil der Einklemmschutz nicht zuverlässig funktioniere. Die SBB wollen bis Ende Oktober einen detaillierten Plan vorlegen, wie sie dieser Aufforderung nachkommen wollen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Expat am 01.09.2019 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann kommmt der Personalentscheid

    Wenn der Bund als Haupteigner der SBB nun noch am Chef Meyer festhält ist er als Arbeitgeber unglaubwürdig und tritt den Schutz seiner Arbeitnehmer mit Füssen. Was braucht es denn noch.

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  • Kück am 01.09.2019 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Zeit

    Früher konnte man die Türen selber schliessen die Fenster öffnen. Es hatte an jedem Fenster ausklappbare Abfalleimer und Aschenbecher. Super Zeit war das.

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  • R K am 01.09.2019 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Bahn

    Das ist schon halb kriminell was sich die Bahn da leistet

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lumiluxor am 01.09.2019 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne wenn und aber zu entschädigen

    Gemäss OR 58 Werkeigentümerhaftung ist die Haftung klar. Das Verschulden um so grösser, so geringer der finanzielle Aufwand für eine Korrektur resp. Instandsetzung zur Vermeidung von Unfällen. Sollten sich die Versäumnisse seitens SBB bestätigen, sollten die betroffen mit aller Härte der Gesetzgebung reagieren und die Verantwortlichen in die Pflicht nehmen. Auch wenn Entschädigungen den verlorenen Menschen nicht ersetzen, ist es ein Weg der Gegenpartei ihre Versäumnisse aufzuzeigen, denn ihr waren finanzielle Investitionen nicht prioritär genug.

  • Jim Knopf am 01.09.2019 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    SBB

    Rollmaterial ist Schrott und die neuen Züge können nicht geliefert werden. GELEISE SIND MANGELNHAFT Hauptsache Andreas Meyer sahnt Monat für Monat sein Sälar und Bonuse ab. Und das soll ein Staatsbetrieb sein....fragwürdig .??

  • Vivi am 01.09.2019 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Seit Jahren bekannt

    Jeder der Augen und Ohren hat, wusste, dass die SBB Sicherheit und Wartung, zugunsten Gewinnmaximierung, vernachlässigt .

  • Julius am 01.09.2019 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rentner

    Warum kann nicht eine Person auf dem Peron stehen und den Zug abfertigen, wie for Jahren.

  • Was braucht es noch?! am 01.09.2019 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    SBB: Schweizerische Betrugsbahnen

    Was sich der Meyer und die anderen Teppich-Etagen-SBB-ler in ca. 13 Jahren geleistet haben, kann ich als Bahnkunde nur noch als Betrug am Personal, am Kunden und am Eigentümer (Steuerzahler) bezeichnen. Mittlerweile geht Meyer sogar über Menschenleben, die ihm weniger wichtig sind, als sein Lohn/Bonus. Am Ende wird ein Scherbenhaufen zurückbleiben, genauso wie bei den Berliner S-Bahnen, die Meyer zuvor zugrunde gerichtet hat. Bezahlen darf dann wieder der dumme Steuerzahler+Bahnkunde.