«Eigenes Personal im Fokus»

08. August 2019 04:51; Akt: 08.08.2019 04:51 Print

Inszenieren sich SRF-Journalisten zu sehr?

Fernsehzuschauer beschweren sich: Journalisten wie Arthur Honegger stellten sich in den Mittelpunkt. Künftig will das SRF den eigenen Leuten noch mehr Platz geben.

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Dem Geheimnis des Glücks will das SRF in einer Serie der Sendung «10vor10» auf den Grund gehen. Viele Zuschauer kommen zum Schluss, dass es etwas mit Arthur Honegger zu tun haben muss. Der SRF-Journalist wird in den Beiträgen prominent inszeniert. Am Dienstag, als Honegger nach Norwegen reist, beginnt der Beitrag mit dem Bild des mit Rucksack und Kamera ausgerüsteten Honegger. In den folgenden Minuten sieht man ihn im Gespräch mit Einwohnern, beim Fotografieren, auf dem Bahnhof und im Boot (siehe Video).

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Das ist auch den Zuschauern nicht entgangen. «Werden eigentlich noch SRF-Beiträge produziert, in denen nicht das eigene Personal im Fokus steht?», fragt ein Journalist auf Twitter. Warum er sich immer mit Rucksack und Fotokamera zeige, fragt ein anderer Journalist. «Sie sind doch als Journalist und nicht als Rucksacktourist in den Norden gereist.»

Auch CVP-Präsident Gerhard Pfister mischt sich in die Debatte ein. «Mag diese journalistische Egozentrik nicht», schreibt er. Den Lohn von Honegger bezahle er trotzdem mit der Zwangsgebühr. Es handle sich um «Ferien auf Kosten der Gebührenzahlenden» mit offenem Erkenntniswert – worauf Honegger zurückgibt, Reise-Reportagen als “Ferien” zu bezeichnen sei «etwa so originell, wie im Restaurant laut ‹Fräulein!› zu rufen».

Schon in der zurzeit laufenden Doku-Serie «Mein unbekanntes Amerika» nimmt der Moderator viel Platz ein. Doch Honegger ist nicht allein: In den journalistischen Formaten des SRF wird den eigenen Leuten immer mehr Platz eingeräumt. Im TV-Beitrag zum Interview mit Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen marschiert Susanne Wille bestimmt durch die Migros am Limmatplatz, ein Interview mit SBB-Chef Andreas Meyer beginnt mit Aufnahmen der Moderatorin auf dem Bahnhof.

«Berichterstattung wird geschätzt»

In Zukunft dürften die eigenen Journalisten bei SRF noch häufiger zu sehen sein. Seit November 2018 arbeite SRF in neuen Strukturen mit Fachredaktionen, sagt Sprecher Stefan Wyss. Die eigenen Journalisten seien auf verschiedenen Gebieten Experten. «Von diesem Expertentum soll unser Publikum profitieren, indem es nicht nur Schlagzeilen vorgesetzt bekommt, sondern durch Analysen und Einschätzungen auch mehr Hintergründe erfährt.» Die tagesaktuellen Newssendungen gehörten zu den meistgesehenen, so der SRF-Sprecher. «Die Berichterstattung wird also offenbar sehr geschätzt.»

Kritik gebe es nur wenig. «Es gibt immer verschiedene Meinungen. Wir erhalten aber nur vereinzelt kritische Reaktionen.» Dass Anchors wie Arthur Honegger in Serien prominent im Bild seien, sei nichts Neues. «Er fällt vielleicht aktuell besonders auf, weil seine Serie bei ‹10vor10› und die Dok-Serie gleichzeitig laufen», so Wyss.


So führt Arthur Honegger durch seine Sendungen. (Video: SRF/F. Naef)

Bei der Dok-Serie handle es sich aber quasi um eine Wiederholung. Bei «10vor10» gebe es schon seit langem Serien, durch die die Moderatoren führten – etwa, als Stephan Klapproth 2008 durch die USA reiste oder als Daniela Lager 2009 den Mekong erkundete.

Transparenz dank Inszenierung?

Der Journalismusforscher Guido Keel von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sagt, es sei auch positiv, wenn der Journalist selber Protagonist einer Geschichte sei. «Er kann transparenter machen, wie die Berichterstattung zustande kommt und welche Rolle er spielt. Es wird keine objektive Wahrheit vorgegaukelt. Man sieht, dass ein Journalist einen grossen Einfluss auf die Berichterstattung ausübt.»

Im Journalismus gebe es einerseits die angelsächsische Form der Berichterstattung, bei der die Objektivität über allem stehe. Weil die Sache im Zentrum stehen soll und nicht der Journalist, verzichte beispielsweise das Wirtschaftsmagazin «The Economist» auf die Zeichnung seiner Artikel durch die Autoren. Auf der anderen Seite gebe es den Journalismus, der selbst Teil der Geschichte sein wolle und Dinge bewerte. Besonders erfolgreich mache das beispielsweise Vice News mit seinen TV-Dokumentationen, die bewusst subjektiv seien.

«Möglichkeit, Träume zu verwirklichen»

Keel sagt, er halte es für sinnvoll, dass der Journalist in den Berichten eine Rolle spiele. Die Kritik daran hänge wohl auch mit den eher egalitär empfindenden Schweizern zusammen. «Am Schluss ist es eine Stilfrage. In den USA werden die Anchors noch viel stärker inszeniert», so Keel. Ein Vorteil sei, dass das SRF mit dieser Form nicht als anonymes Unternehmen rüberkomme.

Als Zuschauer könne man sich auf einen einzelnen Journalisten einlassen. Das Bedürfnis danach verschwinde nicht, das zeigten auch die erfolgreichen Youtuber. Als Fernsehzuschauer hat Keel aber einen Kritikpunkt anzubringen: «Manchmal beschleicht mich bei diesen Sommerserien der leise Verdacht, dass das SRF mit diesen Reisen seinen Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, ihre persönlichen Träume zu verwirklichen.»

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ken-Guru am 08.08.2019 05:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es hat System

    Honegger ist ja nur einer in der unendlichen Geschichte der Selbstdarsteller von SRF. Besonders mag ich auch die SRF Korrespondenten, welche weltweit verteilt sind und die dann gelegentlich berichten, wie sie sich die Zeit vertreiben mit Fremdsprachen- und Kochkursen während der Arbeitszeit, plus den Reisen durch das jeweilige Land. Geldverschwendung Hoch3.

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  • Roli1966 am 08.08.2019 06:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja es nervt

    fast so wie Influencer

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  • Belmam am 08.08.2019 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache wir Bezahlen

    ganz klar nein, mein Geld soll Sinnvoll verwendet werden, ansonsten keine Serefa mehr

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mina am 08.08.2019 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei sich selbst nachdenken

    Selbstinszenierung findet ja auf jeder Social-Media-Plattform statt: Facebook, Twitter, Instragram etc. statt. Und da sind wohl etliche dabei.

  • Rozi am 08.08.2019 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz und schweiz

    Finde diese Sendungen spannend und informativ aber die ewigem motzer stressen mich mehr. Klar gibt sich das SRF nicht mehr soviel mühe wie auch schon aber solche eigenproduktionen gefallen mir immer mehr. Muss ja nicht immer gerade Asien sein sondern bei unseren Nachbarn reinzuschauen finde ich spannend. Schweizer dokus finde ich dürften öfters gemacht werden mit Schweizer hintergrund und unser Land und unsere Schönheiten. Die Kriegereien und ewigen eintönigen Krimis oder die billigen Serien brauche ich nicht.

  • asdf am 08.08.2019 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Junge Junge

    Alle wollten das SRF spart, also strahlen sie halt solches Zeug. Was habt ihr erwartet?

  • Maler50 am 08.08.2019 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein, aber

    Nein, aber wieder einmal ein Artikel über den sich die Verlierer der No-Billag Initiative herrlich aufregen dürfen.

  • Gritli am 08.08.2019 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Also ich finds gut!

    Gerne verfolge ich diese Dokumentationen, sie sind nah an den Menschen und zeigen Orte abseits des Tourismus! Ich muss so wirklich nicht auch noch z.B. nach Amerika reisen und Kerosin verpulvern...