Studie belegt

09. Februar 2014 22:55; Akt: 10.02.2014 08:54 Print

Internet-Pornos schaden Jugendlichen nicht

Halten Teenager Hardcore-Pornofilme für die harte Realität? Im Gegenteil: Jugendliche nehmen das Gezeigte nicht blauäugig hin.

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Pornofilme sind für Jugendliche übers Internet einfach zugänglich.

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Pornofilme folgen häufig einem simplen Muster: Die unterwürfige Frau lässt alles mit sich anstellen, der dominierende Mann ist ein Potenzwunder. Für Jugendliche, die vor ihren eigenen sexuellen Erfahrungen solche Filme konsumieren, ein Problem, warnten Jugendschützer.

Eine eben veröffentlichte Masterarbeit der Zürcher Hochschule der Angewandten Wissenschaften zeigt aber, dass Jugendliche, die sich regelmässig Pornos anschauen, ihren Wahrheitsgehalt realistisch einschätzen. Das berichtet die «Schweiz am Sonntag».

Von jenen 130 befragten Jugendlichen, die öfters als einmal pro Woche Pornos konsumieren, denken 84 Prozent, dass ein Liebespaar in der Realität nie oder nur selten so Sex hat, wie es in Pornos dargestellt wird. Bei jenen Jugendlichen, die weniger als einmal pro Woche Pornos anschauen, glauben das nur 64 Prozent. 36 Prozent hingegen denken, dass Liebespaare manchmal, oft oder immer auf diese Weise Sex praktizieren.

«Negativer Einfluss nicht feststellbar»

Nie war es für Jugendliche einfacher, Pornos zu konsumieren. Per Computer oder Smartphone sind Hardcore-Filmchen im Internet nur wenige Klicks entfernt. Dass dies auch rege genutzt wird, zeigte eine Studie der Zürcher Fachstelle für Sexualerziehung: 94 Prozent aller männlichen 13-Jährigen gab an, schon einmal einen Porno gesehen zu sehen. Bei den Mädchen waren es 50 Prozent.

Der Soziologe Olivier Steiner vom Institut für Kinder- und Jugendhilfe der Fachhochschule Nordwestschweiz sagt zur «Schweiz am Sonntag»: «Es lässt sich empirisch nicht feststellen, dass Pornografie grundsätzlich einen negativen Einfluss auf Jugendliche hat.»

Steiner gibt aber zu bedenken, dass Pornografie natürlich auch negative Folgen haben könne. Wenn Jugendliche biografisch belastet seien oder wenn sie regelmässig harte, illegale Pornografie konsumierten. Er sagt: «Wenn Pornofilme aber altersgerecht konsumiert werden, können sie zur sexuellen Identifikation beitragen.»

(num)