Chamoson VS

12. August 2019 17:14; Akt: 12.08.2019 17:31 Print

«Es bringt nichts, die Bevölkerung zu warnen»

In Chamoson riss ein Bach zwei Menschen mit. Nun sagt der Gemeindepräsident, warum der Bach nicht saniert wurde – und wieso ihn das Ereignis überraschte.

Raphaël Mayoraz ist der Chef der Sektion Naturgefahren des Kanton Wallis. Er erklärt, wie es zum Murgang kam. (Video: D. Krähenbühl)
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Eine Schlammlawine, die am Sonntagabend durch das Walliser Dorf Chamoson donnerte, riss zwei Autos mit. In einem sassen ein 37-jähriger Mann und ein sechsjähriges Mädchen aus Genf. Sie konnten noch nicht gefunden werden. Claude Crittin, der Gemeindepräsident von Chamoson, erklärt, warum die Bevölkerung nicht gewarnt wurde.

Herr Crittin, nach einer Schlammlawine in Chamoson werden zwei Menschen – ein Mann und ein Mädchen – vermisst. Wie ist der aktuelle Stand?
Die Suche läuft auf Hochtouren. Die Chancen, jemanden lebend zu finden, sind aber sehr klein. Die Lawine war unglaublich stark und trug sehr viel Masse mit sich. Sie wurde aus dem Material von drei Bächen gespeist.

Schon vor einem Jahr rollte eine Schlammlawine durch Chamoson. Was wurde seither gemacht?
Allein in diesem Jahr haben wir fünf Millionen Franken in den Hochwasserschutz investiert. Ein anderer Bach wurde saniert, das hat perfekt funktioniert. Dort ist nichts über die Ufer getreten.

Der betreffende Bach war aber nicht saniert worden?
Gemäss unserer Gefahrenkarte ist der Bach nicht aussergewöhnlich gefährlich, er wird in die Kategorie «Standard» eingeteilt – wie der zweite von drei Bächen im Ort auch. Nur der dritte musste saniert werden. Wir werden die Lage nach dieser Lawine aber wieder analysieren. Vielleicht kommen wir dann zum Schluss, dass auch dieser Bach saniert werden muss. Allerdings muss man sehen: Es handelte sich bei der Lawine um ein Ereignis, wie es statistisch gesehen nur alle hundert Jahre auftritt.

Wie erklären Sie sich das?
Ich bin selbst sehr überrascht. Wie ist es möglich, dass ein Jahrhundertereignis zwei Jahre nacheinander auftritt? Das ist die grosse Frage. Vielleicht ist das Risiko höher geworden.

Sehen Sie einen Zusammenhang zum Klimawandel?
Der Klimawandel hat sicher einen Einfluss. Wenn es im Sommer häufiger sehr warm wird, haben die Gewitter mehr Kraft und Intensität. Das beeinflusst auch solche Lawinen.

Wurde die Bevölkerung gewarnt?
Nein. Sie weiss, dass es bei Gewittern gefährlich werden kann und man drinnen bleiben soll.

Man könnte die Leute über die Sirenen warnen.
Das bringt nichts. Einerseits sind diese über mehrere Kilometer zu hören. Andererseits wäre der Effekt kontraproduktiv. Viele würden dann ins Auto steigen, um sich in vermeintliche Sicherheit zu bringen, und sich so selbst in Gefahr bringen.

Welche Lehren ziehen Sie aus der Lawine?
Wir müssen uns fragen, ob wir noch mehr machen müssen: Mehr Mauern, tiefere Bachbette, weitere Investitionen. Klar ist aber: Ein Restrisiko bleibt immer.


So rollte die Schlammlawine durch Chamoson.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonas am 12.08.2019 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    In diesem Artikel wird nur wieder ein Schuldiger gesucht!

    einklappen einklappen
  • Neumann am 12.08.2019 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Was für ein Klimawandel soll da schuld sein? Sucht den Fehler bei den Menschen, nicht bei der Natur.

    einklappen einklappen
  • H2O Plus am 12.08.2019 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    Klar ist nur eines

    Die Natur ist stärker als der Mensch. Das gilt auch 2019 immer noch, aller menschlicher Hybris zum Trotz.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pablo am 13.08.2019 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Jedes Jahr aufs neue

    Wieso macht man nicht einfach mal alles so das es auch den grössten Fluten standhält. Man weiss doch seit Jahren dass das Wetter nicht berechenbar ist. Aber man kann ungefähr berechnen was sich da oben sammeln kann und was für einen Weg die Fluten sich bahnen. Ich sag, selber schuld (die Gemeinde/Stadt/Staat) wenn man abwartet und nicht vorher handelt.

  • Berner am 13.08.2019 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ach ja, der Mensch...

    Na klar, noch mehr Bäche und Flüsse begradigen und einengen, noch mehr Häuser noch näher an die Gewässer bauen und noch mehr Wald abholzen für Skipisten. Aber Schuld ist dann entweder der Klimawandel, der Regen, der Bach, oder gleich alle zusammen. Nur die Über- und Verbauungen, die sind's ganz sicher nicht.

  • Roland Utiger am 13.08.2019 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chamonson

    Als ehemaliger Dienschef Schutz und Rettung für 24 Gemeinden bin ich schon erstaunt über das Vorgefallene im Rettungseinsatz. - Ein Einsatzleiter hat seinen Platz an der Front um zu führen. Für Pressearbeit gibt es in einem solchen Ereignis ein Dienstchef Presse und Medienarbeit. Umso mehr zur Zeit der Pressekonferenz das Ereignis noch keine 24 Stunden vorher war. Auch höchst fragwürdig im gleichen Zeitpunkt von Chance Null zu sprechen. - Der Gemeindepräsident spricht von kontraproktiv wenn die Bevölkerung via Sirenenalarm auf eine Gefahr hingewiesen wird. Sirenenalarm heisst im Gebäude zu verbleiben, die Fenster zu schlissen und Radio zu hören. So nebenbei vermerkt. Es gibt Gemeinden die auch eine SMS Alarmierung orientiert haben!

  • Altmann am 13.08.2019 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Mr.

    Es gibt nur einen Klimawandel aber viele Menschen die die Natur ignorieren......,

  • Katja am 13.08.2019 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist ein Beispiel des Schnurrnalismus

    wie er immer öfter zu lesen ist.