E-Zigarette

21. September 2018 05:39; Akt: 21.09.2018 05:39 Print

Ist #Juuling gefährlich oder gut für den Ausstieg?

Noch bevor die E-Zigarette Juul in der Schweiz erhältlich ist, streitet die Politik, ob sie verboten gehört oder gar ein geeignetes Mittel zum Rauchstopp ist.

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Als Alternative zur Tabakzigarette und als Mittel, um ganz vom Rauchen wegzukommen, bewirbt die Firma Pax Labs ihre E-Zigarette Juul, die in den USA besonders unter jungen Menschen gehypt wird. Die Firma plant auch den Markteintritt in der Schweiz. Im Gegensatz zu E-Zigaretten mit Liquids funktioniert Juul mit Nikotinsalz. In den USA verkauft Pax Labs Kartuschen mit 5 Prozent Nikotin. In der EU und der Schweiz müsste die Dosis etwa die Hälfte betragen, damit der Verkauf erlaubt wird.

Trotzdem ist Markus Wildermuth vom Blauen Kreuz Bern-Solothurn-Freiburg alarmiert. «Juul darf in der Schweiz nicht verkauft werden, solange nicht klar ist, was Nikotinsalze im Körper bewirken.» Denn laut einer neuen Studie, die in der Fachzeitschrift «Tobacco Control» veröffentlicht wurde, inhalieren Dampfer mit Juul nicht nur dieselbe Menge Nikotin wie bei einer Tabakzigarette, es findet sich auch mehr vom Cotinin – einem Abbauprodukt von Nikotin – im Urin. Zudem kratze der Dampf von Juul weniger als bei regulären Liquids, sagt Wildermuth. «Statt einer Alternative ist Juul ein Produkt, das zu einem noch höheren Nikotinkonsum verleitet.»

Hat Nikotinsalz hohes Suchtpotenzial?

Wildermuth sieht ein weiteres Problem: Mit Nikotinsalzen wird der «Nikotin-Hit», der beim Tabakrauchen entsteht, imitiert. «Das führt dazu, dass Juul-Zigaretten gerade für Nichtraucher ein hohes Suchtpotenzial bergen.» Bevor man in der anstehenden Beratung zum Tabakproduktegesetz nikotinsalzhaltige E-Zigaretten erlaube, brauche es deshalb mehr unabhängige Forschung dazu.

Auch Arzt und SP-Nationalrat Angelo Barrile warnt: «Derzeit befindet sich Juul im rechtsfreien Raum und wirbt aggressiv auf Social Media um junge Kunden.» Da die medizinischen Langzeitfolgen nicht abzusehen seien, brauche es zuerst ein verbindliches Verkaufsverbot an Minderjährige sowie ein Werbeverbot. Zurzeit sind E-Zigaretten im Lebensmittelgesetz geregelt.

SVP-Frehner will mit E-Zigis Rauchentwöhnung fördern

Die Firma Pax Labs hat in eigenen Studien belegt, dass der Dampf von Juul keine toxische Wirkung auf menschliche Zellen hat. Zudem befänden sich im Juul-Dampf im Vergleich zu herkömmlichen Zigaretten weniger schädliche Stoffe. So liegt etwa die Dosierung des krebserregenden Stoffs Nitrosopyrrolidine 99 Prozent tiefer als im Rauch von Tabakzigaretten.

Auch aufgrund solcher Erkenntnissen schlägt SVP-Nationalrat Sebastian Frehner einen anderen Ansatz vor: Er fordert in einer Interpellation den Bundesrat dazu auf, «weniger schädliche E-Zigaretten» in den Rauchentwöhnungsprogrammen der Tabakprävention anzubieten, «um die negativen Folgen des Rauchens zu reduzieren». Dabei stützt er sich auf die britische Kommission für Wissenschaft und Technologie, die E-Zigaretten als Mittel zur Entwöhnung empfiehlt. «Dass Rauchen schädlich ist, weiss jeder. Statt neuen Verboten oder Werbebeschränkungen sollten wir neue, weniger schädliche Technologien fördern», sagt Frehner.

Auf Anfrage von 20 Minuten bezieht Juul-Produzent Pax Labs zu den Vorwürfen der Schweizer Kritiker keine Stellung. Auch zum geplanten Schweizer Markteintritt kommuniziere man keine Daten, sagt Sprecherin Camilla Dormer. Allgemein sei es das Ziel der Firma, den klassischen Tabakkonsum zu reduzieren, ohne sich an Nichtraucher zu richten. Dormer verweist dabei auf eine Studie von Public Health England, wonach Verdampfer 95 Prozent weniger schädlich als Zigaretten seien.

(pam)