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20. Oktober 2015 08:18; Akt: 20.10.2015 11:53 Print

Ist Köppel der neue Blocher?

Dank seinem Glanzresultat sehen Beobachter in Roger Köppel bereits den Nachfolger von SVP-Übervater Christoph Blocher. Oder kommt doch dessen Tochter zum Zug?

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Das Zürcher Stimmvolk hat Roger Köppel (50) am Sonntag mit einem Glanzergebnis in den Nationalrat gehoben: Der Chef der «Weltwoche» holte 178'090 Stimmen – noch nie hat ein Kandidat in der Schweiz mehr Stimmen auf sich vereinigt. Dabei hatte die Zürcher SVP Köppel nur den undankbaren 17. Listenplatz zugestanden.

Köppel ist das neue Zugpferd der SVP, und viele Beobachter sehen ihn bereits als Nachfolger von Übervater Christoph Blocher. Der ist mittlerweile 76-jährig und tritt politisch kürzer. So zog er sich in der letzten Legislatur aus Bundesbern zurück.

«Der Popstar der Schweizer Politik»

Politikgeograf Michael Hermann zum Beispiel traut Köppel eine prägende Rolle in der Volkspartei zu. Schon vor den Wahlen sagte er gegenüber Tagesanzeiger.ch, dass Köppel die «einzige Person in der Schweiz» sei, der man die Nachfolge Blochers ernsthaft zutrauen könne. Niemand sonst in der SVP habe sein Format.

Köppel sei ein guter Debattierer auf allen Kanälen: «Er ist der einzige Schweizer, der auch in deutschen Fernseh-Talkshows eine dominante Rolle in Gesprächen einnehmen kann.» Zudem fülle er ganze Säle mit politischen Themen, wie er nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative auf seiner Tour durch die Schweiz bewiesen habe.

«Teleblocher»-Moderator Matthias Ackeret sieht in Köppel den derzeitigen «Popstar» der Schweizer Politik. «Man kann die Lebensläufe der beiden zwar nicht vergleichen. Aber beide sind Leadertypen.» Köppel sei hochtalentiert und darum zu jeder Überraschung fähig.

«Köppel fehlt der Stallgeruch»

Dagegen bezweifelt Politikberater Mark Balsiger, dass Köppel Christoph Blocher ersetzen kann: «Köppel hat viele Qualitäten, keine Frage. Doch im Nationalrat nützt es der SVP kaum, wenn er in einer wichtigen Kommission mitmacht.» Wegen seiner Eloquenz sei Köppel vielmehr eine ideale Besetzung für die Wirkung der Partei nach aussen.

Er glaube aber nicht, dass Köppel «als Intellektueller die ländliche Parteibasis gleich mitreissen kann wie Christoph Blocher», sagt Balsiger. Während Blocher vor seiner späteren Karriere erst eine Bauernlehre gemacht habe, fehle Köppel der nötige «Stallgeruch».

Bliebe noch Blocher-Tochter Magdalena Martullo, die gestern – für viele überraschend – als neue Bündner Nationalrätin den Sprung nach Bern geschafft hat. Sie konnte ihren Vater bei der Ems-Chemie beerben, und auch bei der SVP sehen sie einige in dieser Rolle. Doch auch hier ist Balsiger skeptisch: Bei ihrer Wahl habe ihr vor allem der Name Blocher geholfen: «Ihr fehlt das Charisma ihres Vaters.»

Köppel selber winkt ab

Dass die Zürcher Köppels Name wie wild panaschierten und kumulierten, freut Christoph Blocher: «Roger Köppel ist sicher eine geistreiche Verstärkung der Fraktion, aber auch des gesamten Parlamentes.» Der SVP-Vize sagt aber, in politischer Beziehung brauche er «keinen Erben», Köppel «wird seinen eigenen Weg gehen».

Auch Köppel lässt sich nicht auf die Diskussion ein: «Christoph Blocher spielt in einer eigenen Liga.» Die SVP verfüge über viele Personen mit Format. «Ich bin meinen Wählern sehr dankbar. Das Resultat ist Ausdruck hoher Erwartungen.» Er werde versuchen, diesen in Bern gerecht zu werden und sich für die Unabhängigkeit der Schweiz einsetzen. Auch in deutschen Talkshows wird man ihn noch antreffen: «Ich werde die Schweiz auch weiterhin im Ausland verteidigen.»

(daw)