Altbewährtes Mittel

13. Juni 2019 18:09; Akt: 14.06.2019 08:14 Print

Ist der Frauenstreik auch ein Sexstreik?

Am 14. Juni legen Frauen ihre Arbeit nieder, um zu demonstrieren. Eine Journalistin fragt sich: Wäre es nicht effektiver, den Frauenstreik auch gleich zum Sexstreik zu machen?

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Am zweiten nationalen Frauenstreik wollen Frauen aus verschiedensten Branchen ein Zeichen setzen gegen Ungleichberechtigung. 1455 Franken und 44 Prozent – um diese Zahlen wird sich am 14. Juni vieles drehen. Gut 1450 Franken nämlich verdient eine Schweizer Frau im Schnitt weniger als ein Mann. Und 44 Prozent dieses Lohnunterschiedes können nicht durch Faktoren wie Ausbildungsniveau oder Berufserfahrung erklärt werden. Auch jenseits vom Berufsalltag werden Fakten aufgelistet: 6 von 10 Schweizerinnen wurden bereits sexuell belästigt, 2 Frauen sterben monatlich durch häusliche Gewalt. Neben verschiedenen Aktionen und Demos fordert BaZ-Journalistin Christine Richard: «Es geht auch anders: total unlustvoll. Beischlafverweigerung als politisches Kampfmittel.» In ihrem Artikel erinnert sie an eine weibliche Figur aus dem antiken Griechenland namens Lysistrata. Im fünften Jahrhundert vor Christus hatte diese jegliche Frauen zum Sexstreik aufgerufen, was auf eine Erzählung des Dichters Aristophanes zurückgeht. Mit der Sexverweigerung wollte Lysistrata erreichen, dass der zwanzigjährige Krieg, der zu dieser Zeit rund um Sparta und Athen tobte, endlich ein Ende fand. Die Aktion war schliesslich erfolgreich, Frieden wurde geschlossen. Auch Birgit Schmid spricht sich in ihrer NZZ-Kolumne dafür aus, dass kurzzeitiger Liebesentzug im Bett ein effektives Mittel der Frau sein könne. Sie weist jedoch auch darauf hin, dass etwa ein kompletter Beziehungsstreik nicht der richtige Weg sei, gegen gesellschaftliche Missstände wie Ungleichberechtigung zu kämpfen. Schon vor 28 Jahren gingen die Frauen auf die Strasse: Am Schweizer Frauenstreik vom 14. Juni 1991 beteiligen sich Hunderttausende landesweit an Streik- und Protestaktionen.

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Am Freitag gehen Tausende von Frauen schweizweit auf die Strasse, um für Gleichberechtigung zu kämpfen. Mit zahlreichen Aktionen wollen sie auf Lohnungleichheit oder sexuelle Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen. Das Zürcher Streikkomitee zum Beispiel lädt frühmorgens zur Klitoris-Wanderung, später kann man sich beim Glücksrad der Geschlechter versammeln. Auch eine Vulva-Show wurde angekündigt.

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Doch nicht alle sind mit diesem freizügigen Programm einverstanden. «Es geht auch anders: total unlustvoll. Beischlafverweigerung als politisches Kampfmittel», fordert etwa BaZ-Journalistin Christine Richard. In ihrem Artikel erinnert sie an eine weibliche Figur aus dem antiken Griechenland namens Lysistrata. Im fünften Jahrhundert vor Christus hatte diese jegliche Frauen zum Sexstreik aufgerufen, was auf eine Erzählung des Dichters Aristophanes zurückgeht.

Sexverweigerung brachte Frieden

Mit der Sexverweigerung wollte Lysistrata erreichen, dass der zwanzigjährige Krieg, der zu dieser Zeit rund um Sparta und Athen tobte, endlich ein Ende fand. Zusätzlich forderte Lysistrata ihre Zeitgenossinnen dazu auf, jegliche Finanzen während der Kriegsabwesenheit der Männer selber zu verwalten. In der Erzählung von Aristophanes hat das gemeinsam mit der Sexverweigerung Wirkung gezeigt: Die Männer beendeten den Krieg und hatten wieder mehr Zeit für ihre Frauen und Familien. Frieden traf ein.

Im Hinblick auf diesen Erfolg fragt sich die Journalistin Richard nun: «Warum nicht auch in Wirklichkeit? Für den Frauenstreik 2019 heisst das: Wir legen die Arbeit zur Abwechslung mal daheim nieder, im Bett, im Haushalt, bei der Pflege kleiner Kinder und alter Eltern.» Die aktive Form des Streiks schliesslich, wie sie für den 14. Juni geplant sei, sei eine männliche Erfindung. Sexverweigerung hingegen habe sich als effektives Mittel der Frau erwiesen.

«Sex ist keine Arbeit»

Auch Birgit Schmid spricht sich in ihrer NZZ-Kolumne dafür aus, dass kurzzeitiger Liebesentzug im Bett ein effektives Mittel der Frau sein könne. Fühle man sich ungerecht behandelt, sei eine Sexverweigerung unter Umständen hilfreich. «Das ist ja das Gute an einem kleinen, privaten Streik: Wer streikt, zeigt, was man an ihm hat», so Schmid. Sie weist jedoch auch darauf hin, dass etwa ein kompletter Beziehungsstreik nicht der richtige Weg sei, gegen gesellschaftliche Missstände wie Ungleichberechtigung zu kämpfen.

Anna Rosenwasser, selbst Medienschaffende und Aktivistin, sagt zu 20 Minuten, sie halte wenig von Sexstreiks seitens Frauen. Das suggeriere, dass Sex etwas sei, was Frauen zur Verfügung stellen würden wie beispielsweise Lohnarbeit und Hausarbeit. «Sexarbeiterinnen sollen sehr, sehr gerne streiken – ihre Arbeitsbedingungen sind oft mies –, aber privat Sex zu verweigern, scheint mir fehlgeleitet», so Rosenwasser. Sie schlägt vor, man solle lieber eine Stunde mehr über weibliche Sexualität, Anatomie und Orgasmen reden und «diesen Spass dann gleich in die Tat umsetzen! Natürlich erst nach der Demo.»

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MrX8600 am 13.06.2019 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Macht der Klimastreik eigentlich Pause oder ist dieser anschliessend? Was wird nächsten Freitag bestreikt?

    einklappen einklappen
  • iousili am 13.06.2019 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmunzel

    Die Wirkung wäre bei mir irelevant.

  • artr2d2 am 13.06.2019 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krieg?

    Also es geht dabei um den Krieg gegen den Mann? Wirklich nur?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Reto am 14.06.2019 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Unterbunden

    Ich verzichte Heute auf meine ungewollte Zeugungsfähigkeit.Bin seit 9.30 heute morgen unterbunden.

  • Karina am 14.06.2019 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Oh mann...

    Ich verstehe ja, dass der Frauenstreik ein wichtiges Mittel ist, aber bitte: Setzt euch nicht nur für Frauen ein, sondern für alle. Z.B. gibt es Wichtigeres als Lohngleichheit: die gleichen Rechte für Gleichgeschlechtliche Paare etc...

  • c==3 am 14.06.2019 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Nein, kein Sexstreik

    Weiss ich aus erster Hand!

  • Frau Streik am 14.06.2019 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    nenei

    sicher nicht, ich werde wunderbaren Sex haben - mit meiner Frau

  • Historiker am 14.06.2019 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    peloponnesischer Krieg

    Was soll das? Hier wird eine antike Komödie als Fakten angedeutet. Kennt der Redakteur etwa den Unterschied nicht? Historische Fakten beinhaltet diese Erzählung nicht. Der peloponnesische Krieg (431 v.Chr. - 404 v.Chr.) wurde von Sparta gewonnen. Der Krieg beendete das klassische Zeitalter Athens und der attischen Demokratie und erschütterte die griechische Staatenwelt nachhaltig. Ganze Stadtstaaten gingen pleite, die 'Lange Mauern' wurden niedergerissen, der Seebund aufgelöst, die Flotte bis auf zwölf Schiffe ausgeliefert und es wurde eine Spartetreue Herrschaft in Athen eingesetzt.