Entführungsalarm

09. Februar 2011 22:31; Akt: 09.02.2011 22:37 Print

Ist die Polizei zu zögerlich?

von Nico Menzato - Noch nie wurde der mit viel Getöse eingeführte Alarm bei Entführungen von Kindern ausgelöst – auch nicht bei Lorin (6) und Tim (10). Die Polizei sei zu zögerlich, sagen Politiker.

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Seit Januar 2010 könnte im Entführungsfall die Bevölkerung via Radio, TV, Autobahn-Anzeigetafeln und weiterem in Windeseile informiert werden – seit gut einer Woche zusätzlich per SMS. «32 000 Personen haben den Dienst bereits abonniert», so Roger Schneeberger, Generalsekretär der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren.

Doch das teure System nützt natürlich nichts, wenn es nicht benutzt wird: Bisher wurde der Alarm noch nie ausgelöst – nicht bei der 14-jährigen Aargauerin, die vom vermeintlichen Babysitter-Vermittler vergewaltigt wurde, nicht bei den vermissten Zwillingen Alessia und Livia (6) und auch nicht bei den Zuger Kids Lorin und Tim.

«Die Polizei ist wohl zu zurückhaltend, weil das Alarmsystem Neuland ist», kritisiert GLP-Ständerätin Verena Diener und fordert, die Fälle müssten nun genau analysiert werden. Auch Rolf Büttiker (FDP) ist «erstaunt und enttäuscht, dass bei der Polizei die Alarmlampen nicht sofort auf Rot schalteten». So bleibe der Paragraf toter Buchstabe.

Der Entscheid für oder gegen einen Alarm fällt jeweils der Polizeikommandant oder der Staatsanwalt. Die Kapo Lausanne begründete das Nein damit, dass anfangs keine Hinweise vorgelegen hätten, «dass die Mädchen in Gefahr sind.» Bei der Kapo Aargau hiess es: «Falls der Täter von diesem Entführungsalarm Kenntnis erhalten hätte, wäre das Leben des Mädchens in noch viel grösserer Gefahr gewesen.» Dies lässt Büttiker nicht gelten: «Via Medienberichte samt Bilder weiss der Täter so oder so, dass er verfolgt wird. Nur wäre er – wenn der Alarm sofort ausgelöst wird – nicht schon über alle Berge.»