«Zürcher Fan-Kompromiss»

15. Mai 2012 18:46; Akt: 15.05.2012 20:42 Print

Ist kontrolliertes Pyro-Zünden bald erlaubt?

von Lukas Mäder - In einer aufgeheizten Debatte laufen Bemühungen zur Abkühlung: In Zürich prüft eine Taskforce, ob in bestimmten Bereichen das kontrollierte Abbrennen von Pyros erlaubt werden soll.

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Die Stadt Zürich will Pyros als Teil der Fankultur tolerieren: FCZ-Anhänger im Stadion Letzigrund. (Bild: Keystone)

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Eine härtere Gangart gegen gewalttätige Fussballfans schlagen derzeit die Kantone an. In mehreren Parlamenten wird das verschärfte Hooligan-Konkordat beraten, das auch Massnahmen gegen pyrotechnische Gegenstände enthält. Doch gerade an den Fackeln, genannt Pyros, entzünden sich regelmässig Konflikte zwischen Fans und den Behörden. So sieht die Liga für das Abbrennen ein Stadionverbot vor - während die Sicherheitskräfte kaum verhindern können, dass die Fackeln ins Stadion geschmuggelt werden.

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In Zürich bahnt sich nun ein Kompromiss an, der schweizweit wegweisend sein könnte, wie der «Landbote» berichtet. Die Stadt Zürich verhandelt mit dem Segen des zuständigen Stadtrats Gerold Lauber darüber, ob Pyros künftig im kontrollierten Rahmen abgebrannt werden können. Derzeit klären die Juristen ab, wie die rechtliche Situation aussieht, wie 20 Minuten Online aus dem Umfeld der zuständigen Arbeitsgruppe weiss. Der Wunsch der Stadt ist es offenbar, noch vor Saisonbeginn Mitte Juli eine Lösung zu präsentieren.

Fackelwurf gab Ausschlag für Gespräche

Die Stadt Zürich bestätigt nur, dass Gespräche stattfinden, schweigt sich aber über den Stand aus. Diese haben ihren Ursprung ausgerechnet im Fackelwurf vom letzten Oktober im Letzigrund, als das Zürcher Derby abgebrochen wurde. «Danach kamen die Fans auf die Stadt zu, weshalb wir uns ebenfalls offen zeigten», sagt Marc Caprez vom Schul- und Sportdepartement. Eine Lösung für mehr Sicherheit im Stadion gebe es nur durch die Einbindung der Fans. Seither berät sich eine Arbeitsgruppe, in der die Fans, Fanarbeiter, die beiden Clubs GC und FCZ sowie die Stadt vertreten sind.

Der Zürcher Kompromiss - sollte er zustande kommen - dürfte auf das bewilligte Abbrennen von Pyros in einem abgesperrten Bereich hinauslaufen, wie es aus dem Umfeld der Arbeitsgruppe heisst. Zusätzlich könnten die erlaubten pyrotechnischen Gegegenstände eingeschränkt werden, beispielsweise auf sogenannte Bühnen-Pyro für den Indoorbereich. Die Fanorganisationen von GC haben bereits vor Monaten Versuche mit verschiedenen Arten von Fackeln durchgeführt. Bei einer Präsentation waren auch Vertreter der Stadt Zürich dabei. Zudem ist die Feuerpolizei ebenfalls in der Arbeitsgruppe vertreten.

Fans und Liga als Unsicherheitsfaktor

Doch selbst wenn sich die Stadt Zürich, die Clubs und die Fanarbeiter einig werden, müssen auch noch alle wichtigen Fangruppierungen mit den Einschränkungen leben können. Eine weitere Hürde stellt die Fussballliga SFL dar. Ihre Sicherheitsrichtlinien verbieten unter Androhung von Stadionverbot das Mitführen jeglicher Feuerwerke - bis hin zur Wunderkerze. Dies verunmöglicht es einem einzelnen Club, Pyros zu tolerieren.

Zu einem solchen Kompromiss will sich SFL-Sprecher Philippe Guggisberg nicht äussern. Denn die Liga arbeitet derzeit an einer eigenen umfassenden Sicherheitsstrategie, bei der auch die Pyros ein Thema sein werden. Noch ist das Konzept aber nicht mit allen Partnern besprochen und abgesegnet, weshalb Guggisberg auch dazu nichts sagen kann. Die Liga will ihre Strategie Ende Juni oder spätestens Anfang Juli vorstellen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lara Schuster am 16.05.2012 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!!

    Ich persönlich finds super, endlich wird mal der dialog gesucht und nicht immer mit repression geschossen. es nimmt mich manchmal wunder, warum sich leute hier zu kommentaren hinreissen lassen,welche keine ahnung von fankultur haben. und wieviel von diesen dann noch am 1. august mit ihren kindern feuerwerk ablassen usw. wenn man es verbieten will, dann soll man auch silvester und 1. august und alle geburtstage und so verbieten. pyro ist kein verbrechen. und es ist auch nicht neu. früher ging es auch... . aber hauptsache es kommen so surreale vergleiche wie mit rasern, kiffern, diebstählen usw

  • C. Wernli am 17.05.2012 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Muss das denn sein 1500Grad

    Geht der Fussball wirklich nicht mehr ohne die gefährlichen P.? Ein schwer verbrannter Zuschauer ist das nicht wert. Kontrolliertes Abbrennen? Und wenn nur 1 mal etwas passiert ausgerutscht - entglitten - 1 Fehlwurf - soll ein unschuldiger Zuschauer, womöglich ein Kind für sein Leben gezeichnet sein?

  • Riley am 16.05.2012 08:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das geht gar nicht!

    Oder sollte man Ladendiebstahl, Kiffen und zu schnelles fahren auch legalisieren? Das ist auch sehr beliebt und doch verboten. Warum sollte es ausgerechnet im Fussball ausnahmen geben. Ganz einfach... die Clubs haben ihre Anhänger nicht im Griff und geben auf. Die Steuerzahler und die SBB bezahlen die Rechnungen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • C. Wernli am 17.05.2012 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Muss das denn sein 1500Grad

    Geht der Fussball wirklich nicht mehr ohne die gefährlichen P.? Ein schwer verbrannter Zuschauer ist das nicht wert. Kontrolliertes Abbrennen? Und wenn nur 1 mal etwas passiert ausgerutscht - entglitten - 1 Fehlwurf - soll ein unschuldiger Zuschauer, womöglich ein Kind für sein Leben gezeichnet sein?

  • Martin am 16.05.2012 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Pyros?

    Wie wärs denn, wenn man mal Pyros entwickeln würde, welche nicht so heiss sind? Das sollte doch kein Problem sein? Aber Pyros, die man nicht mit Wasser löschen kann, die sollte man nicht in einem Stadion abbrennen!

  • Lara Schuster am 16.05.2012 15:27 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!!

    Ich persönlich finds super, endlich wird mal der dialog gesucht und nicht immer mit repression geschossen. es nimmt mich manchmal wunder, warum sich leute hier zu kommentaren hinreissen lassen,welche keine ahnung von fankultur haben. und wieviel von diesen dann noch am 1. august mit ihren kindern feuerwerk ablassen usw. wenn man es verbieten will, dann soll man auch silvester und 1. august und alle geburtstage und so verbieten. pyro ist kein verbrechen. und es ist auch nicht neu. früher ging es auch... . aber hauptsache es kommen so surreale vergleiche wie mit rasern, kiffern, diebstählen usw

  • auch eine Rakete am 16.05.2012 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    raketengeiles Publikum

    Dafür haben wir in der Schweiz den ersten August.Alles andere geht erstens in die Hose und zweitens räumen die ja nicht mal auf wenn sie das Stadion verlassen.Es besteht die eindeutig die Gefahr das andere Unbeteiligte zu Schaden kommen.Sie sollen das Spiel geniessen und nicht sich selber in den Vordergrund stellen.Es geht um Sport und nicht um Selbstverwirklichung.

  • Fabian Wiesel am 16.05.2012 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Wenn man in der Stadt Zürich z.B. den Ladendieben nicht nach kommt, soll man dann auch mit Ihnen an "einen Tisch" sitzen und Ihnen das klauen mit Einschränkungen (z.B. nur für 20.- pro Laden) gewähren.? Was soll das...? Warum kann man nicht ins Stadion um den Lieblingsverein zu unterstützen ohne irgendwelche Pyros zu zünden? Es sind ja nur einige. Es würde ohne die "Einigen" gehen.

    • Hans Meier am 16.05.2012 15:36 Report Diesen Beitrag melden

      Unglaublich...er Vergleich

      Diese "Eingen" sind die einzigen, die Stimmung machen und es sind wohl die, wo am regelmäsigsten an die Spiele gehen. Ich z.b. war für den FCZ in Rom, Vaslui und Lissabon und das nur diese Saison. Kann das ein Cüpli-Trinker im A von sich sagen? Und ihr Vergleich ist ja wohl sehr weit hergehollt, Diebe mit Pyrozünder vergleichen? Gehts noch?

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