Wildsaison

13. Oktober 2019 12:05; Akt: 13.10.2019 12:05 Print

Jäger verkaufen verunreinigtes Fleisch

Unsauber geschossenes Wild muss eigentlich gemeldet werden. Doch passiert das kaum, weil zu viel Stolz dahintersteckt.

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Jäger müssen selber entscheiden, ob das von ihnen geschossene Wild verkaufstauglich ist. Seit Mai 2017, so will es der Bund, müssen sie dies gleich vor Ort tun. Dabei gilt die Einstufung in ein sogenanntes A-Tier, dessen Fleisch einwandfrei ist und in ein B-Tier, bei dessen Fleisch es Verunreinigungen gibt.

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Im letzteren Fall muss das Tier zur amtlichen Fleischkontrolle in einem bewilligten Wildbearbeitungsbetrieb gebracht werden, bevor es in den Handel darf, wie Giochen Bearth, Leiter des Bündner Amts für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit (ALT) der «Sonntagszeitung» sagt. «Das Gleiche gilt, wenn ein Tier über drei Stunden nach dem Abschuss gefunden wird, weil die Fleischhygiene dann schon gelitten hat.»

In der letzten Jagdsaison hat das ALT die Praxis bei Schalenwild (Hirsch, Rehe oder Gämse) überprüft und festgestellt, dass nur jedes zehnte Tier als B-Tier eingestuft wurde. Diese Quote erschien verdächtig tief. Bei Stichproben in verschiedenen Betrieben im Kanton Glarus und Graubünden wurde anschliessend festgestellt, dass bis zu 30 Prozent fälschlicherweise als A-Tiere klassifiziert wurden. Dies obwohl, sie deutliche und grossflächige Verunreinigungen aufwiesen oder erst nach über drei Stunden gefunden wurden, wie es im Bericht weiter heisst.

Zu stolz, um Fehler einzugestehen

Von Fahrlässigkeit wird in diesem Zusammenhang nicht gesprochen. Vielmehr sieht das ALT Unwissen und Unsicherheit als Grund für die falsche Beurteilung. Ein entscheidender Faktor sei laut Bearth aber der Stolz. Es handle sich um einen Traditionsberuf, bei dem Prestige wichtig sei und niemand gerne Fehler zugebe. Denn Verunreinigungen entstünden oft durch unplatzierte Schüsse, etwa in die Eingeweide statt ins Herz. Mit der Einstufung als B-Tier müsse der Jäger also zugeben, schlecht geschossen zu haben.

Knapp ein Jahr nach der Einführung der neuen Regelung nütze es jedoch nichts, bereits Sanktionen zu verhängen. Damit entgehen die fehlbaren Jäger einer Strafe - vorerst. Sie werden lediglich nochmals angeschrieben und auf die korrekte Praxis hingewiesen.

(kat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Diana am 13.10.2019 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Jagd

    Ca. 15 Jahre Gastgewerbe habe ich hinter mir, und 15 Jahre lang sah ich zu, wie zur Wildsaison "Wild aus heimischer Jagd" verkauft wurde. Ein Witz! Der Lebensmittelliferant Bianchi tat da gute Dinge. Die Hirsche aus Neuseeland, z. B. Wer kontrolliert dort? Und fragen sich die Gäste nicht, woher das ganze angeblich einheimische Wild kommt??

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  • Der Fischer am 13.10.2019 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Eigene Regeln

    Die bündner Jäger sind schon speziell. Als ich vor Jahren im Bündnerland am Fliegenfischen war kamen zwei offensichtlich angeheiterte Jäger zu mir und sagten das meine Sicherheit nicht gewährleistet werden kann wenn ich meine braune Anglerjacke anhabe. Als ich Sie auf das gängige Jagdreglement aufmerksam machte sagten mir diese ich solle meine Moralpredigten im Unterland halten. Hier ober lassen sich die Einheimischen nicht von einem Unterländer sagen. Das schlimmste am ganzen es waren nicht irgendwelche Junge sondern ca. 70 Jährige.

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  • Andy Seeland am 13.10.2019 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Hunger nach Wildfleisch

    Von wie viel % schlechte Abschüsse reden wir? Lokal geschossenes Wildfleisch ist sehr rar, da es direkte Abnehmer gibt. Und wie wird Fleisch von. Autounfällen deklariert? Ist wohl das grössere Problem. Wer also der Sache nicht traut, das meiste Fleisch aus Supermärkten ist eh aus Zuchtbetrieben in Slovenien, Polen etc. Dann guten Appetit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ingrid am 14.10.2019 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schussparat am Wegrand?

    Vor ein pasr Wochen, habe ich ein prächtigtiges Gämschi grad neben dem Wanderweg im Geschützten Aletschwald gesehen. Das Tier war entspannt am grasen, hat uns beobachtet, aber war entspannt. Einfach wahnsinnig schön. Zwei Tsge später lese ich, dass der Schutzbann im Sletschwald in diesem Herbst gelockert wird, da die Hirsche soviel Baumschäden verursachen. Am Riderfurka traf ich dann auf eine angetrunkene Jägertruppe..,, Was kommt dazu: 3 Tage später: ein aktuelles Bild von einem erlegten Gäms im Aletschwald. War es m"mein" Gäms? Einfach weil es gerade schussparat am Wegrand stand?

    • T.S. am 14.10.2019 18:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ingrid

      Ach Ingrid so schöne Geschichte, aber das mit den Betrunkenen Jägern entlarvt das ganze als Märchen der Gebrüder Grimm. Unglaublich wie viele Kommentarschreiber betrunkene Jäger am Strassenrand gesehen haben wollen. Die Jagd findet nämlich hauptsächlich entlang der Strassen statt. Auch müssten die Fahrausweisentzüge im Herbst drastisch steigen. Bringt doch um Himmelswillen endlich mal gute und glaubwürdige Argumente.

    • Ingrid am 14.10.2019 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @T.S.

      Nein, das sind keine Märchen: auf der Terasse wo ich etwa 3/4 Stunde verweilt habe, wurde tüchtig alkoholischen Nachschub gebracht ( Bier) für die Jäger, die offensichtlich demnächst in die Jagdstunde einstiegen wollten.

    • T.S. am 14.10.2019 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ingrid

      Ist und bleibt eine schöne Geschichte aus Grimms Märchenstunde.

    • O. Schreck am 14.10.2019 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @T.S.

      Jäger erschiesst Jäger Jäger erschiesst Mountenbiker Jäger erschiesst Esel statt Wildschwein Jäger schiesst eigenem Sohn ins Bein Jäger verwechselt Bauer mit Wildschwein ...... und... und ..... die Liste ist ellenlang. Wenn da kein Alkohol im Spiel ist, was ist es dann?

    • Dream On am 14.10.2019 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ingrid

      Sie sollten sich irgendwo als hilfs sherrif bewerben.

    • T.S. am 14.10.2019 21:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @O. Schreck

      Am letzten Wochenende sind zwei Wanderer tödlich verunfallt. Beide Unfälle ereigneten sich in der Schweiz. Sie suchen Unfälle aus ganz Europa zusammen. Verstehen Sie den unterschied?

    • O. Schreck am 14.10.2019 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @T.S.

      Nein, die sind aus der Schweiz. Können Sie nachschauen. Hat noch einige mehr. Sind die Wanderer auch erschossen worden?

    • T.S. am 14.10.2019 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @O. Schreck

      Esel war in Frankreich, Biker war in Italien Bauer war in Deutschland etc.

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  • Ingrid am 14.10.2019 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trophäen und nicht saubetes Fleisch

    Erstaunt mich nicht. Nur bei einem Bruchteil der Jagd handelt es sich um die "Quote" und Instandhaltung des Tierbestandes, mittels Abschuss der geschwächten Tieren. Die Hauptsache, wie nach wie vor, ist das Ego der Jäger, das Geweih-Trophee. "ICH" habe xx Tiere erschossen... Vorallem die ANgeschossene, und damit nicht saubere Tötungen! = nicht sauberes Fleisch, weil das Tier erst über Stundenlanges Leiden verendet, stört mich. Habe in Sept eine lange Diskussion dazu gehabt mit Bündner Jägern.

    • Nötzli am 14.10.2019 18:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ingrid

      Hoffentlich war die Diskussion besser verständlich als ihr Kommentar. Es ist kaum zu verstehen was Sie uns sagen möchten.

    • Ingrid am 14.10.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nötzli

      Ja, Nötzli, es war ein äusserst interessantes Gespräch, denn ich möchte ja auch die Jagd-Seite verstehen!! Verstehe sie aber nicht....

    • Truth am 14.10.2019 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ingrid

      Das wird leider auch so bleiben.

    • Petra am 14.10.2019 20:13 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist leider so.

      Ich bin aus einer Jagd-Familie vom Land und man prahlte ständig damit wer jetzt den grösseren hat.Wer den grösseren Hirsch erschossen hat. Wer das grösste Geweih in der Stube hängen hat. Um Regulierung geht es absolut nicht, darum sind die Jäger ja die allergrössten Gegner von Wolf & Co. welche wirklich und natürlich regulieren würden. Das entlarvt sie ja absolut. Die Jäger in der Familie sagten auch ganz klar dass sie den Wolf hassen weil er ihnen "das Wild stehle"... Traurig. Habe mit den meisten auch keinen Kontakt mehr.

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  • Diplom psychologe am 14.10.2019 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hat viel mit Macht, Kompensation und Ego zu tun

    Jäger kompensieren mit Jagen einige Ihrer Defizite/ Mankos. Entweder haben sie im normalen Leben eine tiefe Beschäftigung(ohne macht mit Chef) oder aber sie haben sonst kein erfülltes Leben. Dafür einmal im Jahr in Freiheit Macht ausüben.

    • Eidgenossin am 14.10.2019 18:15 Report Diesen Beitrag melden

      @Diplom psychologe

      Bin ganz mit Ihnen einverstanden!

    • putin ist z.b. auch jäger am 14.10.2019 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Diplom psychologe

      stimme ihnen nur teilweise zu...

    • Cello am 14.10.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Diplom psychologe

      So ein Schwachsinn ... Die Jägerschaft ist ein bunter Haufen aus Leuten jeglicher arbeitsschicht.. Vom Direktoren , Ärzten , Verkäufer , Forstarbeitern , Landwirten ect.. Viele von diesen Leuten erfreuen sich der Natur und die Erholung um sich vom Alltag zu entspannen .. Wenn es dann noch passt und man noch ein Tier erlegen darf ( was ja eher selten der Fall ist ) rundet es den Tag oder Abend ab..

    • typisch jäger am 14.10.2019 20:05 Report Diesen Beitrag melden

      @T.S.

      Wirklich unfassbar was Sie hier alles verbreiten anderen vorwerfen usw. Jagd als "Jahres-Job"? Soso, man kann also sogar von der Jagd seinen Lebensunterhalt bestreiten? Dann muss es ja sehr lukrativ sein.

    • Liz Kühne am 14.10.2019 21:09 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig

      Bester Kommentar hier vielen dank....

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  • Büezer NW am 14.10.2019 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Stoppt endlich privates Töten

    Habe heute bei der Arbeit auch über das Thema diskutiert und da war sogar ein Exjäger dabei der sagte, das ganze sei eine Sauerei und das sehe er auch selbst ein jetzt, nachdem er sich mal hinterfragte und begann die Tiere auf die er schoss als eigenständige Lebewesen mit Empfindungen zu sehen. Wir sind einstimmig dafür die Private Jagd in der CH endich zu verbieten, wir haben bald 2020 nicht 1720!

    • Eidgenossin am 14.10.2019 18:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Büezer NW

      Super Kommentar,danke! Ich stimme Ihnen absolut zu!

    • Cello am 14.10.2019 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Büezer NW

      Ja ja lieber Industrielle Massenschlachterei die sind ja viel humaner... Dann gelobe ich mir lieber ein selber erlegtes Wild dann weiss ich wenigstens was ich habe...

    • Chopfab am 14.10.2019 20:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Cello

      Die eine Grausamkeit legitimiert also die andere? Das eine Unrecht macht das andere besser? Sehr schlechte und komische "Argumentation".

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  • Romi am 14.10.2019 17:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ist es

    Eigentlich ist das Deklarieren von A und B Tieren ganz einfach, sobald das Projektil hinter oder das Zwerchfell durchdrungen hat ist es ganz klar ein B Tier! Ausserdem gibt es noch ein paar Faktoren bei Nachsuchen welche das Tier auch als B zu klassieren ist!