Schwangerschaftsabbruch

01. März 2019 10:22; Akt: 01.03.2019 10:46 Print

Jährlich treiben Hunderte Frauen ab dem 4. Monat ab

Jedes Jahr werden in der Schweiz rund 500 Kinder nach der 12. Schwangerschaftswoche abgetrieben. Die Ethikkommission will mit dem Tabuthema brechen.

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Es ist ein unbequemes Thema, doch die Mitglieder der Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin wollen nun einige Fragen klären. Es geht um Frauen, die nach der 12. Schwangerschaftswoche abtreiben. Dafür wurde eine 50 Seiten lange Stellungnahme verfasst, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Demnach werden jährlich 500 Kinder in der Schweiz spät abgetrieben.

«Diese Abbrüche sind eine Realität. Sie passieren weltweit, ob es uns gefällt oder nicht», sagt Tanja Krones, leitende Ärztin für klinische Ethik am Universitätsspital Zürich, Mitglied der NEK und Mitautorin, «es hilft niemandem, wenn wir dieses Thema tabuisieren.»

Gefordert werden Diskussionen über Abtreibungsmethoden und bessere Aufklärung, etwa darüber dass Kinder gerade späte Abtreibungen überleben können. Ausserdem plädiert die NEK dafür, dass die Praxis in der Schweiz vereinheitlicht und das Angebot besser gestreut wird. So führen nicht alle Kliniken hierzulande späte Abtreibungen durch, es seien vor allem die grossen Zentren.

Verurteilung hilft niemandem

Krones betont, dass sich niemand Spätabbrüche wünsche, doch das Leben manchmal schwierige Situationen schaffe. Die Betroffenen zu verurteilen, helfe niemandem. Genannt werden etwa psychische Erkrankungen der werdenden Mütter oder eine Vergewaltigung. Letztere werde manchmal so stark verdrängt, dass Frauen ihre Schwangerschaft erst sehr spät bemerken.

Ein weiteres Thema ist die Gesundheit des Ungeborenen. Etwa wenn organische Schäden festgestellt werden, was häufig erst ab der 20. Schwangerschaftswoche möglich sei. Tests für Chromosomenstörungen wie Trisomie 18 oder 21 könnten zwar schon in den ersten drei Monaten durchgeführt werden, für eine sichere Diagnose werde jedoch mehr Zeit benötigt.

Warum Frauen spät abtreiben lassen, wird in der Schweiz nicht im Detail erfasst. Laut Bericht gilt jedoch die «schwere seelische Notlage der Frau» als häufigster Indikator.

Hast du abgetrieben?

Wie geht es Frauen nach dem Abbruch? Wie haben sie den Eingriff verarbeitet? Gibt es Momente der Reue oder sind sie einfach nur erleichtert?

Für eine Reportage sucht 20 Minute Frauen, die von ihrer Abtreibung erzählen. Alle Informationen werden vertraulich behandelt.

(kat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elfe68 am 01.03.2019 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Zu Viele Moralapostel

    Abtreibung ist schlimm, aber es kommt immer drauf an unter welchen Umständen es geschieht. Oder ist es vielleicht besser ein Kind heimlich auszutragen und es dann zu erschlagen, und im Müll zu entsorgen, was häufig geschieht. Tut mir Leid, mir sind da ein bisschen zu Viele Moralapostel unterwegs. Vor Allem sollte der Papst da mal schön still halten, angesichts des Missbrauchs seiner Leute an Kindern und Nonnnen. Wer weiss wie manches Kind da entstanden ist oder abgetrieben worden ist.

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  • Tess am 01.03.2019 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Warum zeigt ihr einen 9. Monat Bauch?

    Es ist traurig, überhaupt abzutreiben, aber wieso zeigt ihr Riesenbäuche, wenn immTitel 5. Monat steht? Schlecht informiert oder Absicht?

  • Fred am 01.03.2019 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Geht euch nichts an

    Das soll jede Frau für sich selber entscheiden. Mit den Konsequenzen muss sie auch selber ein Leben lang leben können. Privatsache ist und bleibt Privatsache

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Philoswiss am 01.03.2019 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Potentielles Leben

    Für mich gibt es nur einen gültigeren Grund für eine Abtreibung: Die Mutter läuft Gefahr ums Leben zu kommen, wenn nicht abgetrieben wird. Eine "schwere Seelische Notlage" ist kein Grund ein potentielles Leben zu beenden, weil es nicht messbar ist, es ist zu relativ. Auch nach einer Vergewaltigung, ich verstehe die mentale Herausforderung in so einer Situation aber das Baby selbst sollte nicht mit dem Leben bezahlen müssen, weil Andere Fehler gemacht haben. Gebt das Baby zur Adoption frei oder benutzt die Babyklappe, gebt dem Baby wenigstens eine Chance zu Leben.

  • Lilly am 01.03.2019 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Grund fehlt leider

    Was leider nicht gesagt wird, wieso es zu diesen 500 Schwangerschaftsabbrüchen kommt. Möglicherweise geschahen sie alle aus medizinischen Gründen, welche für die Mutter tödlich enden könnten oder das Kind war bereits Lebensunfähig. Ich denke aber allgemein, wer so spät noch abtreibt wird seine berechtigten Gründe habe. Gerade weil man nicht 'einfach so' und ohne x Gespäche so spät noch Abtreiben kann. Und für alle Gegner: Es kam schon immer und wird auch in Zukunft zu Abtreibungen kommen. Das selbe wie Prostitution. Daher lieber legal unter ärztlich Ausicht!

  • Christmylord am 01.03.2019 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    An alle Relativierer

    Privatsache und jede Frau entscheide über ihren Körper und dergleichen. Wenn es eine Privatsache ist, warum muss dann die Allgemeinheit für die Kosten aufkommen? Und seit wann ist das lebendige Kind im Bauch einer Mutter ein Teil des Körpers? Wir reden hier nicht von einem Blinddarm oder einem Geschwür. Wir alle waren auch einmal in diesem Stadium des Lebens. Hätten wir es toll gefunden, zu Tode vergiftet oder zerstückelt zu werden? Notabene: Diese Kinder können bereits Schmerz empfinden. So von wegen Ethik...

  • Ubunel Cenas am 01.03.2019 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    Töten

    Für Abtreibung gibt es keine Entschuldigung.Es ist mein Körper etc.Ich meine,dass es nichts anderes als Töten ist.Mit der Vereinigung Ei und Samen beginnt Leben.Ich weiss auch,dass viele mit Einstellungen wie meiner nicht klarkommen.Trotzdem bin ich gegen Abtreibung

  • Susanne am 01.03.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    drei Monate, danach austragen

    Ich dachte man darf gesetzlich nur bis zum dritten Monat abtreiben.. und so soll es auch sein und bleiben! Drei Monate sind genug, um zu merken, dass man Schwanger ist und um im Kopf klar zu werden was man will. Wer das nicht auf die Reihe kriegt, soll das Kind austragen und zur Adoption frei geben.