Umfrage

15. Februar 2019 09:35; Akt: 15.02.2019 10:36 Print

Jeder 2. Langzeitpflegende will den Beruf aufgeben

Gemäss einer Umfrage will die Hälfte der Pflegepersonen nicht bis zur Rente im Beruf bleiben. Schuld sind die Gesundheit, die Arbeitsbedingungen und der Lohn.

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Jede zweite Pflegeperson in der Langzeitpflege kann sich nicht vorstellen, bis zur Pensionierung im Beruf zu bleiben. Das ergab eine Umfrage der Unia.

Umfrage
Möchtest du bis zur Rente in deinem Beruf bleiben?

Branchenvertreter der Gewerkschaft warnten am Freitag vor den Medien vor «alarmierenden Ergebnissen», welche die neuste Pflegeumfrage ergeben hat. Ausgewertet wurden insbesondere die Angaben von 1194 Personen, die in der Langzeitpflege arbeiten.

Zahlen
Ergebnis

Demnach gaben 47 Prozent der Befragten an, dass sie nicht bis zur Pensionierung in der Pflege arbeiten wollen. Bei den Fachangestellten Gesundheit (FaGe) lag der entsprechende Anteil sogar bei 52 Prozent. Auch beim diplomierten Pflegefachpersonal ist der Ausstiegswunsch mit 45 Prozent augenfällig.

Nur jede und jeder Fünfte denkt, dass dies sein Job ist bis zur Rente. Das sind schlechte Aussichten für eine Branche, in welcher ohnehin grosser Personalmangel herrscht, wie die Unia in ihrer Mitteilung zur Umfrage schreibt.

Gründe
Deshalb wollen Pfleger aufhören

Hauptgrund für den Ausstiegswunsch sind gesundheitliche Probleme. Jede Zweite (49 Prozent) will aufhören, weil der Pflegeberuf ihre Gesundheit schädigt oder ruiniert. Zum einen sind Pflegeberufe per se körperlich und psychisch belastend. Mit der Subjektfinanzierung sei die Pflege zudem ökonomisiert worden.

Die Zerstückelung der einzelnen Leistungen habe die Arbeit intensiviert und stressanfälliger gemacht, erklärten die Unia-Vertreter. 86 Prozent der Befragten fühlen sich laut Umfrage oft müde und ausgebrannt. 72 Prozent gaben an, regelmässig unter körperlichen Beschwerden zu leiden. 70 Prozent erklärten über alle Berufsgruppen hinweg, sie fühlten sich während der Arbeit ständig gestresst.

Lohn
Geld ist ein weiterer Faktor

Zu den gesundheitlichen Risiken kommt hinzu, dass sich die Pflegenden unterbezahlt fühlen. 79 Prozent erachten ihren Lohn als den Anforderungen nicht angemessen, diese Klage kommt insbesondere von Assistenzpersonal.

Eine Pflegehelferin mit einem Pensum von 72 Prozent verdient gemäss den Unterlagen knapp 2900 Franken brutto. Der durchschnittliche Beschäftigungsgrad in der stationären Langzeitpflege in der Schweiz liegt bei 72 Prozent. Viele Pflegende arbeiten angesichts der schwierigen Arbeitsbedingungen Teilzeit. Fast 90 Prozent der Angestellten in der Langzeitpflege sind Frauen.

Zeit
Schwierige Arbeitszeiten

Zwei von drei Befragten fanden zudem, die Dienstplanung sei zu wenig fair und ausgewogen. Schwankungen bei der Arbeitszeit hätten wegen der vielerorts üblichen Jahresarbeitszeit in den vergangenen Jahren massiv zugenommen und stellten die Pflegenden vor massive Probleme, sagte Samuel Burri, Branchenverantwortlicher Pflege, gemäss Redetext. Unter der eingeforderten Flexibilität leide dann die Freizeit und das Familienleben der Pflegenden.

87 Prozent waren der Meinung, dass zu wenig Personal angestellt sei. Der gleiche Prozentsatz gab an, nicht genügend Zeit für Bewohner und Patientinnen zu haben. Das Resultat der Überlastung sei eine mangelhafte Qualität der Pflege (92 Prozent).

Reaktion
Das fordert die Unia

Angesichts der prekären Befunde der Umfrage verlangt die Unia die Abschaffung der Jahresarbeitszeit und dadurch faire Dienstpläne und Schichtsysteme. Weiter brauche es eine faire Finanzierung der Pflege mit fairen Löhnen, die auch bei Teilzeitpensen zum Leben reichten; über höhere Stellenschlüssel müsse zudem das Personal aufgestockt werden.

Arbeitgeber und deren Verbände Curaviva und Senesuisse seien sich der kritischen Arbeitsbedingungen und Probleme der Pflegenden zu wenig bewusst, erklärte Burri. Sie negierten die Probleme und zeigten nur mangelhaftes Interesse an einem sozialpartnerschaftlichen Dialog.
Es brauche künftig einen Dialog auf Augenhöhe und einen runden Tisch zwischen Arbeitgebern, Branchenverbänden und Gewerkschaften. Nur ein regelmässiger Austausch und vereinte Kräfte könnten die Probleme der Branche lösen und die Finanzierung auf politischer Ebene verbessern.

Umfrage
Diese Personen wurden befragt

Die Pflege-Umfrage wurde vom 15. Oktober 2018 bis 31. Januar 2019 zum grossen Teil online durchgeführt. 2935 Personen haben teilgenommen, 2885 Beobachtungen konnten ausgewertet werden. Die Hauptbefunde stammten von 1194 Angestellten in Alters- und Pflegeheimen. 93 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen, 7 Prozent Männer.

Arbeitest du in der Pflege und willst aussteigen? Erzähl uns warum: feedback@20minuten.ch

(vro/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lakeside am 15.02.2019 10:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bekannt...

    Nichts Neues, eigentlich weiss man das schon lange, aber zum Guten ändern wird sich nichts... Ich habe schon mit 28 Jahren Rückenprobleme, Schlafstörungen und ständige Müdigkeit gehabt wegen dem Pflegeberuf. Immer mehr Personalabbau. Der Lohn ist bei 100% ausreichend, aber praktisch niemand hält es länger als 5 Jahre so aus. Schade, es wäre ein so schöner und sozial wichtiger Beruf. Nun arbeite ich im ambulanten Bereich, die Schmerzen sind weg und es geht mir besser. Trotzdem vermisse ich den Akutbereich, aber meiner Gesundheit zuliebe darf ich das nicht mehr...

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  • R.L am 15.02.2019 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider so.

    Verstehe ich gut. Ich arbeite auch in der Pflege auf dem Notfall und was ich da alles sehe leute vom Altersheim und ich mir vorstelle diese täglich zu mobilisieren. Das macht der körper leider nicht mit.!

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  • Brunner am 15.02.2019 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langzeitpflege

    Es ist streng und die Langzeitpflege ist zum Teil ein Fass ohne Boden Vor allem in der Psychiatrie Aber trotzdem bin ich noch nicht abgebrüht und spüre die Klienten noch

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ms.Dith am 17.02.2019 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AHV Rentnern hat mehr schönest leben als uns.

    Ja, mein Stiefsohn muss auch verdient sein. Er hat auch in seinem Leben hart genug gearbeitet gleich wie seinem Vater. Mein Mann hat sehr Hart gearbeitet darum hab ich geschaut das Er mit mir in seinem Leben solange Er lebte sein Leben geniessen ohne Streit oder Blabla zu Hause. Wenn ein Mann gute Ehefrau daheim, Er füllt Gesund und jung aussehen. Mein Mann Streitigkeit und launisch. Ich gehe in mein Zimmer wenn Er Streit fängt. Mit meinem Mann hab kein Bock ihm zu streiten. Ich will lieber ihm gern küssen als Streit. Aber Er ist ein Status ging gar nicht!

  • Ms.Dith am 17.02.2019 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    AHV RENTNERN WIE MEIN STIEFSOHN. Hat schöne Leben.

    In der Pflege 100% zu Arbeiten bist nachher kaputt und rücken ging langsam kaputt. Pflege ist kein schlechte Beruf aber ein ganz harte Arbeit Wege die Bewohner Bewohnerin ist nicht leicht zu pflegen. Dann bekommst du noch manchmal bei Älteren Bewohnerinnen schimpft Wort. Arbeitet 40-50% ist besser für Mittel ältere Frau wie ich. 60-100% Pflege zu Arbeiten will ich nicht. Mein Gesundheit ist mir wichtig. Mein Stiefsohn musst nicht mehr arbeiten. Er ist reichern AHV RENTNERN. Bin eifersüchtig!

  • Drum! am 17.02.2019 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    In der Pflege zählt schon lange nicht mehr der Bewohner und Zeit ist nur noch ein Wort das man kennt aber nicht hat. Es zählt Geschwindigkeit halbherzige Pflege und die meiste Zeit geht am PC drauf weil man da auf jede Kleinigkeit zählt damit man die Besapunckte so schnell wie möglich erhöhen kann! Nach 9 Jahren in der Pflege und total ausgebrannt musste ich diesen Beruf aufgeben.

  • damisi am 17.02.2019 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    super Werbung für den Pflegeberuf, DANKE

    Mir fällt auf, dass hier keine einzige andere Meinung eingestellt wird. Nicht dass es die nicht gäbe, ich habe es 2x versucht, aber es wird nicht veröffentlicht. So entsteht ein falsches Bild von jammernden, unterbezahlten Pflegenden. Ich leiste viel, werde gut bezahlt, arbeite in einem tollen Team und habe eine super Chefin. Ja, die Ansprüche steigen,der Nachwuchs an psychisch und physisch stabilen und leistungsbereiten Pflegenden fehlt. Und? In welchem Beruf ist das nicht so? Das ist nun mein 3. Versuch dieses Gejammer ein bisschen zu relativieren.

    • Zum Glück weg am 17.02.2019 11:30 Report Diesen Beitrag melden

      Ausnahmen bestätigen nicht die Regel

      Falsches Bild? Es kommt noch darauf an in welcher Art von Betrieb sie Arbeiten. Und ja klar auch auf die Führung desselben aber es sind heute leider die wenigen Ausnahmen die es gibt und meistens spricht sich das eben auch herum und damit hat ein Betrieb deren Angestellten auch was Wert sind natürlich andere Probleme als zu wenig oder ungeeignetes Personal zu finden.

    • damisi am 17.02.2019 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      dann macht die Ausnahme zur Regel

      Mit Jammern geht das nicht. Und die Qualität der Pflege definiert immer noch die Pflegende selbst. Ich sage ja auch, dass wir zuwenige geeignete Pflegende im Nachwuchs haben. Wer körperliche und psychische Einschränkungen hat, sollte nicht in der Pflege arbeiten. Wir haben einfach ein gutes Management. Kein Ponyhof, aber fair, gut informierend, einbezogen, wertschätzend. Die Krankenkassen lassen uns in Ruhe, weil wir unsere Leistungen dank guter Schulung sauber vorweisen können. Aber um ausserordentliche Leistungsbereitschaft und grosse Flexibilität kommen auch wir nicht herum.

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  • Anita Koller am 17.02.2019 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Sackgasse Langzeitpflege

    Mit 62 Jahren in der Langzeitpflege zwar faktisch gesund aber verbraucht. Beim RAV hätte müsste ich mich auf Langzeitstellen bewerben weil da die besten Chancen auf eine Anstellung bestehen.. Sackgasse Langzeitpflege. Ich würde allen davon abraten.

    • maria am 17.02.2019 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Anita Koller

      die pflege erwartet wertschätzung und wertet sich selber so ab: unverständlich

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