Umfrage

11. Juni 2019 09:45; Akt: 11.06.2019 09:45 Print

Jeder 4. Mann würde für Frauen auf Lohn verzichten

Eine Umfrage zeigt: Männer wollen Lohngleichheit – aber nicht auf ihre Kosten. Zugleich fühlen sich gleich viele Männer wie Frauen unfair bezahlt.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Geschlechter sind sich einig: 96 Prozent der Frauen und 86 Prozent der Männer finden, dass ungerechtfertigte Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern grundsätzlich ein Problem darstellen. 72 Prozent respektive 44 Prozent messen der Behebung dieser Ungleichheit grosse Dringlichkeit zu. Das ergibt eine neue Studie, die im Auftrag der Karriereplattform XING durchgeführt wurde. Doch wenn auf Worte Taten folgen sollen, sehen die Zahlen ernüchternder aus: Gemäss der repräsentativen Umfrage bei 1000 Arbeitnehmern in der Deutschschweiz wären nur rund ein Viertel (26 Prozent) der Männer bereit, zum Ausgleich der unerklärbaren Lohnlücke zwischen Männern und Frauen einen leichten Rückgang beim eigenen Gehalt in Kauf zu nehmen. Christine Flitner, Zentralsekretärin der Gewerkschaft VPOD und Mitglied der nationalen Koordination für den Frauenstreik findet das ohnehin den falschen Ansatz. «Wir fordern, dass Frauen den Lohn bekommen, den gleich qualifizierte Männer bekommen. Den Männern weniger zu geben, wäre sicherlich der falsche Weg», so Flitner. Zudem unterstelle die Fragestellung den Männer eine Schuld, das sei problematisch. In ihren Augen liege das Problem bei bei der «Intransparenz von Löhnen, die – abgesehen vom öffentlichen Dienst und Gesamtarbeitsverträgen – völlig frei vergeben» würden. Gemäss Bundesamt für Statistik beträgt der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in der Schweiz 18,3%. Bereinigt um objektive Faktoren wie berufliche Stellung, Ausbildung, Branche und weitere Kriterien, beträgt die unerklärte Differenz 7,7 Prozent.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Geschlechter sind sich einig: 96 Prozent der Frauen und 86 Prozent der Männer finden, dass ungerechtfertigte Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern grundsätzlich ein Problem darstellen. 72 Prozent respektive 44 Prozent messen der Behebung dieser Ungleichheit grosse Dringlichkeit zu. Das ergibt eine neue Studie, die im Auftrag der Karriereplattform XING durchgeführt wurde.

Doch wenn auf Worte Taten folgen sollen, sehen die Zahlen ernüchternder aus: Gemäss der repräsentativen Umfrage bei 1000 Arbeitnehmern in der Deutschschweiz wären nur rund ein Viertel (26 Prozent) der Männer bereit, zum Ausgleich der unerklärbaren Lohnlücke zwischen Männern und Frauen einen leichten Rückgang beim eigenen Gehalt in Kauf zu nehmen.

«Der falsche Weg»

Für Ivo Knill, Mitglied des Initiativkommitees «Für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub» und Redaktionsmitglied der Männerzeitung «Ernst», ist dies dennoch ein Zeichen von Solidarität: «26 Prozent erachte ich als lobenswert. Es ist doch erfreulich, wenn ein Viertel der Männer zugunsten der Lohngleichheit auf einen Teil ihres Einkommens verzichten würden.» Zugleich bezweifle er aber, ob das der richtige Ansatz ist: «Aus arbeitsrechtlicher Sicht sollten Verbesserungen bei den Frauen nicht zu Verschlechterungen der Anstellungsbedingungen für Männer gehen.»

Ähnlich sieht es auch Christine Flitner, Zentralsekretärin der Gewerkschaft VPOD und Mitglied der nationalen Koordination für den Frauenstreik: «Ich finde den Ansatz falsch. Wir fordern, dass Frauen den Lohn bekommen, den gleich qualifizierte Männer bekommen. Den Männern weniger zu geben, wäre sicherlich der falsche Weg.» Zudem unterstelle die Fragestellung den Männer eine Schuld, so Flitner. In ihren Augen liege das Problem jedoch bei bei der «Intransparenz von Löhnen, die – abgesehen vom öffentlichen Dienst und Gesamtarbeitsverträgen – völlig frei vergeben» würden.

Image-Probleme

Die XING-Studie hat auch untersucht, wie sich die ungerechtfertigten Lohnunterschiede auf das Image eines Arbeitgebers auswirken. Demnach würden 59 Prozent der Befragten Produkte oder Dienstleistungen von Unternehmen mit Lohndiskriminierung nach Möglichkeit meiden. Auch beim Rekrutieren neuer Arbeitgeber könnten sich Probleme einstellen: 81 Prozent der Frauen und auch knapp die Hälfte der Männer (46 Prozent) sagen, dass sie sich künftig nicht bei einem Unternehmen bewerben würden, das Frauen grundsätzlich tiefere Löhne bezahlt.

«Ungerechtfertigte Lohnunterschiede»

Lohnfairness ist jedoch nicht nur ein Geschlechterthema: Bei den Faktoren, die zu Ungleichheiten bei der Bezahlung beitragen, wurden von den Befragten Verhandlungsgeschick, Alter, Glück sowie persönliche Präferenzen von Vorgesetzten noch vor dem Geschlecht genannt. Entsprechend gaben 29 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer an, sie hätten das Gefühl, im eigenen Betrieb Opfer von ungerechtfertigten Lohnunterschieden zu sein.

Gemäss Bundesamt für Statistik beträgt der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in der Schweiz 18,3%. Bereinigt um objektive Faktoren wie berufliche Stellung, Ausbildung, Branche und weitere Kriterien, beträgt die unerklärte Differenz 7,7 Prozent.

(mat)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roli am 11.06.2019 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verzicht? Sicher nicht!

    Weshalb sollte ich freiwillig auf einen Teil meines Lohnes verzichten? Dieser kam durch Leistung, Weierbildung, Einsatz und guter Verhandlung zu stande.

    einklappen einklappen
  • lightsout am 11.06.2019 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heuchler

    Ivo Knill: Es ist doch erfreulich, wenn 1/4 der Männer zugunsten der Lohngleichheit auf einen Teil ihres Einkommens verzichten würden MÜSSTE DIESES VIERTEL Namen und Adresse etc hinterlegen, damit wir es dann in die Tat umsetzen können, würde aus diesem 1/4 wohl eher 1/40000 -bei Umfragen kann sich jeder gratis ins gute Licht stellen

  • Ruedi Zbinden am 11.06.2019 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Blabla

    So ein Schwachsinn. Gesagt wird viel, lasst mal Taten folgen, dann sieht die Sache wieder ganz anders aus!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • MM am 12.06.2019 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kämpfende Streikerinnen

    In Männedorf kam es am Abend auf Mittwoch zu einem Farbangriff auf Ems-Chemie. Dahinter steckt das Komitee Kämpfende Streikerinnen. Am Freitag werden noch weitere Sachbeschädigungen folgen. Diese "Damen" müssen zur Rechenschaft gezogen werden.

  • Rudi Megi am 12.06.2019 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Die best passende Person

    Sagen wir mal Sie wären ein Geschäftsbesitzer und bräuchten jemanden der / die täglich zuverlässig, Woche für Woche, Jahr für Jahr den job erledigt, wen würden Sie wählen? In der sog. Männerwelt muss jeder zuerst mal Beweisen er kann was. Frauen scheinen das nicht zu müssen, sie kriegen den Job weil der Staat oder die Firma sozial ausgeglichen einstellen will - leider haben die Steuerzahler oder Kunden gar nichts davon, Defizite begannen so ziemlich zur gleichen Zeit wie Frauen in leitende Positionen gesetzt wurden nur weil sie Frauen sind. Leistung/Nachweis von "fiscal responsibility" fehlt.

  • Nerd am 12.06.2019 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Männer werden diskriminiert

    ... und die Frauen "streiken". Verrückte Welt ^^

  • MM am 12.06.2019 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab wann?

    Ab wann brauchen die Frauen die jährliche Umverteilung in der Höhe von 15 bis 20 Milliarden Franken von den Männern nicht mehr? Ab wann schauen die Frauen selber, dass sie ihre 15,5 Milliarden Franken jährlichen Mehrkosten selber in den Griff bekommen? Ab wann sind die Frauen bereit für AHV-Alter 65, dass man jährlich 1,3 Milliarden Franken einsparen kann? Ab wann müssen die Frauen die gleichen Alimenten bezahlen, wenn der Vater die Obhut hat? Ab wann bekommen die Frauen das GA Senioren auch erst mit 65?

  • PJM am 12.06.2019 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Care-Arbeit

    Themen vom Frauenstreik: 4) Care-Arbeit: Angehörige zu pflegen war Frauensache. Nun haben die Männer aufgeholt. Mehr noch: Sie haben die Frauen überholt. 2016 haben die Männer 21 Millionen Stunden unentgeltliche Erwachsenenpflege geleistet. Bei den Frauen waren es nur 20 Millionen Stunden.