Bevölkerung

23. Mai 2017 19:50; Akt: 23.05.2017 19:50 Print

Jeder Dritte hat einen Migrationshintergrund

von A. Schawalder - In der Schweiz leben immer mehr Menschen, die einen Migrationshintergrund haben. Über die Hälfte der Kinder unter sechs Jahren leben in einem solchen Haushalt.

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Die Eltern stammen aus Kosovo, Italien oder Deutschland, sie selbst aber sind in der Schweiz geboren: Ein immer grösserer Teil der Schweizer Bevölkerung hat einen Migrationshintergrund (siehe Box). In der Schweiz leben heute 2,5 Millionen Menschen über 15 Jahre, die einen Migrationshintergrund haben. Das entspricht 36 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Von diesen 2,5 Millionen Personen sind 80 Prozent im Ausland geboren. Nur ein Fünftel gehört zur zweiten Generation, den sogenannten Secondos. Von ihnen besitzen 62 Prozent den Schweizer Pass.

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36 Prozent haben einen Migrationshintergrund

Zwischen 2003 und 2015 ist der Anteil der Bevölkerung über 15 Jahre ohne Migrationshintergrund von 70 auf 63 Prozent gesunken. Das zeigt ein Bericht des Bundesamts für Statistik.

Dieser Anteil wird in Zukunft wohl eher nicht sinken, denn in den letzten 20 Jahren sind stets mehr Personen eingewandert als ausgewandert. Das zeigt sich auch bei den Kindern: Je jünger die Kinder sind, desto eher gehören sie einem Haushalt mit Migrationshintergrund an, wie das Bundesamt für Statistik schreibt. 54 Prozent der Kinder unter sechs Jahren lebten im Jahr 2015 in einem Haushalt mit Migrationshintergrund.

Die meisten Ausländer sind Europäer

Doch auch in anderen Altersgruppen ist der Anteil deutlich höher als 36 Prozent. Bei den 31- bis 40-Jährigen hat fast jeder Zweite einen Migrationshintergrund (49 Prozent). Bei den 32-, 37- und 38-Jährigen hat sogar die Mehrheit einen Migrationshintergrund. Bei den 61- bis 70-Jährigen sind es gerade mal 23 Prozent.

Der grösste Anteil der in der Schweiz lebenden Ausländer kommt aus Europa, nämlich 85 Prozent. Eine asiatische Staatsangehörigkeit haben sieben Prozent, gefolgt von Afrika mit fünf Prozent. Die meisten Ausländer, nämlich über 300'000, haben eine italienische Staatsangehörigkeit, gefolgt von Deutschen und Portugiesen.

Eine Bereicherung für unsere Gesellschaft

«Diese Menschen sind ein Teil der Schweiz. Sie sind eine Bereicherung für unsere Gesellschaft – kulturell und wirtschaftlich», sagt SP-Nationalrätin Silvia Schenker. Die Schweiz sei schon immer sehr vielfältig gewesen: «Denken wir nur an die vier Landessprachen.» Ausschlaggebend sei nicht, wann die Eltern in die Schweiz gekommen sind, sondern wie gut sie integriert sind. Um ein gutes Zusammenleben zu garantieren, sei eine erfolgreiche Integration notwendig. Hier habe man aber in den letzten 20 Jahren viel dazugelernt: «Heute legen wir grösseren Wert darauf, dass Kinder schon früh die Landessprachen lernen», sagt Schenker. Auch die Schweizer Kultur sieht sie nicht bedroht: «Es gibt genauso Personen aus dem Ausland, die sich sehr für die Schweizer Kultur interessieren, wie es Schweizer gibt, die sich nicht dafür interessieren.»

Pessimistischer sieht das Bildungspolitiker Mauro Tuena: «Die zunehmende Einwanderung führt zu mehr Kriminalität, das Sozialhilfesystem wird noch mehr belastet und an den Schulen sind die Lehrer überfordert, weil die Kinder die Sprache nur ungenügend beherrschen», sagt der SVP-Nationalrat. Diese Herausforderungen würden zunehmen, wenn man nicht gegen die Zuwanderung vorgehe. Er spreche dabei von seinen eigenen Erfahrungen: Bei ihm in der Schule habe der Unterricht wegen des hohen Ausländeranteils im Quartier gelitten.