Suizid mit Schusswaffen

31. Januar 2011 16:31; Akt: 01.02.2011 18:29 Print

Jeder Zweite erschiesst sich mit Armeewaffe

von Ronny Nicolussi - Nicht bei neun, sondern bei 49 Prozent der Schusswaffensuizide ist die Tatwaffe eine Armeewaffe. Eine Untersuchung des BAG zeigt eine völlig neue Datenlage.

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Laut Thomas Reisch, Verfasser des BAG-Faktenblatts, stimmt diese BFS-Statistik nicht. Aus dieser geht hervor, dass 2009 lediglich bei neun Prozent aller Suizide durch Erschiessen Armeewaffen eingesetzt wurden. «Da nicht in allen Kantonen die gleichen Waffen-Kategorien erhoben wurden, muss davon ausgegangen werden, dass sich auch unter den Kategorien Faustfeuerwaffe, Pistole, lange Feuerwaffe, Gewehr, Sturmgewehr und bei den Suiziden durch Erschiessen «ohne Angabe des Tatmittels» Armeewaffen befinden» so Reisch. Das BAG-Faktenblatt zeigt auf, dass Waffen besonders bei Suiziden von Männern eine grosse Rolle spielen. Über 95 Prozent aller Schusswaffensuizide betreffen Männer. Insgesamt ist seit 1995 bei rund einem Viertel aller Suizide eine Schusswaffe eingesetzt worden. Etwa gleich häufig haben Lebensmüde Erhängen als Methode gewählt, gefolgt von Medikamenten (20,4 Prozent) und dem Sprung in die Tiefe (10,9 Prozent). In 6,5 Prozent der Fälle haben sich Selbstmörderinnen und Selbstmörder vor fahrende Gegenstände gelegt – zumeist vor Züge. Bei den 20- bis 29-Jährigen – also den dienstpflichtigen Jahrgängen – ist Erschiessen mit über 35 Prozent der Fälle jedoch deutlich die häufigste Suizidmethode. Je nach Lebensalter werden unterschiedliche Suizidformen gewählt. Während sich 40- bis 59-jährige Lebensmüde am häufigsten erhängen, wählen Menschen im hohen Alter zunehmend Medikamente zur Selbsttötung. Insgesamt sterben in der Schweiz jährlich etwa 1300 Menschen durch Suizid. Gemäss Studienverfasser lässt die Korrelation zwischen Schusswaffensuiziden und dem Effektivbestand der Armeewaffen auf einen aussergewöhnlich starken Zusammenhang schliessen. Während im Zeitraum von 1995 bis 2002 bei einem Armeewaffenbestand von über Armeewaffen noch rund 250 Schusswaffensuizide. Die Einführung der Armee XXI hatte zu einer deutlichen Reduktion des Armeebestandes und damit gleichzeitig auch zu einer Reduktion der Anzahl verfügbaren Armeewaffen geführt. Die Suizidrate ging bei sämtlichen Alterskategorien unter 60 Jahren zurück, am stärksten bei den 30- bis 39-Jährigen. Das BAG führt das darauf zurück, dass unter 50-Jährige durch die Reduktion des Armeebestandes weniger Kontakt zur Armeewaffe hatten als die Generation vor ihnen.

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Das umfassend abgestützte Faktenblatt «Suizid mit Schusswaffen» aus dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) widerlegt die bisherigen Informationen des Bundes und zeigt: Wenn sich Menschen mit einer Schusswaffe selbst töten, benutzen sie in 49 Prozent der Fälle eine Armeewaffe. Bisher sprach das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) immer von neun Prozent. Das Departement berief sich dabei auf die Kriminalstatistik 2009. Weil die Kantone ihre Daten jedoch uneinheitlich erheben, dürfte diese Statistik nicht die Realität abbilden.

Thomas Reisch, Leiter Schwerpunkt Psychotherapie der Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie Bern und Verfasser des BAG-Faktenblatts, stützt sich bei seiner Auswertung auf vier Studien aus den Jahren 2006 bis 2010. Diese untersuchten den Zusammenhang von Armeewaffe und Schusswaffensuizid. Der Anteil der Armeewaffen schwankte dabei zwischen 41,7 und 68 Prozent, sodass Reisch auf ein gewichtetes Mittel von 49 Prozent kommt.

Das BAG-Faktenblatt zeigt auf, dass Waffen besonders bei Suiziden von Männern eine grosse Rolle spielen. Über 95 Prozent aller Schusswaffensuizide betreffen Männer. Insgesamt ist seit 1995 bei rund einem Viertel aller Suizide eine Schusswaffe eingesetzt worden. Etwa gleich häufig haben Lebensmüde Erhängen als Methode gewählt, gefolgt von Medikamenten (20,4 Prozent) und dem Sprung in die Tiefe (10,9 Prozent). In 6,5 Prozent der Fälle haben sich Selbstmörderinnen und Selbstmörder vor fahrende Gegenstände gelegt – zumeist vor Züge.

20- bis 29-Jährige greifen am häufigsten zur Waffe

Bei den 20- bis 29-Jährigen – also den dienstpflichtigen Jahrgängen – ist Erschiessen mit über 35 Prozent der Fälle deutlich die häufigste Suizidmethode. Je nach Lebensalter werden unterschiedliche Suizidformen gewählt. Während sich 40- bis 59-jährige Lebensmüde am häufigsten erhängen, wählen Menschen im hohen Alter zunehmend Medikamente zur Selbsttötung. Insgesamt sterben in der Schweiz jährlich etwa 1300 Menschen durch Suizid.

Eine erfreuliche Tendenz stellt der Studienverfasser seit 2003 fest: Die Anzahl Schusswaffensuizide hat signifikant abgenommen. Die sprungartige Abnahme wird mit der Einführung der Armee XXI in Zusammenhang gebracht. Die Armeereform hatte zu einer deutlichen Reduktion des Armeebestandes und damit gleichzeitig auch zu einer Reduktion der Anzahl verfügbarer Armeewaffen geführt.

Zusammenhang zwischen Armeewaffenbestand und Schusswaffensuiziden

Gemäss Studienverfasser lässt die Korrelation zwischen Schusswaffensuiziden und dem Effektivbestand der Armeewaffen auf einen aussergewöhnlich starken Zusammenhang schliessen. Während von 1995 bis 2002 bei einem Armeewaffenbestand von gut 400 000 jährlich rund 350 Schusswaffensuizide registriert wurden, waren es in den Jahren 2004 bis 2008 bei gut 200 000 Armeewaffen noch rund 250 Schusswaffensuizide.

Die Suizidrate ging bei sämtlichen Alterskategorien unter 60 Jahren zurück, am stärksten bei den 30- bis 39-Jährigen. Reisch führt das darauf zurück, dass unter 50-Jährige durch die Reduktion des Armeebestandes weniger Kontakt zur Armeewaffe hatten als die Generation vor ihnen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Demokrat am 01.02.2011 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wahlbeschwerde!!!

    Hey Leute! Am 14. Februar reichen wir in allen Kantonen Wahlbeschwerde gegen das Resultat der Abstimmung ein. Entweder hat das EJPD oder das BAG falsche Zahlen und Statistiken veröffentlich. Somit ist doch bereits jetzt bewiesen, dass der Bund seiner Pflicht zu einer neutralen und wahrheitsgetreuen Information nicht nachgekommen ist. Es kann ja nicht sein, das zwei Bundesämter welche mit den gleichen Zahlen arbeiten dermassen unterschiedliche Statistiken veröffentlichen. P.S. Das Resultat ist egal.

  • Claudia am 03.02.2011 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Dummes Volk

    Gibt es wirklich Weltverbesserer unter uns? Glaubt jemand mit einer nutzlosen Initiative die Welt retten zu können? Nehmt Euch an Eurer Nase, lernt einander wieder kennen und sprecht miteinander, das brint 1000x mehr als vor der Glotze zu sitzen und mittels Gesetzen von den wirklichen Problemen dieser Gesellschaft abzulenken. Aber natürlich, das braucht meine Zeit, mein Engagement, vielleicht betrifft es sogar mich... Nein zu allen neuen und unnützen Gesetzen!

  • Peschä am 31.01.2011 19:39 Report Diesen Beitrag melden

    Gesamtzahl der Suizide?

    Und wie hat sich die Gesamtzahl der Suizide entwickelt, während die Schusswaffensuizide zurückgingen? Wieviele Lokführer wurden zusätzlich traumatisiert? Nein zu Bevormundungen, Nein zu Enteignungen, Nein zur Waffeninitiative!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Matt am 05.02.2011 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Komische Statistik..

    Kann mir ja jemand einen Tipp geben, wie diese Statistik zu deuten ist ? 17% aller Suizide mit Schusswaffen 3.4% aller Suizide mit Faustfeuerwaffen (20% von 17%) 0.136% aller Suizide mit dem Sturmgewehr (4% von 20% von 17%) 0.68% mit Sturmgewehr, falls sich die 4% nur auf die 17% beziehen ? Aber nach dieser Statistik passieren im schlimmst anzunehmenden Fall weniger als 1% aller Suizide mit einem Sturmgewehr ?! Und deswegen - und wegen den 3.4% (alle Faustfeuerwaffen) jetzt diese Diskussion.. man müsse mit einem Verbot die Suizidrate senken ?!

    • Peter Graf vom Bodensee am 06.02.2011 13:40 Report Diesen Beitrag melden

      Theater mit Prozentrechnung

      Doe genannte Abbildung oben zeigt, dass 12% der 17% Suizide mit nicht erworbenen Schusswaffen erfolgten. 12% von 17% = 2.04%. Warum eigentlich das Theater? Wer sich selbst oder andere beseitigen will der tut es. Mit oder ohne legale Schusswaffen.

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  • knarrli am 04.02.2011 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    steuern sparen im grossen stil

    am besten wäre es die armee ganz abzuschaffen. mit diesen milliarden könnte man viel gutes tun. zb. IV sanieren,entwicklungshilfe ausbauen,kleinbauern unterstützen und noch viel mehr. als steuerzahler aus einem geber kanton würde ich mich dann nicht mehr so gelinkt fühlen .

  • dani am 04.02.2011 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    nebenschauplätze haben nichts mit dem thema zu tun

    die gegner der waffeninitiative verweisen gerne auf nebenschauplätze und reden gern am eigentlichen thema vorbei. denkt einmal an die polizisten ,rettungsleute und an diejenigen, die das alles sehen müssen.das sind alles auch menschen mit gefühlen.also der tot durch waffen ist keine saubere sache.EXIT ist der einzige gangbare weg,wenn jemand nicht mehrleben möchte. darum ja stimmen.waffen sind zum töten da.

  • mario dätwyler am 04.02.2011 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    Einmalig

    Es ist wohl in der Geschichte der Schweiz einmalig dass von so vielen gebildeten Menschen so viele Lügen dem Volk erzählt wurden um so vielen Schweizer Bürgern und Wehrmännern das Misstrauen auszusprechen und so viel Tradition und Kultur mit Füssen zu treten um nachher so viele Betrogene und Enttäuschte Bürger zu hinterlassen und keinen Suizid Fall verhindert zu haben wie das bei der sog.Waffenschutz Initiative der Fall ist ihr Befürworter hinterlässt eine Schweiz mit einem Gedemütigtem Volk ohne auch nur etwas mehr Sicherheit zu bringen entschuldigt euch vor allem bei den Frauen

    • S.H am 04.02.2011 17:09 Report Diesen Beitrag melden

      Tradition?

      Mir geht es nicht um Suizide. Mir geht es darum, dass ich mich nicht wohl fühle, wenn all die Leute, die mir täglich begegnen eine Waffe besitzen. Eine Waffe ist eine Tötungsmaschine und kein Christuskreuz oder sonst eine Tradition. Es ist die entwicklung einer Forschung, wie man einen Menschen am schnellsten und unkompliziertesten ohne Gegenwehr töten kann. Man darf sie ja nicht einmal benutzen. Sie ist absolut sinnlos und kann nicht gebraucht, sondern nur missbraucht werden. Wir haben genug wirkliche Traditionen. Ein Tötungsgerät ist keine davon.

    • mario dätwyler am 05.02.2011 23:42 Report Diesen Beitrag melden

      Lächerlich

      Der Schweizer Wehrmann hat seine Waffe zum Selbstschutz und zum Schutze seiner Kameraden (primäre Aufgabe!!), also Verteidigung und nicht Angriff.Ausserhalb der Armee sind Waffen Sammlerstücke und Sportgeräte.Wollen Sie jeden Bürger bevormunden und vorschreiben, was er als Hobby betreiben darf

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  • Claudia am 03.02.2011 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Dummes Volk

    Gibt es wirklich Weltverbesserer unter uns? Glaubt jemand mit einer nutzlosen Initiative die Welt retten zu können? Nehmt Euch an Eurer Nase, lernt einander wieder kennen und sprecht miteinander, das brint 1000x mehr als vor der Glotze zu sitzen und mittels Gesetzen von den wirklichen Problemen dieser Gesellschaft abzulenken. Aber natürlich, das braucht meine Zeit, mein Engagement, vielleicht betrifft es sogar mich... Nein zu allen neuen und unnützen Gesetzen!