Häusliche Gewalt

07. Oktober 2018 03:12; Akt: 08.10.2018 09:18 Print

Täter schlagen ihre Opfer fast immer

Erstmals ist untersucht worden, welche Formen von Gewalt Täter – meist Männer – anwenden.

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Erstmals untersuchte eine Studie die Formen häuslicher Gewalt: Die Täter schlagen ihre Opfer fast immer, meistens mit der offenen Hand. (Symbolbild) Jüngst erschütterte ein Vorfall in Genf, wo junge Frauen Opfer einer brutalen Attacke und auf der Strasse grundlos verprügelt wurden, die Schweiz. Sophie Achermann, Geschäftsführerin des Bunds Schweizerischer Frauenorganisationen Alliance F, sagte daraufhin: «Die Gewalt von Männern, die Frauen attackieren, nur weil sie Frauen sind, nimmt zu.» Die Bewegung SolidaritéS Genf reagierte nach dem Angriff gegen die fünf Frauen mit einer Demonstration in Genf. Juso-Präsidentin Tamara Funiciello sagt: «Der aufsteigende Feminismus verunsichert Männer im Moment.» Frauen, die mehr Rechte einforderten, verunsicherten viele Männer. «Manche machen ihrer Wut dann mit Gewalt gegen Frauen Luft.» Die SVP-Nationalrätin Andrea Geissbühler kennt Gewalt im Ausgang aus eigener Erfahrung. Sie arbeitete als Polizistin in Bern. «Die Gewalt nimmt nicht grundsätzlich zu, aber die Heftigkeit, mit der zugeschlagen wird. Die Hemmungen sind nicht mehr da», sagt sie. «Wir sind empört darüber, was passiert ist, und verurteilen diese Gewalt, die gegen die Frauen angewendet wurde», sagte Stefanie Prezioso von der Bewegung SolidaritéS Genf. Zwei der Frauen wurden schwer am Kopf verletzt. Die Place des Trois-Perdrix in Genf: Hier wurden die fünf Frauen attackiert. Auch in den Medien wurde der Angriff auf die Frauen breit thematisiert. «Genf im Schockzustand», titelte die «Tribune de Genève».

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Eine neue Studie des Universitätsspitals Bern zu häuslicher Gewalt zeigt gemäss «SonntagsZeitung» erstmals, wie die Täter vorgehen und welche Verletzungen die Opfer erleiden. Als «besonders beängstigend» bezeichnen die Ärzte um Studienleiterin Simone Hostettler-Blunier die hohe Zahl der Würgeangriffe.

So wird gemäss der Auswertung jedes sechste Opfer von Paargewalt, weit über 90 Prozent sind Frauen, bei einem Angriff stranguliert. Die Folgen eines Würgetraumas würden oft nicht beim ersten Arztbesuch erkannt, sagt Hostettler-Blunier in der Sonnatsgzeitung. Mögliche Spätfolgen einer durchs Würgen verursachten Gefässverletzung seien Gedächtnisstörungen, Hirnschläge oder sogar der Tod.

Einmal Opfer, immer Opfer

Die Berner Studie zeigt weiter, dass die Täter ihre Opfer fast immer schlagen, meistens mit der offenen Hand, aber auch mit der Faust. Die häufigsten Verletzungen sind Prellungen, Blutergüsse und Blutungen. Und es bestätigt sich eine bittere Erkenntnis: Wer einmal Opfer geworden ist, bleibt es oft auch. Fast 60 Prozent aller Patientinnen gaben an, sie hätten in ihrer aktuellen Beziehung bereits einmal häusliche Gewalt erlebt. Für die Studie haben die Ärzte die Daten aller Patienten des universitären Notfallzentrums der Insel ausgewertet.

Der Beobachtungszeitraum umfasste die Jahre 2006 bis 2016 – berücksichtigt wurden insgesamt 377 Fälle. Die Schweizerische Konferenz gegen Häusliche Gewalt begrüsst die für die Schweiz einzigartige Studie. Co-Präsidentin Judith Hanhart fordert eine bessere Ausbildung des Gesundheitspersonals. Insbesondere Ärztinnen und Ärzte seien sehr oft mit den Opfern häuslicher Gewalt konfrontiert.

(roy)