Nein zu Fair Food

24. September 2018 05:43; Akt: 24.09.2018 07:28 Print

Jetzt beginnt der Kampf gegen Massentierhaltung

von A. Peterhans - Fair Food fällt beim Volk durch. Doch drei weitere Initiativen für eine ökologischere und tierfreundliche Landwirtschaft sind in der Pipeline.

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Für das links-grüne Lager ist es eine Ohrfeige: Mit 61 Prozent Nein lehnte das Volk die Fair-Food-Initiative ab. Noch deutlicher scheiterte die Initiative für Ernährungssouveränität. Entsprechend lange Gesichter machten die Verlierer.

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Das Thema ökologisch produzierte Lebensmittel bleibt aber aktuell: Drei weitere Initiativen sollen zur Volk. Zwei Initiativen richten sich gegen den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft. Sie kommen voraussichtlich im kommenden Jahr zur Abstimmung. Derzeit werden zudem auch Unterschriften für eine Abschaffung der «Massentierhaltung» gesammelt.

Neue Vorlagen sollen vors Volk

• Die Initiative «Sauberes Trinkwasser für alle» (Trinkwasserinitiative) wurde im Januar mit rund 114'000 Unterschriften eingereicht. Sie verlangt, dass nur noch Landwirtschaftsbetriebe Subventionen erhalten, die auf den Einsatz von Pestiziden und vorbeugend verabreichte Antibiotika verzichten. Zudem darf der Tierbestand nur so gross sein, dass die Tiere mit dem auf dem Betrieb produzierten Futter ernährt werden können. Der Bundesrat spricht sich gegen die Volksinitiative aus und bringt keinen direkten Gegenvorschlag zur Abstimmung.

• Die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» des Westschweizer Vereins Future 3.0 unterschrieben über 145'000 Personen. Die Initiative will nicht nur den Einsatz von Pestiziden im Inland verbieten, sondern auch den Import pestizidhaltiger Lebensmittel. Auch hier spricht sich der Bundesrat ohne Gegenvorschlag gegen die Initiative aus.

• Im Juni 2018 wurde die Initiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz» des Vereins Sentience Politics lanciert. Derzeit werden die nötigen 100’000 Unterschriften gesammelt. Sie verlangt, dass die heutigen Bio-Suisse-Richtlinien bei der Tierhaltung in einer Übergangszeit von 25 Jahren von Bauernhöfen umgesetzt werden.

Pestizid-Gegner bleiben optimistisch

Die Initianten wollen das wuchtige Nein zu Fair Food nicht als schlechtes Omen nehmen: Für Franziska Herren, Initiantin der Trinkwasser-Initiative, stehen die Chancen immer noch gut. Die Herangehensweise sei eine andere. «Wir beschränken uns auf die drei Hauptprobleme der Gewässer und Trinkwasserverschmutzung durch die Landwirtschaft: den Pestizid- Einsatz, den Futtermittelimport und die Antibiotika.» Die Trinkwasser-Initiative fokussiere damit stärker auf die nachhaltige Fleisch- und Milchproduktion im Inland.

Im Gegensatz zu den beiden gescheiterten Agrar-Initiativen stehe die Trinkwasser-Initiative nicht im Konflikt mit dem Ausland. Die Gegner von Fair Food und Ernährungssouveränität hatten im Abstimmungskampf unter anderem vor Problemen mit internationalen Abkommen gewarnt. Durch die Einführung von Zöllen wären laut den Gegnern etwa das Freihandelsabkommen im Rahmen der WTO verletzt worden.

Fokussierte Initiativen erfolgreicher

Gemäss Politologe Thomas Milic haben Volksbegehren bessere Chancen, angenommen zu werden, wenn sie sich auf nur ein Ziel fokussieren. Bei der Initiative gegen die Massentierhaltung sei das mit dem Thema Tierschutz der Fall.

Die beiden Agrarinitiativen seien wohl auch deshalb gescheitert, weil sie zu überladen gewesen seien, und damit «zu viele Gründe für eine Ablehnung präsentierten». Wolle man mit einer Initiative Erfolg haben, so müsse man der Stimmbürgerschaft vermitteln können, dass sie unbedingt notwendig sei, sagt Milic. «Beide Agrarvorlagen sind wahrscheinlich auch deshalb gescheitert, weil viele der Ansicht waren, die Initiativen forderten zwar Richtiges, seien aber nicht nötig.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kevin am 24.09.2018 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Massentierhaltung?

    wer in der Schweiz von "Massentierhaltung" spricht, darf garantiert keine tierischen Produkte aus dem Ausland kaufen.

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  • Peter M am 24.09.2018 07:16 Report Diesen Beitrag melden

    Trinkwasserinitiative = Mogelpackung

    Die Trinkwasserinitative will eigentlich uns zu mehr veganem Essen verleiten. Das "sauber" Trinkwasser ist nur ein Deckmäntelchen. Ginge es den Initianten wirklich um eine saubere Schweiz, so müssten sich diese erst einmal auf eine Begrenzung der CHer Bevölkerung festlegen. Anders ist die Initiative NICHT umsetzbar.

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  • Imker am 24.09.2018 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist Imkerei Massentierhaltung

    Wie soll ich den meine Bienen halten wenn man gegen Massentierhaltung ist?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • oli am 24.09.2018 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    macht so weitter

    einige initativen haben sicher gute ansätze. aber wenn immer mehr geregelt und kontrolliert wird, dann wird es sehr mühsam für die noch wenigen freiwiligen bauern. wäre ich bauer und all das zeugs würde durchkommen, dann wäre der zeitpunkt erreicht wo ich alles hinschmeissen würde. irgendwann kommt es sicher so weit dass wir dank unseren soo tollen regelungen, 100% importiere müssen. kein bauer hat auf die dauer lust auf diese gesamten vorschriften welche von solch lustigen stadtbüromenschen ausgearbeitet werden.

  • Nationless am 24.09.2018 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gesundheit und Umwelt ja

    Für sauberes Trinkwasser und gegen Pestizide werde ich annehmen. Umweltschutz und Gesundheit sind mir da wichtiger. Die gegen Massentierhaltung werde ich aber ablehnen. Wir haben schon die strengsten Tierschutzgesetze. Da will man Tierrechte den Menschenrechten angleichen so dass man Tiere nicht mehr Schlachten dürfe und wir zum Veganer sein erzwingt würden.

  • Expat am 24.09.2018 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwängerei und unvernünftig

    Unterschriften für Initiativen sollten längst auf 250'000 erhöht werden, diese Initiativen sind eine Zwängerei. Ich finde, die direkte Demokratie wird überstrapaziert, auch ein Grund der mir die Auswanderung leichter gemacht hat. Ich bin dann mal weg.

  • Bonifatz am 24.09.2018 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Chance

    Die Schweiz hat bereits extrem hohe Standards was den Umgang mit Nutztieren angeht. Höher als in der EU und wahrscheinlich Weltweit. Wir bezahlen bereits unmengen Geld hier für gutes Fleisch, noch mehr bezahlen soll dann einfach den versteckten Wunsch der Initianten befriedigen die aus 80% Frauen bestehen und praktisch alle Veganer, Vegetarier oder Leute sind die sehr wenig Fleisch essen, und dazu dienen soll dass die Leute die Lust auf Fleisch verlieren. Aber kommt sowieso NIE durch, von dem her, was solls..:)

  • Tribalu am 24.09.2018 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zur Nachahmung empfohlen !!

    Vegetarier werden!!!...... und somit ist die Massentierhaltung kein Thema mehr! Persönlich kann ich mich seit über 20 Jahren ohne schlechtem Gewissen an den Tisch setzen, ohne dass ein Tier wegen mir misshandelt, ausgebeutet und zuletzt noch ermordet wurde!