Fan-Event eskaliert

20. Januar 2020 04:59; Akt: 20.01.2020 15:41 Print

Tiktoker bekriegen sich wegen Chaos im Glatt

Das Tiktok-Fantreffen im Glattzentrum lief aus dem Ruder. Nun werfen die Organisatoren einigen Schweizer Tiktokern vor, den Event gecrasht und Personen gefährdet zu haben.

Aus Sicherheitsgründen musste am Freitag eine Veranstaltung im Glattzentrum in Wallisellen abgebrochen werden. (Video: Tamedia)
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Die beiden deutschen Tiktok-Stars Firat (17) und Luana riefen zum grossen Fantreffen im Glattzentrum in Wallisellen am Freitag auf. Die Situation eskalierte: Weil Tausende Fans erschienen und andere Tiktoker ebenfalls vor Ort waren und sich die Situation aufschaukelte, musste der Anlass abgesagt werden. Kinder wurden angerempelt und umgestossen, einige mussten von der Sanität behandelt werden. Das Glattzentrum wusste bis kurz vor dem Treffen nicht, dass dieses überhaupt stattfinden sollte. Die Tiktoker hatten es auf eigene Faust organisiert, sagt der Chef des Glattzentrums.

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Nun ist der Streit unter verschiedenen Tiktok-Stars eskaliert. Firat wirft Schweizer Tiktokern, die vor Ort waren, vor, sein geplantes Treffen missbraucht zu haben, um sich selbst in Szene zu setzen. In einem Video zeigt er, was er von diesem Verhalten hält: Er macht eine Spuckbewegung in Richtung Kamera.

Vorwürfe an Schweizer Tiktoker

Einigen Schweizer Tiktokern drohte Firat gar mit einer Anzeige. In einer Nachricht an die Schweizerin Jennifer Vorfi, die 20 Minuten vorliegt, schreibt er: «Solltet ihr eure Storys nicht löschen, wo ihr mit unseren Zuschauern flext, werdet ihr eine Anzeige kriegen vom Glattzentrum.» Ihr Erscheinen habe dazu geführt, dass Kinder hätten verletzt werden können.

Im Auftrag des Glattzentrum handelte Firat damit zwar nicht. Doch auch dort wird die Version bestätigt: Schweizer Tiktoker hätten das Treffen für sich selbst nutzen wollen. Einer musste gar von der Security herausbegleitet werden, heisst es dort. Auf einem Video ist zu sehen, wie Fans sich den Schweizer Tiktokern zuwenden, als sie diese erkennen. Sie wollen Fotos machen, die Menge gerät immer mehr in Euphorie, die Situation schaukelt sich auf.

Unvermutete Menschenmassen

Der Influencer Mr. John Brown (32) und Firats Bruder, der sich Ibobelfort (20) nennt, organisierten das Treffen – spontan, wie sie sagen. Das Glattzentrum sei auf sie zugekommen, als es davon erfahren habe. «Sie haben es super organisiert, aber leider haben weder sie noch wir mit so vielen Fans gerechnet. Wir dachten, es kommen höchstens 500 Personen», so Mr. John Brown.

Nach der neusten Auswertung der Videos dürften es aber zwischen 5000 bis 6000 Personen gewesen sein, so Ibobelfort. Der Chef des Glattzentrums spricht diesbezüglich auch am Sonntag noch von 3000 Personen. Problematisch sei die Menschenmenge aber laut Ibobelfort nur gewesen, weil die jungen Schweizer Tiktoker den Anlass bewusst gecrasht hätten. «Zwei kleine Tiktoker haben das im Vorfeld angekündigt. Sie haben sich explizit in die Menge gestellt und die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.»

Wut und neue Strategie

Dadurch sei die Hysterie noch grösser geworden. Die Situation sei gefährlicher geworden. «Die Security sagte uns, dass wegen dieser Tiktoker kleine Kinder im Gedränge gequetscht oder auch verletzt worden seien.» Die Organisatoren selbst hätten sich nicht in die Menge begeben, da sie die hysterische Situation nicht noch mehr hätten aufheizen wollen. «Wir haben uns aus Sicherheitsgründen in den Büroräumen des Glattzentrums aufgehalten und dieses erst um neun Uhr Abends durch den Hinterausgang verlassen.»

Der Chef des Glattzentrums habe ihnen geraten, solche Anlässe zukünftig nur noch in grösseren Stadien und mit viel stärkeren Sicherheitsvorkehrungen zu organisieren. «Wir wollen nicht, dass jemand verletzt wird. Weder Fans noch Sicherheitsleute noch wir», sagt Ibobelfort. Ihnen sei sehr ans Herz gegangen, dass durch den von ihnen organisierten Anlass kleine Kinder in Gefahr gerieten.

Chaos im Glattzentrum

Alan Wägli (18), einer der kritisierten Schweizer Tiktoker, widerspricht. Er habe eigentlich nur ans Treffen von Firat und Luana gehen wollen, sei aber von den Fans erkannt worden. «Die Kinder haben uns so bedrängt, dass wir keine Möglichkeit hatten, aus dem Glatt zu kommen. Die Security hat uns gesagt, dass wir raus müssten und hat uns dann nach draussen begleitet.» Erst hätten sie abgelehnt, Fotos mit Fans zu machen: «Wir waren ja wegen Firat und Luana da.» Weil diese aber nicht aufgetaucht seien, hätten sie sich schliesslich um die Fans gekümmert.

Nach einer Stunde hätten sie privat etwas essen gehen wollen. «Wir sagten den Fans, dass wir da allein hinwollen, weil es ein Chaos im Glattzentrum gibt, wenn sie alle auch mitkämen. Sie haben nicht auf uns gehört.» Er könne Firat verstehen. «Es hat schon so ausgesehen, als ob wir den Event für uns genutzt haben», so Wägli. Er und seine Kollegen hätten sich bei Firat für die Situation entschuldigt.

(ihr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chief Operating Officer bei Umbrella Cor am 20.01.2020 06:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    What??

    Tiktoker...... Firat und Luana.....?? Wer soll das sein?.

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  • Liverpool Supporter am 20.01.2020 05:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfassbar...

    Und das ist die Zukunft?! Na dann viel Spass!

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  • Heaven burns red am 20.01.2020 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
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Die neusten Leser-Kommentare

  • David1995 am 21.01.2020 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Stars.

    Habe zwar die Zeit nicht erlebt, aber in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts wahren noch Astronauten, Ingenieure, Physiker usw. Stars. Kann es nicht verstehen das Menschen die nichts können oder bewirken so viele Idole besitzen.

  • Pädu am 21.01.2020 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Schatten der Digitalisierung.

    Bin erst 25 Jhr. jung, und merke wie die ganze Gesellschaft an den Smartphones zugrunde geht. Habe Social Media seit Jahren abgeschworen und lese Bücher. Denn die Smartphones mache gezielt abhängig und manipulieren uns. Als nächstes kaufe ich mir wieder ein altes Nokia mit Tasten. Denn seit ich Social Media und Co. abgeschworen habe fühle ich mich viel freier.

  • Hene am 20.01.2020 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nun!

    Fans von heute sind nicht das was Fans von früher waren. Fans von früher bewunderten Leute, die wirklich etwas konnten. Fans von heute bewundern Influencer und Tiktocker weil diese viele Likes haben. Und viele Likes generieren automatisch mehr Likes weil man ja dazugehören möchte.

    • Flachländer am 20.01.2020 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hene

      Würde ja nix sagen wenn das alles Hochbegabte Talente wären. Die meisten aber sind Menschen wie Du und ich und haben weder irgendein spezielles Talent das man bestauenen könnte noch sonst irgendetwas. Vielleicht eine gewisse Affinität anderen online etwas vorzumachen, ja.

    • Xeno72 am 21.01.2020 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hene

      Früher wollte "man" genauso dazugehören.

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  • sämy k am 20.01.2020 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nachdenklich

    Arme kinder.. Aber denkt positiv, anstat Rente, bekommen wir lustige Videos..

  • jaeni am 20.01.2020 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    gabs früher auch schon

    Als ich in diesem Alter war, gabs ein Fantreffen mit der damaligen Popstars-band Brosis im Shoppyland. Auch dieses musste genau aus einem solchen Grund abgebrochen werden. kann mich noch gut daran erinnern. Und da hatte man noch keine Handys (auf alle Fälle keine Smartphones). Sind halt einfach Teenieidole aber gabs früher auch schon...

    • N.W. am 20.01.2020 16:52 Report Diesen Beitrag melden

      Scotty beam me up

      Ich verstehe das nicht. Auf Tik Tok machen Nobodys ohne Talent den Hampelmann und sie werden Idole genannt und werden mit den Stars von früher verglichen, die auch wirklich Talent hatten?! Ja, die Menschheit wird es nicht mehr lange geben!

    • Leser am 20.01.2020 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @N.W. Genau so ist es!

      Der Spruch es war früher auch so stimmt eben nicht. Was auch so war: Auch wir suchten uns auch unsere Idole. Was aber eindeutig anders war: Diese Idole waren wirklich Stars und konnten echt was. Nicht so wie diese Werbeplakat Infaulenzer denen es nur um narzisstische Selbstinszenierung geht... traurige Entwicklung!

    • O.Wotter am 20.01.2020 17:43 Report Diesen Beitrag melden

      Anbetungsreihenfolge

      habs auch erst jetzt verstanden. Sollte einer dieser Stars tatsächlich auch noch talentiert was können, sind sie automatisch Götter...richtig?

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