«Stämmbög-Lee»

20. September 2013 08:20; Akt: 20.09.2013 08:20 Print

Jetzt kommen die chinesischen Skilehrer

von L. Hanselmann - Auf Schweizer Skipisten wird in diesem Winter Mandarin gesprochen: Ab Dezember bringen die ersten Skilehrer aus China ihren Landsleuten bei, sich auf den Brettern zu halten.

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1,35 Milliarden Menschen leben in China. Mittelfristig sind zwischen 20 und 50 Millionen von ihnen potenziell die künftigen Skigäste auf Schweizer Pisten, schätzt Tourismus-Experte Christian Laesser von der Universität St. Gallen. Dieses Potenzial will Schweiz Tourismus jetzt anzapfen – nicht nur mit Werbekampagnen im Reich der Mitte, sondern neu auch mit Skilehrern aus China.

Bis zu acht von ihnen sollen ab Dezember in der Schweiz und auf den Brettern stehen. Schweiz Tourismus hat in Zusammenarbeit mit Topskilehrern von Swiss Snowsports in Peking Kandidaten getestet. Technisch genügten sie absolut, sagt Daniela Bär von Schweiz Tourismus. Zudem sollen sie von einheimischen Skilehrern begleitet werden. Schwarze Pisten werden sie ohnehin kaum fahren: «Die Mehrzahl der chinesischen Skigäste sind Anfänger bis durchschnittlich gute Skifahrer», so Bär.

Grosses Interesse bei Skiorten

Einer der Skilehrer wird Mitte Dezember nach einem einwöchigen Kurs in der Schweiz in Zermatt beginnen. Der Zermatter Skischulleiter Ralph Schmidhalter glaubt, dass «Touristen aus China eher bei uns Skifahren werden, wenn sie es von einem Landsmann lernen können». Wenn es gut laufe, würden es in Zukunft vielleicht noch mehr chinesische Instruktoren sein. Die rund 200 einheimischen Skilehrer hätten jedenfalls positiv auf ihren neuen Kollegen reagiert.

Auch Davos, Gstaad, Verbier oder die Zentralschweizer Skiorte haben Interesse an den asiatischen Skilehrern angemeldet. «Die Idee ist sicher gut, auch wenn es noch einige Details zu besprechen gibt», heisst es bei Verbier Tourismus. Laut Schweiz Tourismus sind die weiteren Destinationen noch nicht fix.

Skifahren – und danach Shoppen

Die Skigebiete erhoffen sich durch die asiatischen Lehrer deutlich mehr chinesische Touristen. Denn die Chinesen sind für sie besonders lukrative Gäste – und zwar nicht nur auf der Piste. Sie geben beim Shoppen gerne viel Geld aus. «Deshalb sind chinesische Wintersportler strategisch wichtig für uns», sagt Daniel Luggen, Kurdirektor von Zermatt, zur «Bilanz».

Die Skilehrer sind Teil einer grösseren Winteraktion für den chinesischen Markt, deren Vorbereitungen auf Hochtouren laufen, teilt Schweiz Tourismus mit. Bereits seit Längerem bearbeitet die Organisation das Reich der Mitte. Mit Erfolg: Die Zahl der chinesischen Touristen in der Schweiz hat sich seit 2007 mehr als vervierfacht. 2012 zählte man über 835'000 Logiernächte. Von Januar bis Juni waren es nochmals 22 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch Araber im Visier

Der grösste Teil der Chinesen kommt bisher allerdings im Sommer. «Der Anteil an eigentlichen Wintersportgästen dürfte noch relativ klein sein», so Bär. Der Plan ist ambitioniert: Für 2017 rechnet dir Organisation mit rund 260'000 Übernachtungen von chinesischen Schneetouristen. 2022 sollen es bereits 400'000 sein.

Die Chinesen sind jedoch nicht die einzige grosse Touristengruppe, die Schweiz Tourismus intensiv umgarnt. Dieses Frühjahr gingen Schweizer Touristiker deshalb bereits in den Golfstaaten auf Werbetour, um neue Skigäste anzulocken. Zudem arbeiteten beispielsweise Zermatt oder Gstaad bereits mit russischen Skilehrern zusammen.