Eatwith.com

01. April 2014 18:39; Akt: 01.04.2014 18:39 Print

Jetzt kommt das Airbnb für Feinschmecker

von S. Marty - Auf einer neuen Online-Plattform können sich Mitglieder zum Essen bei Wildfremden einladen. Auch in der Schweiz fanden schon solche Treffen statt.

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Eatwith.com: Privatpersonen tischen Gästen kulinarische Spezialitäten auf.

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Die Plattform funktioniert ähnlich wie Airbnb: Man wählt ein Land respektive eine Stadt, die gewünschte Küche und ein Datum – und schon ist man bei Fremden zum Essen verabredet. Gegen Entgelt bekochen Privatpersonen ihre Gäste dann in den eigenen vier Wänden. So kann jeder per Mausklick bei einer spanischen Familie Tapas essen, beim Japaner Sushis kosten oder beim portugiesischen Ehepaar den traditionellen Stockfisch probieren. Das Start-up Eatwith wurde 2012 gegründet. Unterdessen zählt die Plattform über 500 Gastgeber aus 31 Ländern. Die Qualität des Essens prüfen Eatwith-Mitarbeiter vorgängig.

Auch wenn in der Schweiz erst zwei Personen ihre Kochkünste anbieten, das Projekt scheint auch hierzulande Gefallen zu finden. «Wirklich eine spannende Idee», so Christan Fichters erster Eindruck. Essen sei eines der wichtigsten Bedürfnisse des Menschen, sagt der Wirtschafts- und Konsumpsychologe der Fachhochschule Kalaidos: «In Kombination mit einer sozialen Aktivität wie diesem gemeinsamen Zusammensitzen trifft solch ein Angebot den Nerv der Zeit.»

Fichter kann sich durchaus vorstellen, dass sich die Plattform durchsetzen kann – auch in der Schweiz. «Es ist für die Gäste ein Abenteuer in einem vordefinierten Rahmen ohne grosses Risiko.» Neben Touristen könnten laut Fichter auch Expats vom Angebot profitieren: «In der Schweiz ist es für viele Ausländer schwierig, neue Kontakte zu knüpfen – ein gemeinsames Essen ist eine gute Möglichkeit, Bekanntschaften zu schliessen.»

In die Rolle des Gastgebers schlüpfen

Doch warum lädt überhaupt jemand fremde Menschen zu sich zum Essen ein? «Gastgeber geniessen hohes Sozialprestige», so Fichter. «Für viele Hobbyköche ist es reizvoll, für einen Abend in diese Rolle zu schlüpfen und dafür die Bewunderung der Gäste zu ernten.»

Karin Frick, Forschungsleiterin beim GDI, sieht die Antwort hingegen in der Entwicklung der sogenannten Sharing-Economy. «Solche Plattformen sind eine smarte Form, aus weniger mehr zu machen.» In der Schweiz steht laut Frick allerdings eher der Spassfaktor im Vordergrund. Auch sie spricht von der «Lust, etwas Neues auszuprobieren».

Dass hinter der Teilnahme finanzielle Anreize stecken, glaubt Frick nicht – auch wenn man für ein Essen schnell einmal 50 Franken hinblättern muss. «Mit den ganzen Vorbereitungen die man hat, rechnet sich das nicht.» Man wolle ja vor seinen Gästen auch nicht schlecht dastehen und ihnen irgendetwas auftischen. «Ein guter Gastgeber zu sein, benötigt Zeit und Engagement.»

Angebot zu intim für Schweizer?

Aus diesem Grund glaubt die GDI-Mitarbeiterin auch nicht, dass das Konzept hierzulande erfolgreich sein wird. «Wir haben schon zu wenig Zeit, unsere eigenen Freunde regelmässig einzuladen, wann sollten wir dann noch für Wildfremde kochen?» Das Angebot sei zudem zu intim. Frick: «Man muss sich nur einmal vorstellen, dass man sich mit dem Gastgeber nicht versteht.» Dann könne man nicht einfach so die Tür hinter sich schliessen, sondern sei für mehrere Stunden an den Tisch gefesselt. «Und für den Gast ist es in diesem persönlichen Rahmen gar nicht so einfach zuzugeben, wenn einem das Essen nicht schmeckt.»

Dies ist den Schweizer Gastgebern bei ihrem Essen offenbar nicht passiert. Die Mitglieder waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Ihren Reviews zu entnehmen, schienen die Gäste mit dem Fondue jedoch mehr als zufrieden gewesen zu sein.