Finma fordert

17. Juni 2014 17:00; Akt: 17.06.2014 18:21 Print

Jetzt sollen die netten Banker Boni bekommen

von J. Büchi - Gewinnmaximierung um jeden Preis war gestern. Jetzt sollen Topmanager für korrektes Verhalten, Vorsicht und Sorgfalt belohnt werden. Politiker reagieren spöttisch.

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Brady W. Dougan , der CEO der Credit Suisse, stand wegen seiner hohen Boni wiederholt in der Kritik. Müssen seine Millionen bald mit «korrektem Verhalten und sorgfältigem Management» begründet werden? (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Die Fehlspekulation von UBS-Händler Adoboli, Beihilfe zu Steuerdelikten im Ausland und Milliardenboni trotz gleichzeitiger Milliardenverluste: Um das Image der Schweizer Banken steht es – gelinde gesagt – nicht zum Besten. Das ist auch der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) bewusst. An der Jahresmedienkonferenz am Dienstag rief Direktor Mark Branson die Topmanager dazu auf, künftig vorbildlicher zu handeln.

Insbesondere in Bezug auf die Boni müsse in Schweizer Finanzinstituten künftig ein anderer Wind wehen, forderte Branson. Statt für hohe Gewinne und Neugeldzuflüsse müssten Manager für «korrektes Verhalten, das vorsichtige Managen von Risiken und sorgfältig durchgeführte interne Kontrollen» Bonuszahlungen bekommen. «Den Instituten muss klar sein, dass unkorrekt oder unethisch angestrebte Profite nicht erwünscht sind und schon gar nicht belohnt werden», so der Finma-Chef.

«Lachhaft» und «blauäugig»

Für SP-Nationalrat Cédric Wermuth ist diese Forderung von Seiten der Finma schlicht unglaubwürdig: «Der Schweizer Finanzplatz hat sich in dieser Hinsicht in der Vergangenheit ja nicht gerade durch eine konsequente Haltung ausgezeichnet.» Moralische Appelle in diese Richtung gebe es zwar seit Jahren. Es sei aber blauäugig zu glauben, dass sich nun etwas ändern werde. «Wäre es Branson ernst, wäre er mit der Forderung an die Politik gelangt und würde nicht auf die Selbstdisziplin der Banken setzen.»

Gar als «lachhaft» bezeichnet Thomas Minder, Vater der Abzocker-Initiative und Schaffhauser Ständerat, die Aussagen des Finma-Chefs. «Wenn man sieht, dass die Finma immer mehr Angestellte hat und sich trotzdem Skandal an Skandal reiht, muss man dieses ganze System der Regulierung grundsätzlich hinterfragen», findet er. Es könne nicht sein, dass die ganz grossen Verfehlungen der Grossbanken nicht bemerkt würden, und sich die Finma stattdessen in die Bonipolitik der Finanzinstitute einmische. «Für welche Leistungen die Topmanager belohnt werden, ist Sache des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung», so Minder.

«Erwartungen der Branche mitgeteilt»

Die Finma könne im Rahmen ihrer Aufsichtstätigkeit durchaus ein Wörtchen mitreden bei der Frage, wie Anreize gesetzt werden, widerspricht Sprecher Tobias Lux: «Wir haben unsere Erwartungen diesbezüglich der Branche auch mitgeteilt.» Die hohen Bussen, die in den letzten Jahren gegen Finanzinstitute ausgesprochen wurden, hätten die Risiken von zu wenig konsequenten Kontrollen aufgezeigt. «Deshalb, und um das verlorene Vertrauen wieder aufzubauen, plädiert die Finma für mehr Selbstdisziplin bei den Banken und eine Verbesserung der internen Kontrollen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • graulaus am 17.06.2014 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Jetzt mal ganz ehrlich, man sollte in gewissen kreisen keine entschädigungen mehr zahlen sondern eher handschellen verteilen...

    einklappen einklappen
  • U. nmut am 18.06.2014 06:18 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das denn nun wieder?

    Wieso eine Belohnung für Leistungen welche von jedem normalen Arbeiter vorausgesetzt werden, will er seinen Job behalten? Was ist der nächste Bonus? Bonuszahlung weil die Banker pünktlich zur Arbeit kommen? So langsam aber sicher mache ich mir um die Gier und die geistige Gesundheit in unserem Top-Kader wirklich sorge!

  • Freddy Hinz am 18.06.2014 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dream on!

    Finma: Präsidentin ist SP-Mitglied, der Chef ehemals GL-Mitglied der UBS, der Ex-Chef jetzt bei Swiss Re, dorthin gebracht von W.Kielholz, dem Ex-VR-Präsidenten der CS, dort die beiden Bankster mit der weissen Weste Dougan und Rohner, die von nix wussten und dafür auch schon mal CHF 70m Bonus kassierten. Chef PB und CIO von CS beide Ex-UBS, usw usf! Und ihr glaubt, dass Eveline und ihre Beamten der Finma was ändern? Dream on!

Die neusten Leser-Kommentare

  • joker am 18.06.2014 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ha ha..

    Gott ist das lächerlich..Ha ha ich kann wirklich nicht mehr!!!

  • knoba am 18.06.2014 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    ...Wer die Selbstregulierung der (Finanz)Märkte befürwortet, glaubt auch an den Santa Claus...

  • eDicht am 18.06.2014 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Häh?

    Fürs seriös arbeiten einen Bonus? Wie jetzt - ist es mittlerweile sooo aussergewöhnlich wenn man ehrlich, ethisch und korrekt ist? Sorry absoluter Non-sens!

  • Antonio Giovenni am 18.06.2014 15:39 Report Diesen Beitrag melden

    was passiert

    wenn ein Flugzeug mit allen managern einer Firma abstürzt? gar nichts. Wenn aber alle Arbeiter mit dem Schiff untergehen dann läuft im Betrieb gar nichts mehr. Also wer verdient eigentlich den Bonus?

    • Salut.ch am 18.06.2014 17:08 Report Diesen Beitrag melden

      DANKE

      Danke, das sehe ich genau auch so!

    einklappen einklappen
  • Flave@Home am 18.06.2014 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist doch einfach zum davonlaufen

    Kein Wunder reagieren Politiker spöttisch, dort werden benannte Werte prinzipiell missachtet..