Schweizer Tourist

17. März 2018 21:00; Akt: 18.03.2018 11:06 Print

Jetzt spricht der Machu-Picchu-Blüttler

Der Schweizer, der in der Inka-Stadt Nackt-Fotos aufgenommen haben soll, hat sich bei 20 Minuten gemeldet. Er redet von einem Missverständnis.

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«Es war eine dumme Idee.»: Ein Schweizer hatte in Machu Picchu seinen nackten Hintern fotografiert. In Machu Picchu kommt es immer wieder zu ungebührlichem Verhalten von Besuchern. (Archivbild) Szenen, auf die für zehn Ausländer eine Anklage wegen «pornografischen Tanzens» folgte. Die kambodschanische Polizei veröffentlichte die Fotos online. (28. Januar 2018) Bei den Angeklagten handelt es sich um fünf Briten, einen Niederländer, zwei Kanadierinnen, einen Norweger und einen Neuseeländer. Einige von ihnen hielten sich als Touristen in Kambodscha auf, andere lebten in dem Land. Zunächst hatte die Polizei total 87 Personen in Gewahrsam genommen. «Wir wissen nicht, warum wir verhaftet wurden, wir hören verschiedene Geschichten von verschiedenen Leuten», zitiert der «Guardian» einen der Angeklagten. Einige von ihnen seien gar nicht auf den von der Polizei veröffentlichten Fotos zu sehen. In der Vergangenheit ist es in Angkor Wat immer wieder zu Vorfällen mit Touristen, die nackt in der Tempelanlage posierten, gekommen. Teilweise wurden sie zu Bewährungsstrafen verurteilt und mussten das Land verlassen. Seit 2016 ist Touristen mit «freizügiger Kleidung» der Eintritt verwehrt. Jüngst bekamen zwei Amerikaner jedoch im Nachbarland Thailand Probleme. Die beiden betreiben einen Instagram-Account namens «Travelling Butts» und posierten im November mit entblösstem Hinterteil vor einem Tempel. Die thailändischen Behörden fanden das aber gar nicht lustig. Die beiden wurden am Flughafen Bangkok verhaftet und mit einem Bussgeld von jeweils 150 Dollar belegt. Ebenfalls im November zeigten sich sechs tschechische Touristen in Kasachstans Hauptstadt Astana in einem neongrünen Mankini, wie ihn die Figur Borat im gleichnamigen Film berühmt-berüchtigt gemacht hat. Die kasachische Polizei fand den Auftritt wenig amüsant und verhaftete sie wegen «ungebührlichen öffentlichen Auftretens». BBC zufolge mussten sie je 22'500 Tenge, etwa 66 Franken, Busse zahlen. Seit dem 9. Oktober 2017 sitzt Laura Plummer in Ägypten in einer Zelle. Die 33-Jährige war am Flughafen von Hurghada mit den Medikamenten Naproxen und Tramadol im Gepäck erwischt worden. Wert: rund 30 Franken. Die Pillen wollte sie ihrem ägyptischen Ehemann bringen. Dieser leide unter starken Rückenschmerzen. In Ägypten sind diese Medikamente illegal. Der Schotte Jamie Harron handelte sich Anfang Juli Ärger in Dubai ein. Er soll in einer Bar einen Mann an der Hüfte berührt haben. Eigenen Angaben zufolge versehentlich. Nachdem der Bar-Besucher ihn anzeigt hatte, nahm die Polizei den Schotten fest. Dem Schotten drohten zunächst drei Jahre Haft, weil der Geschäftsmann aus Jordanien darauf bestand, dass Harron ihn «unsittlich» berührt hatte. Für Harron hatte der Vorfall schwere finanzielle Folgen: Er und seine Familie verschuldeten sich, um die 41'000 Franken Anwaltskosten zu bezahlen. Nach mehr als drei Monaten konnte Harron das Land wieder Richtung Heimat verlassen. Im Juli 2017 wurde ein Schweizer in Thailand verhaftet, weil er in der Öffentlichkeit eine E-Zigarette gedampft hatte. Laut Gesetz drohten ihm bis zu zehn Jahre Haft. Doch der Schweizer musste lediglich eine Busse bezahlen und durfte wieder nach Hause. Wie hoch die Busse war, ist nicht bekannt. In Thailand ist die Einfuhr von E-Zigaretten seit 2014 verboten. Etwas weiter zurück liegt der Fall dieser britischen Touristin: Wegen ihres Buddha-Tattoos auf dem rechten Arm war sie 2014 in Sri Lanka festgenommen und von einem Gericht des Landes verwiesen worden. Im mehrheitlich buddhistischen Sri Lanka geht die Justiz immer wieder gegen Ausländer vor, die sich nach ihrer Ansicht respektlos gegenüber religiösen Symbolen verhalten.

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Die Geschichte ging gestern um die Welt: Ein 24-jähriger Schweizer habe mit zwei weiteren Touristen im peruanischen Machu Picchu Nackt-Fotos aufgenommen. Die drei Besucher hätten am Dienstag ihre Hosen ausgezogen und entblösst für Fotos posiert, sagte der lokale Polizeisprecher Martín Flores der Nachrichtenagentur AFP. Da dieses Verhalten in Machu Picchu untersagt ist, seien die Touristen weggeschickt, aber nicht festgenommen worden.

Jetzt hat sich der betroffene Schweizer bei 20 Minuten gemeldet und schildert seine Sicht der Dinge. «Nach einem 5-Tage-Trek und regnerischem Wetter kamen wir auf die Idee, unsere Hintern für ein Foto zu zeigen», sagt der Tourist R.*, der anonym bleiben möchte.» Es sei dabei aber nicht das Ziel gewesen, eine Religion oder Kultur zu erniedrigen.

«War eine dumme Idee»

Die Gruppe wurde von den Parkwächtern angehalten, das Treiben zu unterlassen, was sie auch taten. «Die Aufseher waren sehr freundlich und sagten, solche Zwischenfälle gebe es öfters», sagt der Schweizer. Sie hätten sich dann entschuldigt und die Inka-Stadt verlassen.

Sie dachten aber, mit der Verwarnung sei die Geschichte erledigt. «Als wir aber gesehen haben, dass die Nachricht in den News auf der ganzen Welt verbreitet wurde, waren wir schockiert.» Er gibt aber zu: «Es war eine dumme Idee.»

Die im 15. Jahrhundert erbaute Stadt Machu Picchu wurde 1983 ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen. Weil es in den letzten Jahren immer zu ungebührlichem Verhalten von Besuchern gekommen ist, sind die Kontrollen von den Behörden verschärft worden.

(dk)