Beschuldigter Lokalpolitiker

14. November 2019 16:53; Akt: 15.11.2019 13:46 Print

Das geschah, bevor SVPler zu Pfefferspray griff

Ein mittlerweile ehemaliger SVP-Politiker soll einen Teilnehmer einer Anti-Rassismus-Demo mit Pfefferspray attackiert haben. Nun meldet sich ein Zeuge, der den Mann in Schutz nimmt.

Der Pfefferspray-Attacke sollen diese Angriffe von linken Demonstranten vorausgegangen sein. (Video: Leser)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Vor wenigen Tagen wurde publik, dass ein SVP-Lokalpolitiker bei einer Anti-Rassismus-Demonstration im Kanton Schwyz im vergangenen Frühling linke Demonstranten mit einem Pfefferspray attackiert haben soll. Weiter soll der Mann Verbindungen zur rechtsextreme Szene pflegen. So berichtete der «Blick», dass er den Demonstranten ein Transparent gestohlen habe, das anschliessend in einem Video der Neonazi-Gruppierung Combat 18 aufgetaucht sei.

Ein Anwohner aus Seewen SZ sagt jetzt, er habe die besagte Szene von seinem Balkon aus beobachtet und auf Facebook von den Vorwürfen gegen den SVP-Mann erfahren. «Ich kenne keinen der Beteiligten persönlich. Doch es ist mir wichtig, aufzuklären, dass die bisherige Darstellung der Vorkommnisse so nicht stimmt. Das Video, das die Pfefferspray-Attacke zeigt, wurde aus dem Kontext gerissen.»

«Er hat Ärger gesucht und gefunden»

Der Angriff mit Pfefferspray – so erinnert sich der Zeuge, der anonym bleiben möchte – sei keineswegs aus dem Nichts gekommen. So habe sich ein Mann unter die Demonstranten gemischt und von Beginn weg Ärger gesucht: «Ich habe keine Ahnung, zu wem der Rasta-Träger gehörte. Aber er hat dauernd Personen angepöbelt und beleidigt, die das Demo-Treiben vom Strassenrand aus beobachtet haben.» Schliesslich sei es zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und einem Zuschauer gekommen. «Es war wie Pingpong, irgendwann hat der Typ dann eine einstecken müssen.»

Aufnahmen, die 20 Minuten vorliegen, zeigen, wie Demonstranten auf Personen am Strassenrand losgehen (siehe Video). Später ist es laut dem Zeugen zur Pfefferspray-Attacke gekommen. Der Mann mit den Rastas habe weiter Leute angepöbelt, worauf ein weiterer Mann am Strassenrand ihn mit Pfefferspray eingesprüht habe. «Nach dem Vorfall ist der besagte Typ einfach wieder in der Demo-Menge verschwunden. Er ging nicht zur Polizei, die nur wenige Meter entfernt von dem Geschehen positioniert war. Eigentlich hat er einfach Ärger gesucht und ihn so gefunden», so der Zeuge.

Beschuldigter dementiert Kontakt zu Neonazis

Um der Partei keinen Schaden zuzufügen, hat der beschuldigte Schwyzer Lokalpolitiker mittlerweile Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen und ist aus der SVP ausgetreten, auch sein Vorstandsmandat hat er mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Wie von Anfang an räumt er ein, die Pfefferspray-Attacke sei eine «Kurzschlussreaktion» gewesen, bestreitet aber vehement, Kontakt zur Neonazi-Szene zu haben. Zu 20 Minuten sagte er auf Anfrage: «Einige Demonstrationsteilnehmer, unter anderem der Schwarze Block, griffen die Zuschauer – darunter waren Rechtsextreme, aber auch Familien und Senioren – tätlich an. Nicht weil ich mich konkret bedroht fühlte, sondern weil ich die anderen Zuschauer schützen wollte, habe ich in der Aufregung zum Pfefferspray gegriffen.»

Die Anschuldigungen gegen seine Person seien haltlos, so der Mann. Er sei weder gewaltbereit noch hege er rassistisches Gedankengut und habe ein reines Strafregister. Der zuständige Staatsanwalt André Steiner bestätigt gegenüber 20 Minuten, dass man im Rahmen der Ermittlungen wegen geringfügigen Diebstahls keine Hinweise auf eine Zugehörigkeit des besagten Mannes zur Neonazi-Szene gestossen sei.

Die Kantonspolizei Schwyz hat Kenntnisse vom Pfefferspray-Vorfall, da dieser rapportiert wurde. Weil sich der Geschädigte jedoch polizeilich nicht gemeldet habe, liege kein Tatbestand vor.

(jk)