Strahlung in der Schweiz

25. März 2011 10:53; Akt: 25.03.2011 13:41 Print

Jod-131 gemessen - unbedenklich

Radioaktivität aus Japan hat die Schweiz erreicht. Auf 6000 Metern wurden Spuren von radioaktivem Jod gemessen. Für die Gesundheit besteht keine Gefahr.

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Mit einem Tiger F-5 führt die Luftwaffe Messungen in 6000 Metern Höhe statt. Auf dem Bild, das am Donnerstagnachmittag auf dem Flugplatz Payerne aufgenommen wurde, sind unter den Flügeln des Jets die runden Filter für die Messung zu sehen. (Bild: Leser-Reporter Thomas Jäggi)

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Seit Mittwoch führt die Luftwaffe täglich einen Messflug mit einem Armeejet durch. Nun liegen die ersten Resultate vor. In 6000 Metern Höhe wurde am Mittwoch Spuren von radioaktivem Jod-131 gemessen, wie Werner Zeller, Leiter Abteilung Strahlenschutz beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), vor den Medien in Bern ausführt. Dieses Jod dürfte aus Fukushima stammen, da bei den regelmässigen Routinemessungen kein Jod nachgewiesen werden könne. Der Jet erhebt mit Filtern an den Flügeln während rund 30 Minuten mehrere Tausend Kubikmeter Luft. Die festgestellte Konzentration von 140 Mikrobecquerel pro Kubikmeter sei aber sehr gering und liegt laut Zeller 20 000-fach unter dem Schweizer Grenzwert. Eine vorläufige Auswertung der Messungen von Donnerstag zeigte kleinere Konzentrationen von Jod als am Mittwoch.

Überwacht wird die Luft zudem mit fünf hochempfindlichen Messstationen in Bodennähe, die sich in den Kantonen Genf, Freiburg, Aargau, Thurgau und Tessin befinden. Dort liegen die Werte im Normalbereich. Es gebe zwar kleinste Spuren von Jod-131 und Cäsium-137 als Folge von Tschernobyl. Es wurde laut Zeller aber keine Erhöhung festgestellt. «Die Messungen entsprechen unseren Erwartungen.»

Extreme Verdünnung

Für die Gesundheit sind die gemessenen Werte unbedenklich, wie Zeller sagte. In der Schweiz sei keine radioaktive Wolke eingetroffen, da die Luftmassen von Japan über den Pazifik, Nordamerika und den Atlantik nach Europa kämen und nach einer Woche in extrem verdünnter Form einträfen. Andere Staaten wie Island, Schweden oder Finnland haben laut Zeller ähnliche Werte wie die Schweiz gemessen.

Die Nuklearaufsichtsbehörde Ensi geht davon aus, dass der Ausstoss von Radioaktivität in die Luft vor allem vom 15. bis 17. März stattgefunden habe, wie Ensi-Direktor vor der den Medien in Bern sagte. Diese Radioaktivität sei nun in der Schweiz gemessen worden. «Seither ist nach unserem Wissen keine grössere Menge an Radioaktivität mehr über die Luft verbreitet worden.»

Maschinenraum kontaminiert

Die Lage in Fukushima 1 bezeichnete Wanner als stabil, aber noch keineswegs unter Kontrolle. Die Reaktoren müssten weiterhin von aussen gekühlt werden. Alle Blöcke hätten Strom. Es werde versucht, die Kühlsysteme daran anzuschliessen, sagte Wanner. Die Brennelementbecken, von denen vor rund einer Woche die Hauptgefahr ausging, seien nicht mehr akut gefährdet. Sie würden weiterhin von aussen gespiesen. Das Wasser habe sich stark abgekühlt.

Die Arbeiten an den Reaktoren würden weiterhin erschwert, da das Areal zumindest stellenweise stark kontaminiert sei. Im Maschinenraum des Blocks 3 befinde sich stark kontaminiertes Wasser, das aufgrund der Zusammensetzung der Nuklide aus dem Reaktor stammen müsse. Damit hätten sich laut Wanner zwei oder drei Arbeiter die Füsse verstrahlt.

(mdr)