Angst vor sexuellen Übergriffen

05. Juni 2019 11:41; Akt: 05.06.2019 11:41 Print

Joggerinnen nehmen Nadeln und Messer mit

Frauen, die allein joggen gehen, tragen Gegenstände auf sich, um sich vor möglichen Übergriffen zu schützen. Expertinnen raten eher zu Selbstverteidigungskursen.

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Claudia von «Claudias Movement» trainiert und läuft fast täglich im Freien. Sie sagt: «Keine Frau sollte sich den Spass am Laufen nehmen lassen. Verzichtet man aus Angst darauf, dann lässt man ausgerechnet diejenigen gewinnen, vor denen man sich fürchtet. Das ist falsch.» Zwar kenne sie das unbehagliche Gefühl bei einsamen Joggingtouren; aufs Laufen zu verzichten, sei niemals eine Option. Der Pfefferspray ist eines der meistgenannten Gadgets, das Joggerinnen auf sich tragen, um sich im Notfall schützen zu können. Auf Twitter zeigt eine Userin ihren Beschützer: eine (Militär-)Taschenlampe des Typs Klarus XT12. Die helle Leuchte besitzt einen Knopf, der Blitzlicht aktiviert. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, bestimmte Taschenlampen gelten in der Schweiz gesetzlich als Waffe. Eine weitere Läuferin empfiehlt einen kleinen Sicherheits-Alarm, den man als Schlüsselanhänger benutzen kann. Dadurch fühle sie sich sicherer. Corina Elmer, Geschäftsleiterin der Frauenberatung «sexuelle Gewalt», rät Frauen dazu, nie ohne Handy allein joggen zu gehen. In Online-Foren und auf Twitter sagen viele Läuferinnen, sie würden nicht ohne einen Hund allein im Wald joggen gehen. Das Tier vermittle ihnen Sicherheit. Eine Twitter-Userin aus Japan sagt, in ihrem Land werde gerade darüber diskutiert, ob Frauen Stecknadeln auf sich tragen sollten, um sich im Dunkeln zu schützen. Sie habe beim Joggen meist eine kleine Pfeife dabei. Mit dieser könne sie sich im Notfall bemerkbar machen, würde sie etwa ungewöhnliche Geräusche hören, erzählt die Fitnessbloggerin Claudia von «Claudias Movement». Auch auf Twitter geben viele an, eine Pfeife mitzunehmen. Eine Läuferin berichtet davon, sich mit ihrem Schlüssel zu verteidigen. Nicht wenige Joggerinnen geben auf Twitter an, beim Joggen im Wald oder auf verlassenen Wegen ein kleines Taschenmesser bei sich zu tragen. Die Expertinnen raten zu Selbstverteidungskursen. Schliesslich werden auf Twitter viele Schutz-Gegenstände genannt, die hierzulande illegal sind und deshalb in der Bildstrecke nicht erscheinen. Wie diese aber zeigt, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich auf legalem Wege sicherer zu fühlen. (Symbolbild)

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Kürzlich stand ein Mann vor Gericht, weil er im Berner Bremgartenwald eine Joggerin überfallen hatte und sie vergewaltigen wollte. Ein weiterer wurde vor einem Jahr verurteilt, weil er in Uster mehrere Läuferinnen belästigt und ebenfalls fast vergewaltigt hatte. Auf Twitter verdeutlicht nun ein Beitrag der US-Drehbuchautorin Amanda Deibert, wie unsicher sich Joggerinnen wirklich fühlen. Sie schreibt: «Eine Bekannte aus meiner Mama-Gruppe hat einen Online-Diskussionsfaden, in dem Frauen sich darüber austauschen, wie sie sich schützen, wenn sie allein joggen gehen.»

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Der Tweet wurde über 60'000-mal gelikt und gut 15'000-mal geteilt. Hunderte berichten über ihre Erfahrungen beim Laufen ohne Begleitung. Pfeffersprays, Stecknadeln, Schlüsselanhänger mit Alarmknopf und kleine Messer: Die Liste von Gegenständen, die Frauen auf ihre Jogging-Runde mitnehmen, ist lang (siehe Bildstrecke). Das mulmige Gefühl weiblicher Läuferinnen ist weitverbreitet. In Jogging-Foren finden sich zahlreiche Beiträge, in denen Frauen ihre Angst beschreiben und sich Tipps geben.


Die Schweizer Fitness-Influencerin Nadine Huber hat für 20 Minuten bei ihren Followerinnen nachgefragt, wie sie sich beim Joggen fühlen. Die Mehrheit gibt an, manchmal Angst zu haben. (Bild: Instagram/house.of.huber)

Eine Frau, die fast täglich im Freien trainiert und läuft, ist die Personaltrainerin und Fitness-Motivatorin Claudia von «Claudias Movement». Zwar sei sie noch nie von einem Unbekannten angesprochen oder belästigt worden, ein leicht unbehagliches Gefühl sei ihr aber gut bekannt: «Eine gewisse Nervosität ist wohl nicht schlecht, wenn man allein im Wald läuft, damit man sich nicht zu leichtsinnig verhält. Gleichzeitig sollte man als Frau aber für sich selber stark sein wollen und wissen, wie man sich notfalls wehren kann.»

«Keine Frau sollte sich den Spass am Laufen nehmen lassen. Sonst lässt man ausgerechnet diejenigen gewinnen, vor denen man sich fürchtet.»

In der Stadt fühle sie sich sicherer als auf dem Land, so Claudia. Seit sie in Zürich lebe, kenne sie vielen Joggingrouten, die beleuchtet und nur selten menschenleer seien. Joggerinnen, die auf dem Land lebten, sollten auf dunkle Kleidung verzichten und im Dunkeln eine Stirnlampe tragen. Auf unheimlichen Streckenabschnitten könne man nötigenfalls jemanden anrufen.
«Keine Frau sollte sich den Spass am Laufen nehmen lassen. Verzichtet man aus Angst darauf, lässt man ausgerechnet diejenigen gewinnen, vor denen man sich fürchtet. Das ist falsch», sagt Claudia.

Sie habe beim Joggen meist eine kleine Pfeife dabei. Mit dieser könne sie sich im Notfall bemerkbar machen, würde sie etwa ungewöhnliche Geräusche hören. Weiter hat Claudia mit einem Selbstverteidigungskurs gute Erfahrungen gemacht. «Wenn sich tatsächlich mal ein Fremder nähert, sind wahrscheinlich viele vor Schreck versteinert. Im Kurs lernst du genau, wie du dich wehren kannst. Das nimmt die Hemmung, bei echter Gefahr eben auch zuzuschlagen.» Zudem werde das Selbstbewusstsein gefördert.

«Sinnvoll sind Selbstverteidigungskurse. Dort findet auch eine Auseinandersetzung mit den Angstgefühlen statt.»

Auch Corina Elmer, Geschäftsleiterin der Frauenberatung «sexuelle Gewalt» verweist neben Pfeifen oder Alarmen auf Selbstverteidigungskurse. Dort finde unter anderem eine Auseinandersetzung mit den Angstgefühlen sowie effektiven Gegenstrategien statt. «Frauen sollen sich beim Joggen nicht einschränken lassen, sondern das Risiko minimieren.» Grundsätzlich gelte: Alles, was das Sicherheitsgefühl erhöhe, sei schon mal gut.

Generell sei es sicherer, mindestens zu zweit laufen zu gehen. Sei das nicht möglich, rät Elmer: «Frau sollte das Handy mitnehmen und Angehörige darüber informieren, wo genau und wie lange sie joggen geht. Zudem sollte man nicht zu abgelegene Strecken wählen.» Vermeidungsstrategien seien zwar bedauerlich, dennoch sei es bei grosser Unsicherheit sinnvoll, auf einer Finnenbahn oder im Fitnessstudio zu trainieren.

Elmer weist schliesslich darauf hin, dass all diese Vorsichtsmassnahmen leider nicht unbedingt vor jeglicher sexueller Gewalt schützen würden: «Noch immer passieren weit mehr schwere Übergriffe an privaten Orten. In rund 70 Prozent aller unserer Fälle ist das Opfer mit dem Täter bekannt, häufig ist es gar der Partner oder der Ex-Freund.» Zudem sei es unumgänglich, gewaltfördernde Strukturen zu verändern – etwa durch politische Arbeit.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Demokratos am 05.06.2019 11:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das muss sich wieder ändern !

    WAS hat die Politik, aus der Schweiz gemacht, dass man sich nun beim "Joggen" bewaffnen muss...DasDas

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  • Mario Willi am 05.06.2019 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande!

    Wo sind wir gelandet? Ist ja Horror!

  • Cordua am 05.06.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Schweiz

    Gute Schweiz, was ist aus dir geworden. Stimmt sehr nachdenklich. Ich will meine sichere Schweiz zurück. Als Frau.Wann findet der Protesttag von uns Frauen für eine sichere Schweiz statt? Oder ist das verboten?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Selina am 06.06.2019 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit

    Seit vier Jahren bin ich in Mexiko unterwegs und es ist bis heute nichts passiert. Keine Überfälle und kein begrapschen, fühle mich hier sicher. Im Herbst reise ich zurück in die Schweiz, aber was ich in den Zeitungen lese, Überfälle, Mord und Totschlag scheint an der Tagesordnung zu sein. In Mexiko habe ich mich immer sicher gefühlt ob das in der Heimat noch möglich ist?

  • bg am 06.06.2019 15:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheinsicherheit

    Ich höre immer wieder, Polizei und Experten raten Selbstverteidigungskurse zu besuchen. Ein Selbstverteidigungskurs ist nur sinnvoll wenn das erlernte min. einmal in der Woche geübt wird. Dann stellt sich nach mehreren Monaten der Erfolg. Alles andere ist Scheinsicherheit. Sogenannte Experten haben kein fundiertes Wissen, sonst würden sie Schnellkurse nicht empehlen. Mache seit über vierzig Jahren Selbstverteidigung und Kampfsport und bin mehrfacher Schweizermeister, und weiss von was ich rede.

  • Bibi am 06.06.2019 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hunde

    Am meisten wurde ich auf dem Land und im Wald von Hunden belästigt. Darum jogge ich nur noch in der Stadt.

  • Schla/Winer am 06.06.2019 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufgepasst

    Passt auf mit Dingen wie Nadeln oder kleinen Messern. Diese hindern einen gewaltbereiten Mensch nicht ansatzweise jemandem was zu tun. Das einzigen Sinnvollen Mittel die hier genannt wurden sind Pfefferspray und Handy.

  • Die mit dem Hund joggt am 06.06.2019 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur mit Hund

    Also ich hab mich noch nie unwohl beim Joggen gefühlt. Bin immer im Wald unterwegs und benutze keine festen Wege. Allerdings jogge ich nur mit meinem Hund!Macht eh mehr Spass!