Junge Frauen betroffen

18. Juni 2019 10:15; Akt: 18.06.2019 14:16 Print

Jeder zehnte Jugendliche hat keine Lehre oder Matur

Junge Erwachsene haben immer häufiger keinen Lehrabschluss oder eine Matura. Eine grosse Rolle spielt die finanzielle Situation der Familie.

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Der Anteil junger Erwachsener ohne Ausbildung steigt. Das belegt die neueste Erhebung der ch-x-Studie des Bundes. Demnach hat sich der Anteil junger Erwachsener ohne Abschluss auf der Sekundarstufe II, also ohne Matura oder Lehrabschluss, zwischen 2010/11 und 2014/15 nahezu verdoppelt. Mit 11 Prozent hat mehr als jeder zehnte junge Erwachsene keinen solchen Abschluss und befindet sich auch nicht in einer Ausbildung.

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Vor allem junge Frauen ohne Abschluss der Grundschule seien gefährdet, heisst es in der Studie. Ein bedeutsamer Einflussfaktor sei zudem der finanzielle Hintergrund der Familien. Rund 31 Prozent der jungen Erwachsenen, die die neunte Klasse in einem Schultyp mit Grundanforderungen abschliessen und aus finanziell bescheidenen Verhältnissen kommen, schaffen keinen Abschluss auf der Sekundarstufe II – ein doppelt so hoher Anteil wie bei der Vergleichsgruppe, die aus guten finanziellen Verhältnissen kommt.

Hast du wegen finanziellen Problemen eine Ausbildung nicht gemacht oder abgebrochen? Oder haben dich deine Eltern zu einer Ausbildung oder ans Gymi gedrängt, und du hattest keinen Erfolg? Erzähle uns deine Geschichte! Deine Angaben werden vertraulich behandelt.

Westschweiz stärker betroffen

Die Studienautoren folgern daraus, dass die bisherigen Bemühungen wie Stipendien, die zum Ausgleich der unterschiedlichen Bedingungen geschaffen wurden, nicht oder nur ungenügend greifen. Entscheidend sei aber nicht nur das Geld: Gerade bei jungen Frauen, die keine Ausbildung auf der Sekundarstufe II hätten, scheine die finanzielle Lage der Familie nicht der Hauptgrund zu sein. «Auch geschlechter-stereotype Vorstellungen scheinen eine Rolle zu spielen», so die Autoren.

Abgenommen hat besonders der Anteil von jungen Erwachsenen mit einer Berufsbildung. Waren es 2011 noch 71 Prozent, sank dieser Wert im Jahr 2015 auf 62 Prozent. Leicht gestiegen ist der Anteil der Jugendlichen mit einer Matura oder einem Abschluss einer Fachmittelschule von 24 auf 27 Prozent.

Nach wie vor sind junge Erwachsene in der französischsprachigen Schweiz häufiger vom Phänomen der Ausbildungslosigkeit betroffen als ihre Altersgenossen in der Deutschschweiz. Auch dort haben sich die entsprechenden Anteile aber innert fünf Jahren verdoppelt.

(ehs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alice. P am 18.06.2019 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Fremde Länder fremde Sitten

    Und jeder fünfte hat einen Migratonshintergrund... Könnte dass ebenfalls ein Grund sein?!

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  • Marcel Kümin am 18.06.2019 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung stärken

    Diese Entwicklung empfinde ich als tragisch, ist aber ein Ausfluss der Wohlstandsgesellschaft. Der Staat schaut dann schon. Wann geben wir hier endlich Gegensteuer?

  • Marco am 18.06.2019 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt nicht ganz...

    Ich bin Lehrer und weiss aus Erfahrung, dass es mehr als genügend Lehrstellen hätte. Viele Jugendliche und vor allem Eltern träumen aber von einer grossen, erfolgreichen Karriere. Da haben es handwerkliche Lehren schwer und passen nicht in die Wunschvorstellung der Sprösslinge. "Chrampfe für de Erfolg" wäre angesagt!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Donna M. am 19.06.2019 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder hat die Chance aber..

    Da las man neulich, dass gewisse Eltern über den Anwalt bessere Noten erzwingen wollen. Mich wundert daher gar nichts mehr.

  • S.Box am 18.06.2019 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitslos gut ausgebildet!

    Ja gut dass ist sicher nicht gut! Aber was nützt es, wenn man gut ausgebildet Uni Abschluss dergleichen hat, und dann trotzdem arbeitslos ist?

  • Globi am 18.06.2019 20:43 Report Diesen Beitrag melden

    Berufslehre immer gut

    Wenn die finanziellen Mittel knapp sind, kann man ja eine Berufslehre machen, da verdient man Geld und kann, wenn man weiter zuhause lebt, sogar etwas sparen.

  • Rollo am 18.06.2019 20:36 Report Diesen Beitrag melden

    Träume

    Vielleicht muss man aufhören den Traumberuf zu suchen und sich aufs Arbeiten konzentrieren. Nicht jede/r kann Modell oder Designer werden.

  • Schelleursli am 18.06.2019 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt zwei Möglichkeiten

    Entweder man bestreitet sein Leben selbst und nimmt Mühen auf sich oder man macht keinen Finger krumm und damit meine ich, überhaupt nichts. Wer keine Rechnungen und zahlt keine Termine vom RAF oder Sozialamt wahrnimmt, der bekommt am Ende alles, genauso als ob er arbeiten würde. Wer im RAF erscheint, hat verloren. So ein bisschen von beidem geht nicht.