Alkoholexzesse

05. Juli 2014 10:04; Akt: 06.07.2014 01:51 Print

Junge Komatrinker sollen Spitalkosten selber tragen

Wer nach einem Alkoholexzess im Spital landet, soll künftig für die Kosten geradestehen. Laut Sucht Schweiz verfehlt die Massnahme aber ihr Ziel.

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Laut der Generalsekretärin des Fachverbandes Sucht Schweiz, Petra Baumberger, brauche es für junge Leute keine zusätzliche Strafe: «Der Schock bei den Betroffenen sitzt so tief, dass die allermeisten kein zweites Mal eingeliefert werden.» (Bild: Keystone/Urs Flueeler)

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Trinken bis zum Umfallen und danach mit einer Alkoholvergiftung im Spital landen: Solche Exzesse sollen künftig die Betroffenen selber bezahlen. Diese Idee verfolgt eine Änderung im Krankenversicherungsgesetz (KVG). Vorgeschlagen hat die Anpassung die Gesundheitskommission (SGK) des Nationalrates aufgrund eines Vorstosses des Zürcher SVP-Politikers Toni Bortoluzzi. Gemäss einem Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» liegt diese Gesetzesvorlage nun zur Vernehmlassung bereit.

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Sollen Betroffene die wegen einer Alkoholvergiftung im Spital landen, die Behandlung selber bezahlen?
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Laut dem präsentierten Gesetzestext sollen etwa Personen, die seit mindestens sechs Monaten wegen Alkoholabhängigkeit in Behandlung sind, von der Kostenpflicht verschont bleiben. Damit soll der krankhafte Konsum von «eigenverantwortlichen» Exzessen unterschieden werden.

«Es braucht keine zusätzliche Strafe»

Laut dem Fachverband Sucht Schweiz verfehlt die Massnahme das Ziel: Vor allem die Jungen seien im Schussfeld der Politik, obwohl sie eine deutliche Minderheit der Betroffenen ausmachten, erklärt die Generalsekretärin Petra Baumberger. «Der Schock der Betroffenen sitzt so tief, dass die allermeisten kein zweites Mal eingeliefert werden.» Es brauche also keine zusätzliche Strafe.

Die Gesetzgeber würden zudem riskieren, dass die Betroffenen wegen der drohenden Kosten gar nicht in den Notfall gehen oder das Umfeld sie nicht ins Spital bringt: «Man nimmt so gesundheitliche Schäden oder sogar Todesfälle in Kauf.»

Preise erhöhen und Verfügbarkeit einschränken

Den Betroffenen mehr Kosten aufzubürden würde lediglich einen teuren, administrativen Mehraufwand bedeuten: «Viele kommen neben der Alkoholvergiftung auch mit einer Platzwunde oder Verstauchungen ins Spital», so Baumberger. Demnach wäre es praktisch unmöglich zu trennen, wer nun welche Behandlungskosten tragen muss.

Um exzessives Trinken und Alkoholsucht zu vermeiden, müsse man besser bei den Preisen und der Verfügbarkeit ansetzen: «Gerade bei jungen Menschen wirkt eine Erhöhung der Preise stark.» Wenn heute fast rund um die Uhr und überall Alkohol erhältlich sei, kurble dies den Konsum weiter an.

(ngl)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger Tadelmann am 05.07.2014 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nur junge Komatrinker?

    Verstehe nicht wieso dieses Gesetz nur für junge Komatrinker gelten soll? Wenn schon, dann bitte für alle...

  • Herr Wettermann am 05.07.2014 10:28 Report Diesen Beitrag melden

    Egal!!

    Die Kosten sollen von den Komatrinkern auch nicht übernommen werden, damit sie es nicht mehr tun, sondern viel mehr deshalb, weil es nicht geht, dass andere für etwas bezahlen, wofür sie nicht verantwortlich sind. Was meinen diese Leute eigentlich? Unsere Gesellschaft wird immer mehr zu einer profitgierigen Bande von Raubrittern. Diesem Treiben muss ein Ende gemacht werden!

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  • W.Keller am 05.07.2014 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Das Gesundheitssytem ist krank

    Ich glaube nicht, dass die Krankenkasse damit günstiger wird. Wann kommen andere drann? Risikosportarten, Handybenutzer, Raucher, Verkehrsteilnehmer, PC Benutzer, Übergewichtige, IV Bezüger, Hundebesitzer, Altersheiminsassen, Berufsgruppen mit Risikoberufen. Wo bleibt eigentlich der Sozialgedanke? Oder soll man sich mit 65 einschläfern lassen? Wie wärs mal mit Spitalkostensenkungen und nicht am Personal sondern am Herrn Doktor der vielleicht 10 Minuten Zeit hat um irgendeine Diagonse zu stellen die aber den Monatslohn von 3 Pflegefachkräften kostet. Da stinkt der Fisch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Christain S. am 06.07.2014 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wäre eher dafür das man

    die Leute die im vollem Bewusstsein hirnlos dem Staat Kosten verursachen mit Zwangsarbeiten zu leibe Rückt egal ob die Person Vermögend ist oder nicht. Wen alle irgend welche niederen Arbeiten verrichten müssten und auch so lange dran sein müssten bis die Arbeit erledigt ist, wäre die Wirkung viel höher auf allen Ebenen. Aber leider kommen da sicher welche Linke mit Menschenrecht. Die Rechte der Korrekten Bürger wird mit Füssen getreten. Die Steuern gehören dem Souverän und nicht den Politikern.

  • Karl. O. am 05.07.2014 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol Pops

    Die Staatsmacht hat es in der Hand, um der Wirtschaft die süssen Alkohol Getränke zu verbieten. Die Jungen haben in der Regel gar keine Lust auf Alkohol aber durch die Süsse in den Getränken gewöhnen sie sich daran bis sie süchtig sind. Es ist erschreckend wieviel besoffene junge Leute man am morgen wenn man früh zur Arbeit über den HB muss dort als halbe Leichen sieht.

  • Ernesto am 05.07.2014 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erst seit dem Obligatorium

    Vor Jahren gab es noch die Freiwillige Krankenkassen Versicherung und die Obligatorische. Viele Leute hatten damals noch keine Krankenkasse. Die Beiträge waren erschwinglich. Kaum war das Obligatorium für alle Menschen Pflicht stiegen und stiegen die Prämien ins unermessliche finde ich schon eigenartig. Alkoholiker starben früher einfach und fertig. Man kann einfach nicht immer mehr die Verantwortung von den Menschen wegnehmen und Glauben die Allgemeinheit richtet es dann schon.

  • D. Meier am 05.07.2014 21:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber bezahlen?

    Die Kommatrinker und natürlich auch die Trinkerinnen sollen also selber zahlen, weil sie selber schuld sind? Die Abtreibungen werden aber, obwohl die Schwangerschaft auch selbstverschuldet ist, bezahlt?

  • Ruth am 05.07.2014 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol

    Wer zuviel Alkohol trinkt, soll dafür auch die Spital Kosten selber tragen. Die Krankenkassenprämien sind viel zu teuer und werden auf das neue Jahr wieder massiv steigen.