Rollenklischees

23. Juni 2015 06:57; Akt: 24.06.2015 15:18 Print

Junge Macker sind miese Schüler

von B. Zanni - Buben mit traditionellen Rollenvorstellungen schreiben laut einer Studie schlechtere Noten. Männer-Organisationen sehen das Problem bei den weiblich geprägten Schulen.

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Lieber cool als smart: Macho-Schüler vernachlässigen das Lesen und Schreiben, weil sie diese Fähigkeiten als unmännlich wahrnehmen. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

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In der Schule fallen Buben gegenüber Mädchen immer weiter zurück. Gemäss einer aktuellen Studie der Universität Bern und der Pädagogischen Hochschule Bern sind daran auch Rollenklischees schuld: So erzielen Schüler, die die Frau am Herd und den Mann als Ernährer sehen, markant schlechtere Schulnoten als jene, die sich nicht an einem traditionellen Rollenbild orientieren. Untersucht haben die Forscher die Leistungen von rund 900 Berner Schülern der achten Klasse aus der Real- und Sekundarschule sowie dem Gymnasium.

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Braucht es an den Schulen mehr männliche Lehrpersonen?
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Machos verweigern sich dem Lesen und Schreiben

Ein Grund für das schlechtere Abschneiden der Macho-Jungs liegt laut den Studienautoren darin, dass diese wegen ihres draufgängerischen Verhaltens eher aus der Reihe tanzen würden, was sich negativ auf den schulischen Erfolg auswirke.

Hinzu kommt, dass sich die Macho-Schüler auch gewissen Fächern aus Prinzip verweigern, wie die beteiligten Wissenschaftlerin Elisabeth Grünewald von der Pädagogischen Hochschule Bern sagt: «Die Buben vernachlässigen das Lesen und Schreiben, weil sie diese Fähigkeiten als unmännlich wahrnehmen.» Doch damit legten sie sich selbst ein Ei. «Die sprachlichen Kompetenzen sind die Grundlage für den Erfolg in allen anderen Fächern», sagt Grünewald. Ohne gute Lese- und Schreibkenntnisse kämen die Buben auch in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern schnell an ihre Grenzen.

«Ein Gerangel ist nicht sofort ein Problem»

Die Männerorganisationen sehen das Resultat als Folge der gesellschaftlichen Entwicklung. «Der Arbeitsmarkt verlangt immer mehr Kompetenzen, die traditionell als weiblich gelten», sagt Markus Theunert, Präsident des Dachverbandes. Buben, die sich am Männerbild von gestern orientierten, liefen deshalb Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Das Schulversagen könne darum zumindest teilweise Ausdruck von Rebellion und Zukunftsangst sein. «Wenn Buben das Gefühl haben, mit den Mädchen nicht mehr mithalten zu können, reagieren sie mit Verweigerung», sagt Theunert.

Erschwerend komme hinzu, dass an den Primarschulen zu über 80 Prozent weibliche Lehrkräfte tätig sind. «Dies macht es schwierig, den Jungen realistische und vielschichtige Männerbilder zu vermitteln.» Damit die Knaben in der Schule wieder mithalten können, fordert Theunert mehr männliche Lehrpersonen und mehr Verständnis der Lehrer. «Wenn die Jungen lebendig und laut sind oder miteinander rangeln, darf das nicht grundsätzlich sofort als Problem angesehen werden.»

«Buben sind häufig kindlicher»

Dagegen bezweifeln die Lehrer, dass traditionelle Rollenbilder einen Einfluss auf den schulischen Erfolg der Knaben haben. «Die Buben halten schlechter mit, weil sie einfach häufig kindlicher und auch kindischer sind als die Mädchen», sagt Lilo Lätzsch, Sekundarlehrerin und Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands.

Ausserdem falle ihr auf, dass die Schüler weniger strebsam seien als ihre weiblichen Kolleginnen – und sich gerne zurücklehnten. Spätestens dann kommt der Macho ins Spiel: «In der Sek sind die Buben ziemlich raffiniert. Sie wissen, dass sie die Mädchen gut einspannen können, um für sie etwas zu erledigen», sagt Lätzsch.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carolina am 23.06.2015 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    kleiner prinz

    machoverhalten lernt man zuhause; in traditionellen familien tun mütter und schwestern alles für den/die kleinen prinzen. wenn dann die lehrerin nicht mitzieht, gibt es ein problem; das endet oft mit verweigerung.

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  • der Vater am 23.06.2015 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eltern

    Die Herausforderung liegt bei den Eltern. Da braucht es nicht zwingend männliches Lehrpersonal.

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  • Edoardo am 23.06.2015 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    Später merkt Man(n)s dann

    Tja, und die "Macho-Jungs" kommen bei den Mädchen ja bis ca. 25 Jahre auch sehr gut an. Dann merken die jungen Frauen langsam, dass Bildung und Einkommen auch relevant sind und wenden sich diesen Kerlen ab.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ruder am 24.06.2015 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus dem

    Solche kleinen Machokerlchen gieb es überall und die glänzen in der Schule nicht unbedingt mit guten Noten. Die sind von Haus aus so aber wir Eltern müssen sowas stoppen .

  • Martin am 24.06.2015 04:41 Report Diesen Beitrag melden

    War nie ein "Macho"

    Eines will ich aber dennoch sagen. Ich habe selber erlebt, wie Frauen in den Himmel gehoben wurden und ich beim besten Willen nicht nachvollziehen konnte, weshalb! Mir macht es eher den Anschein, dass Frauen gezielt von den Lehrern bevorzugt werden, weil sie interessiert tun, was der Lehrerschaft schmeichelt. So eine Entwicklung darf nicht sein. Selber war ich jahrelang Klassenbester oder später solide Mitte.

  • Simon am 23.06.2015 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Hühnerei

    Ist zwar nicht so spannend wie eine Studie, aber bei uns waren die "Machos, Schläger etc" meistens auch diejenigen die sowieso nichts im Kopf hatten und bei denen auch männliche Lehrer oder anderer Unterricht keinen grossen Unterschied gemacht hätten.

    • Peter Müller am 24.06.2015 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Die Mädchen werden bevorzugt

      Hallo Simon. Das stimmt leider nicht. Die Bildungsexperten waren: Mit der starken Fokussierung auf Sprache, Ordnungsliebe und Fleiß werde man den Buben nicht gerecht.

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  • Kein Macho am 23.06.2015 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen über Knaben?

    Mich würde die Sicht eines Primarlehrers interessieren, vor allem im Zusammenhang auf die Aussage von Frau Lätzsch. Nicht dass ich damit nicht einverstanden bin, es nimmt mich einfach wunder, ob ein Primarlehrer diese Verhaltensweisen auch so sieht.

  • Ex-Macho am 23.06.2015 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abschluss

    Ich war früher ein Macho. Aber ich war gut in der Schule. Sogar so gut, dass ich Jahrgangsbester war. :)