Geschichtsunterricht

18. März 2015 13:36; Akt: 18.03.2015 13:49 Print

Junge SVP gibt eigenes Lehrmittel heraus

von Ph. Flück - Die Junge SVP kritisiert, im Geschichtsunterricht würden bei den Kindern zu wenig patriotische Gefühle geweckt. Nun druckt sie eigene Lehrmittel.

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Die erste Ausgabe von «Geschichte im Brennpunkt» befasst sich mit der Schlacht von Sempach.

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Die Schweiz befindet sich in einem Jubiläums-Jahr: Die Schlacht am Morgarten 1315 jährt sich genauso wie jene bei Marignano 1515. Für die Junge SVP wissen die Schweizer Schulkinder jedoch zu wenig von diesen Ereignissen: Sie lanciert deshalb eine eigene Schriftenreihe namens «Geschichte im Brennpunkt». Es handelt sich um ein Lehrmittel für Primarschulen, mit dem Schüler über wichtige Ereignisse der Eidgenossenschaft aufgeklärt werden sollen.

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Die erste Ausgabe wird noch diese Woche erscheinen. Lehrer können die Broschüre für fünf Franken pro Stück bestellen. Parteipräsident Anian Liebrand erklärt, das Lehrmittel habe das Ziel, die «Informationslücke» zu schliessen, die von den Bildungsinstitutionen offen gelassen werde: «Es soll einen Kontrapunkt zu linksideologischer Geschichtsschreibung darstellen.»

Gewisse Ereignisse hatten einen grossen Einfluss auf den Verlauf der eidgenössischen Geschichte, wie zum Beispiel die Schlacht von Sempach oder die Legende um Arnold Winkelried, so Liebrand. «Der linke Bildungs-Mainstream relativiert diese Ereignisse oder stellt sie als unsicher dar, damit die Kinder keine patriotischen Gefühle entwickeln.»

Tell in den Kontext stellen

SP-Nationalrat Matthias Aebischer versteht die Angst Liebrands nicht: «Überall sieht er immer linke Verschwörungen.» Die Geschichte über die Entstehung der Eidgenossenschaft sei Teil der Lehrpläne. Über Wilhelm Tell werde überall gesprochen. Es sei aber legitim, dass die Lehrperson die Tell-Geschichte in den richtigen Kontext stelle und zum Beispiel die verschiedenen Versionen des sagenumwobenen Tells erwähne.

Prizipiell hat Aebischer nichts gegen neue Lehrmittel. Lehrmittel zu produzieren sei ja nicht verboten, sagt Aebischer: «Solange es klar als SVP-Lehrmittel deklariert ist, finde ich es in Ordnung.» Es könne sogar spannend sein, verschiedene Auffassungen der Schweizer Geschichte miteinander zu vergleichen, um den Kindern zu zeigen, dass man Geschichte verschieden interpretieren könne. Ein Problem hätte er nur, wenn die Broschüre der Jungen SVP von einem Kanton als Lehrmittel vorgeschrieben werden würde: «In diesem Fall würde ich mich als Politiker vehement wehren.»

Unterschiedliche Bezüge zur Geschichte

Beat Zemp, der Zentralpräsident des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), beruhigt: «Was die einzelnen Lehrer als unterrichtsbegleitendes Lehrmittel benutzen, können sie selber wählen.» Grundsätzlich sei es aber kein Problem, wenn die Junge SVP das Gefühl habe, ein eigenes Lehrmittel anbieten zu müssen: «Wenn es didaktisch wertvolles Material ist, kann es eine Bereicherung sein.» Wichtig sei aber, dass die Broschüre die Kinder nicht indoktriniere: «In diesem Fall würde sie nicht in unser Schulsystem passen.»

Zemp weist auch den Vorwurf zurück, dass alle Lehrer links seien und die Entstehung patriotischer Gefühle verhindern wollten. Allerdings hätten die Lehrer in den verschiedenen Kantonen wohl unterschiedliche Bezüge zu den historischen Ereignissen: «Bei der Schlacht von Sempach gehörten beispielsweise auch Thurgauer zu den Verlierern, diese werden sich wohl kaum durch diese Schlacht mit der Schweiz identifizieren.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mittelstufen-Lehrer am 18.03.2015 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So etwas...

    ... Kommt mir nicht ins Schulzimmer! Geschichte ist kein Spielball der Parteien!

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  • Thomas Rohrer am 18.03.2015 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Alte Leier

    Herkunft ist gar keine Leistung, darauf stolz zu sein macht kein Sinn.

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  • Stolzer Schweizer am 18.03.2015 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Kinder...

    ...werden diesen Unfug sicher nicht lesen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • JustMe am 19.03.2015 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    An die Geschichtskritiker

    Schaffen wir doch gleich den gesamten Geschichtsunterricht in der Schule ab. Was benötigen wir die franz. Revolution, Karl Marx etc.; und schauen ob es einen Unterschied macht.

  • Visionär am 19.03.2015 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    Auf den Punkt

    Ein gewisser Patriotismus wäre gerade in der jetzigen Zeit, wo die Schweiz ihr Gesicht und ihre Werte immer mehr verliert, sehr wertvoll.

  • tom m am 19.03.2015 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht gut

    das was man bis jetzt gelernt hat reicht aus, es intressiert doch keinen wen 2 städte sich mit stock und stein bekämpft haben, man würde besser mer über die richtigen kriege reden um rassismus zu meidet

  • Rheinhold Birgmann am 19.03.2015 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gute Sache

    Wenn Parteien anfangen Lehrmittel zu drucken mit der "richtigen" Sicht, kann das nur gut kommen. In Europa haben wir exzellenten Erfahrung damit gesammelt.

  • Mona am 19.03.2015 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Es ist nicht patrieotisch wenn die Kinder mehr Wissen über die schweizer Geschichte unterrichtet werden. Meiner Meinung nach sind das sehr wichtige Informationen. Anstatt den Schüler jahrelang den ersten und zweiten Weltkrieg zu unterrichten ( was bei meiner Schulzeit der Fall war), lieber eine detailierte Geschichtunterricht über die Land, in dem man selber lebt.

    • Lisa am 19.03.2015 10:33 Report Diesen Beitrag melden

      nicht ganz richtig...

      Ja, bloss ist das "Wissen" der SVP meistens auf Märchen und sonstige Fabeln beruhend... Da kann man auch gleich mit dem Fegefeuer und ähnlichem Unsinn kommen.. Willkommen in der Vergangenheit

    • Zitrone am 19.03.2015 11:24 Report Diesen Beitrag melden

      Weltkrieg ist wichtig

      Es ist meiner Meinung nach extrem wichtig, dass die Kinder lernen: Was die Weltkriege sind, wie sie entstanden, wieso sie entstanden, und was dabei für Gräueltaten passiert sind. Ich bin selber erst 20, also aus einer Generation, die nie Krieg erlebt hat: Das heisst aber nicht, dass ich nicht wissen muss, wieso diese Dinge passiert sind. Unzufriedenheit und Grössenwahn waren zwei Auslöser des Weltkrieges. Anstatt die Probleme zu bekämpfen, hat man Personengruppen dafür verantwortlich gemacht. Gebracht hat es nichts.

    • Peter am 19.03.2015 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      liebe Mona

      Die beiden Weltkriege haben einige Folgen für uns Schweizer gehabt. Ich nehme mal an, dass das im Unterricht mehr zur Sprache gekommen ist als nur der reine Verlauf der Ereignisse.

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