Saufen nach Feierabend

06. Januar 2014 09:30; Akt: 06.01.2014 13:50 Print

Junge betrinken sich immer früher am Abend

Teenager greifen immer öfter früh am Abend zur Flasche. Grund: Laut dem Blauen Kreuz ist das Bier zu billig und die Mitmenschen reagieren nicht. Ein Projekt soll jetzt helfen.

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Pöbeleien, Einlieferungen in Notfallkliniken oder betrunkene Autofahrten - bei Jugendlichen sind das bekannte Folgen von Rauschtrinken. Und damit beginnen sie laut dem Blauen Kreuz des Kantons Zürich mittlerweile immer früher am Abend. «Uns ist aufgefallen, dass Junge immer öfter schon kurz nach dem Feierabend Alkohol trinken», erklärt Geschäftsführer Stephan Kunz. Die Rückmeldungen stammten insbesondere aus dem öffentlichen Verkehr.

Das Grundproblem sieht Kunz bei der Preispolitik. «Das Bier kostet heute im Supermarkt etwa so viel wie eine Flasche Mineral.» Die Organisation wolle die Politik deshalb endlich dazu bewegen, die Preise für Alkohol zu erhöhen. Besonders gefährlich seien Aktionen, mit denen Jugendliche an Bahnhöfen und Supermärkten dazu animiert werden, gleich mehrere Flaschen oder Dosen als Sixpack zu kaufen, anstatt es bei einem Bier zu belassen. «Die Wirtschaft ist halt auf die Menge ausgerichtet.» Ein Verbot von solchen Sechserpackungen sei jedoch unrealistisch.

Bier trinken ist salonfähig geworden

Warum die Jugendlichen tagsüber immer früher mit dem Trinken beginnen, ist für Kunz nicht klar. Möglicherweise spiele der Druck bei der Arbeit oder die Langeweile in der Freizeit eine Rolle. Für Dominique Schönenberger von der Zürcher Fachstelle für Alkoholprobleme steht eines jedenfalls fest: «Je einfacher der Zugang und je billiger der Alkohol, desto mehr wird getrunken.» Ausserdem sei der Konsum von Alkohol salonfähig geworden, die Leute hätten weniger Hemmungen, im öffentlichen Verkehr ein Bier zu trinken.

Das Blaue Kreuz will jetzt reagieren und startet deshalb ein neues Projekt unter dem Namen «Jugend und Alkohol». Ziel ist es, gemeinsam mit den Eltern und der Gesellschaft zu verhindern, dass solche Rauschzustände bei Jugendlichen böse enden. Denn oft würden die Mitmenschen zu spät oder überhaupt nicht reagieren, wenn sich Jugendliche betrinken. Kunz appelliert deshalb an Eltern und Gesellschaft: «Hinschauen, nicht weg!» Das unterstützt auch Schönenberger: «Die Eltern sollten Verständnis zeigen fürs Festen. Gleichzeitig sollten sie die Jugendlichen aber auch über das Problem aufklären und gemeinsam mit ihnen Regeln definieren.»

Pro Tag werden laut Kunz schweizweit sechs bis zehn Junge mit einer Alkoholvergiftung ins Spital eingeliefert. Um diese Zahl zu reduzieren, genüge es jedoch nicht, einfach die Kosten auf die Rauschtrinker abzuwälzen. Man müsse aktiver reagieren. «Wir wollen den Jugendlichen die Gefährlichkeit von Alkohol aufzeigen und unterstützend wirken.» Den Eltern rät er: «Ab 14 Jahren sollte man bei den Heranwachsenden sicher genauer hinschauen, wenn es um Alkohol geht.»

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter (kinsky) Kälin am 06.01.2014 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Pro Tag werden.....

    6 bis 10 Jugendliche ins Spital eingewiesen,warum nur ? Vor 30 Jahren wurden wir besoffen liegen gelassen,da nicht jeder das Gefühl hatte,er müsse den Arzt rufen. Ich betrachte diesen Artikel vielmehr als BlauKreuz Propoganda,um nicht in Vergessenheit zu gelangen.Aber was gibt es heutzutags einfacheres als mit den Medien,Propogande zu machen und Tatsachen zu vertuschen..........wir waren keineswegs besser,aber die freieren Jugendlichen !

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  • Markus W. am 06.01.2014 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    so lange es die Alten vormachen......

    Bin aus einem all inclusive Urlaub in einem guten SPA-Hotel zurück und wenn man dort sieht, dass die Erwachsenen schon kurz nach dem Frühstück mit Bier und Wein beginnen.... was soll dann die Jugend von uns "Vorbildern" denken? Was soll eigentlich die Aussage: "uns ist aufgefallen, dass.." Mir fällt auch auf, dass immer wieder Themen aufgegriffen werden die keinerlei fundierte Grundlage (sprich: Beweise) haben - trinkt ein Junger (was heisst hier denn jung?) im Zug ein Bier, dann wird das grad auf alle Jugendlichen umgemünzt?

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  • Mr. Siam am 06.01.2014 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Leben Heute

    Null Toleranz, Leistungsdruck,Ignoranz und unzählige Verbote! Dass treibt (nicht nur) Junge Leute in Alkohol- und Drogensucht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • simon 08/15 am 06.01.2014 21:21 Report Diesen Beitrag melden

    als würde etwas passieren

    den tabak verteufelt man. alk fördert man, da die preise ja dermassen tief sind, das er sich als droge anbietet. schöne welt, in welcher die droge nr 1 gefördert wird und alle etwas von gesundheit faseln, damit sie den tabak verteufeln können. schönes ungleichgewicht, schöne welt der verlogenheit. es wird zeit, diesen politikern mal wirklich die grenzen zu zeigen

  • Schmunzel, Schmunzel.. am 06.01.2014 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Früher war alles besser

    Oder einfach anders. Wir haben früher in den 80er 90er auch getrunken,durchschnitts alter 15, 16, und in dieser zeit konnte man noch in den Laden gehen und sagen, ich brauch die Zigis und den Alk für den Vater oder so. Ich glaube was heute anders ist, wir befinden uns in einem Gesundheit's Wahn. was ungesund ist wird gleich zum negativen Medien Thema sei es Alk , Zigis oder was anderes. Die Leute heute haben viel mehr Möglichkeiten Missstände usw. zu publizieren, und auch deswegen ist es früher anders gewesen....

  • Alice am 06.01.2014 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alkoholfreies Leben

    Ich selber bin 23 und trinke vielleict 1x im Jahr einen Cocktail.. Teils werde ich wegen meinem Nichtkonsum ausgeschlossen, gelte sogar auf der Arbeit als Snob deswegen (Trinke halt bei Apéro's nie was.. ich finde es traurig, dass es besser gesehen ist zu saufen, als nicht..

  • Jonas B am 06.01.2014 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schluss mit Verboten

    Was heisst den hier "ofter" resp. "als früher"? Sind die letzten 2 Monate oder die letzten 10 oder 100 Jahre oder sogar seit beginn der Menschheit gemeint? Wir sind ja so eine üble Saufgesellschaft..haha. Heute ist man mit einem Bier am Abend ein Alkoholiker. Jeder Jugendliche sauft zu viel und alle landen im Spital. Die wurden früher halt einfach nicht so schnell eingeliefert. Schluss mit all diesen Verboten und moralischen Anschuldigungen. Wir lassen uns den wenigen Spass in unserer Gesellschaft nicht auch noch nehmen. Ich empfehle zum lesen: "Weniger Verbote, Mehr Genuss!" von David Signer.

  • Oliver Rothen am 06.01.2014 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Abraten!!!

    Ich habe selber über 20 Jahre getrunken (gesoffen)!! Es war ein schleichender Prozess! Zuerst denkt man, der Konsum ist normal!! Das Resultat waren eine zerstörte Leber und Nieren!! Heute bin ich seit 6 Jahren trocken und seit 3 Jahren transplantiert!! Kann jedem nur von ÜBERMÄSSIGEM (mehr als 2 Biere am Tag) Alkoholkonsum warnen und abraten!!!!!